Neuerscheinung
Solothurn-Krimi: Als die Fröntler das Leben prägten

In seinem neuesten Krimi «Wenn die Schatten sterben» gibt Christof Gasser eine spannende Geschichtslektion.

Fränzi Zwahlen
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Die Waffenfabrik Zuchwil während der Kriegsjahre spielt im neuen Krimi von Christoph Gasser eine wichtige Rolle.

Die Waffenfabrik Zuchwil während der Kriegsjahre spielt im neuen Krimi von Christoph Gasser eine wichtige Rolle.

zvg/Staatskanzlei

Der Solothurner Krimi-Erfolgsautor Christof Gasser hat soeben ein neues Buch auf den Markt gebracht. «Wenn die Schatten sterben» ist steht nicht direkt in der Krimi-Reihe mit Ermittler Dominik Dornach oder Staatsanwältin Angela Casagranda. «Es ist ein eigenständiges Buch, doch einige Protagonisten der Solothurn...-Reihe kommen auch diesmal wieder vor», sagt der Autor. Allen voran Fast-Herzensbrecher, Ermittler Dominik Dornach als zufälliger Nachbar einer der beiden Hauptfiguren, der Deutschen Rebecca, Becky Kolberg.

Sie kommt als Enkelin einer ehemals bedeutenden Unternehmer-Familie nach einem Schicksalsschlag nach Solothurn. Hier will sie zusammen mit ihrem Sohn im ehemaligen Familienanwesen, dem fiktiven Aaregg-Hof, Wohnsitz nehmen und diesen ihren finanziellen Möglichkeiten gemäss sanieren. Und schon in der ersten Nacht geschieht etwas Unheimliches: Hinter einer Mauer wird die Leiche einer jungen Frau gefunden. Es stellt sich heraus, dass diese in den 1940er Jahren gewaltsam ums Leben kam. Obwohl der offensichtliche Mord gemäss schweizerischem Recht verjährt ist, will Becky diesem nachgehen.

So taucht die emotional labile Frau ein in eine monströse Familiengeschichte, bei der sie erkennen muss, dass ihr Grossvater mit den Nazis von der Schweiz aus Waffengeschäfte tätigte. Im Zentrum ist dabei die Waffenfabrik in Zuchwil, in welcher tatsächlich während des 2. Weltkrieges Waffen produziert und ins Ausland verkauft wurden. Allerdings nicht nach Nazi-Deutschland, sondern in «neutrale» Staaten wie Rumänien oder Ungarn.

Zwei Frauenleben im Abstand von 80 Jahren

Damit öffnet Gasser eine weitere Erzählebene, jene der jungen Emma Kummer aus Zuchwil, die um 1940 - in Ermangelung eines anderen Arbeitsplatzes - in der Waffi eher widerwillig ihr Brot verdiente. Eingewoben in diese Lebensgeschichte sind die tatsächlichen Geschehnisse um die «Männer von Zuchwil», Mitarbeiter der Waffenfabrik, die sich eines Tages weigerten, ihrem deutsch-treuen Chef zu folgen und so für die Nazis tätig zu sein. Doch was hat das alles mit der eingemauerten Toten zu tun? Und wieso gerät Becky Kolberg in Verdacht, den alten, ehemaligen Grenchner Unternehmer Peter Davaud ermordet zu haben?

Diese Fragen lässt Autor Christof Gasser - ganz seiner Art entsprechend - lange unbeantwortet und steigert so die Spannung in diesem gut gemachten Krimi. Denn spannend ist hier nicht «nur» die Krimi-Geschichte, spannend sind auch die tatsächlichen Geschehnisse rund um die Waffenfabrik Zuchwil und brisant die Stimmung, die damals bei der Bevölkerung herrschte. Gasser versteht es auf beachtenswerte Weise, sich in die Gedanken und Gefühle der beiden weiblichen Hauptprotagonistinnen - jene aus der Jetzt-Zeit und jene aus der Kriegszeit - hineinzuversetzen. Themen wie Gleichberechtigung, Gewalt gegen Frauen, die Vereinbarkeit zwischen Beruf und Muttersein, politisches Engagement, Wirkung auf Männer: manche dieser Fragen tippt der Autor an. Sie beschäftigen Frauen - und Männer heute noch, genauso wie vor 80 Jahren.

Wie immer stark und süffig zu lesen in Gassers Büchern sind die Dialoge der Akteure. Um einen solchen Krimi zu schreiben, muss man sich mit den Orten, den Geschichten aber auch den kriminalistischen und rechtlichen Gepflogenheiten auskennen. Gasser kann diesbezüglich aus dem Vollen schöpfen.

Hinweis Christof Gasser «Wenn die Schatten sterben» Emons-Verlag. 351 S. Fr. 19.90.

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