Rund ein Drittel aller Männer in der Schweiz rauchen. Bei den Frauen ist es knapp ein Viertel. Die Mehrheit von ihnen täglich. Ungefähr 9'500 Menschen sterben jährlich an tabakbedingten Krankheiten. Das sind knapp 15 Prozent aller Todesfälle. Damit verursacht Rauchen die meisten vermeidbaren Todesfälle in der Schweiz.

Um der Nikotin-Abhängigkeit den Kampf anzusagen, beschreitet die «Suchthilfe Ost» neue Wege. Als wahrscheinlich erste Suchthilfe-Einrichtung schweizweit lanciert die Organisation ein Pilotprojekt, wie sie am Dienstag mitteilte. Ab sofort werden an Personen im östlichen Teil des Kantons Solothurn und im Schwarzbubenland gratis E-Zigaretten abgegeben. «Die zu verdampfende Flüssigkeit müssen alle Personen, die vom Angebot Gebrauch machen, jedoch selber bezahlen», erklärt CO-Geschäftsleiter Reno Sami. Die Suchthilfe begleitet und berät dann die Personen auf ihrem Weg weg von den herkömmlichen Zigaretten.

Der Gedanke hinter dem Pilotprojekt: Für Kettenraucher, für die der völlige Nikotin-Verzicht ein zu grosser Schritt wäre, kann das Umsteigen auf weniger schädliche E-Zigaretten eine Alternative sein. Und langfristig schaffen es diese Personen vielleicht sogar, ganz vom Rauchen wegzukommen.

Nicht unumstritten

Eine gratis Abgabe von E-Zigaretten, das gibt es so noch nicht. Dies dürfte auch damit zu tun haben, dass diese Praxis nicht ganz unproblematisch ist. So sind E-Zigaretten zwar weniger schädlich als herkömmliche Zigaretten, aber bei weitem nicht «gesund». Denn auch E-Zigaretten enthalten krebserregende Stoffe und machen abhängig. Aber: Die Konzentration von Giftstoffen ist in herkömmlichen Zigaretten um ein Vielfaches grösser.

Ein weiteres Problem: E-Zigaretten sind noch ein relativ neues Phänomen. Entsprechend fehlen breit angelegte Langzeitstudien. Doch mit heutigem Wissensstand lässt sich sagen, dass E-Zigaretten mit höchster Wahrscheinlichkeit wesentlich weniger schädlich sind als herkömmliche Zigaretten.

Für die «Suchthilfe Ost» überwiegen die positiven Aspekte des Pilotversuchs. «Selbst wenn sich erweisen sollte, dass E-Zigaretten nicht 95 Prozent weniger schädlich sind, sondern nur 50 Prozent, würde das halbierte Risiko den Versuch immer noch lange rechtfertigen», rechtfertig Reno Sami, CO-Geschäftsleiter der «Suchthilfe Ost» das Unterfangen.

Auf den Punkt bringt es der Präsident der «Suchthilfe Ost», Peter Hodel: «Wir wollen keine Werbung für die Nikotin-Industrie machen. Aber wir wollen und müssen die Menschen in unseren Regionen vor Lungenkrebs und anderen vermeidbaren Lungenkrankheiten schützen so gut es eben geht. Wir machen Schadensminderung. Das ist eine unserer Kernaufgaben und die nehmen wir ernst.»