Ein Stelleninserat gibt zu Reden – und sorgt bei Politikern für Stirnrunzeln. Der Kanton Solothurn sucht für das Gefängnis Schachen in Deitingen einen Mitarbeiter oder Mitarbeiterin «im Sicherheitsdienst, Zentrale/Technik». Eine Anforderung sticht dabei besonders ins Auge: Wer sich bewerben will, darf weder älter als 45 Jahre, noch jünger als 30 sein.

So nicht, findet Franziska Roth. «Die Frage des Alters ist diskriminierend», sagt die SP-Kantonsrätin, die das Inserat auf Facebook gepostet hat. «Warum soll sich zum Beispiel ein 47-jähriger, der in anderen Kantonen in einer solchen Anstalt genau den gleichen Job gemacht hat, im Kanton Solothurn nicht mehr melden dürfen?»

Franziska Roth postet zum Stelleninserat der JVA

Roth stösst das Inserat vor allem sauer auf, weil sich der Solothurner Kantonsrat schon mehrfach mit der Problematik der Über-55-Jährigen befasst hat, die Mühe haben, eine Stelle zu finden. «Der Kanton sollte eine Vorreiterrolle einnehmen», so die SP-Kantonalpräsidentin.

Lange Ausbildung, viel Kraft nötig

Diskriminiert der Kanton ältere Arbeitnehmende? Nachfrage bei Michael Leutwyler, dem Chef des Amtes für Justizvollzug. Der weist zuerst einmal eine Zahl vor: 50 Prozent der über 150 Mitarbeitenden in den Solothurner Gefängnissen sind über 50 Jahre alt. Beim Inserat habe auch eine Rolle gespielt, «dass im gesuchten Bereich bereits 2/3 der Mitarbeitenden über 50 Jahre alt sind.»

Man lege eigentlich «grossen Wert auf Fairness und Chancengleichheit im Anstellungsprozess», so Leutwyler. Und: «Selbstverständlich ist für die Personalselektion alleine das Anforderungsprofil entscheidend und nicht das Alter.» Aber warum findet sich dann trotzdem im Inserat die Altersguillotine 45? Das sei «primär auf die physischen und psychischen Anforderungen an Mitarbeitende des Sicherheitsdienstes zurückzuführen», so der Amtschef.

«So sind wir in diesem belastenden und auf allen Ebenen sehr anspruchsvollen Vollzugsbereich auf Personen mit gewisser Lebens- und Berufserfahrung angewiesen.» Wer dort arbeite, müsse körperlich in der Lage sein, «die Sicherheit und Ordnung innerhalb der Anstalt jederzeit gewährleisten zu können.» Zudem sei aufgrund der komplexen Anforderungen mit bis zu fünf Jahren Ausbildung zu rechnen.

Mit Ü-45 nicht mehr fit? «Man kann doch auch mit 50 noch physisch genug fit sein», sagt Franziska Roth (52). Michael Leutwyler hält fest: «Wir bedauern, nicht die angebrachte politische Sensibilität aufgebracht zu haben.»