Gegen Graffiti

Neue Werbeoffensive soll «SO-sprayclean» zum Durchbruch verhelfen

Vor zwei Jahren wurde die Aktion «SO-sprayclean» zur Bekämpfung von Graffiti gestartet. Bislang stiess das Projekt aber auf wenig Echo. Eine neue Werbeoffensive soll der gemeinsamen Aktion von Polizei, Gewerbler und Versicherer mehr Erfolg bescheren.

Was in New York funktioniert, soll auch im Kanton Solothurn Wirkung entfalten. Die Kantonspolizei Solothurn, der Maler- und Gipsermeisterverband, der Kantonal-Solothurnische Gewerbeverband und die Solothurnische Gebäudeversicherung nehmen - in Anlehnung an die «Broken-Windows-Theorie» - einen erneuten Anlauf im Kampf gegen Sprayereien.

Die Theorie besagt, dass am Ursprung der Verwahrlosung eines Stadtquartiers nicht selten ein zerbrochenes Fenster steht. Nicht sofort repariert, sinkt die Hemmschwelle der Menschen, weitere Zerstörungen folgen, Kehricht wird abgelagert und ganze Häuserzeilen werden mit Sprayereien verunreinigt.

Mitte der 90er Jahre nahm der damalige Bürgermeister New Yorks, Rudolph Giuliani, die Theorie in sein Programm «Zero Tolerance» auf. Kleinste Schäden wurden sofort behoben, die Täter hartnäckig verfolgt. Mit Erfolg. Zuvor aufgegebene Quartiere wurden wieder bewohnbar und sicherer.

Für Sprayer frustrierend

Sinngemäss steckt dieser Ansatz hinter der vor zwei Jahren gestarteten Aktion «SO-sprayclean». Die Initianten sind überzeugt, dass ein rasches und vollständiges Entfernen der Graffiti für den Sprayer frustrierend wirkt, und eine gleichzeitige Strafverfolgung längerfristig zu einem Rückgang der Sprayereien führe.

Mit der Aktion wird versprochen, dass Sprayereien, die über eine Gratis-Hotline gemeldet werden, innert 72 Stunden von einem Vertragsmaler entfernt werden, und zwar zu einem «äusserst attraktiven Stundenansatz». Einzige Bedingung ist, dass der Geschädigte bei der Polizei Anzeige erstattet.

Doch die Dienstleistung stösst bei den Hauseigentümern kaum auf Echo. «Die Resonanz auf die Aktion ist relativ bescheiden», gesteht Andreas Gasche, Geschäftsführer des Gewerbeverbandes, ein. So sind 2012, im ersten Jahr der Aktion, kantonsweit bloss neun Schadensmeldungen und fünf Informationsanfragen rund um das Thema auf der Hotline eingegangen. Auch im laufenden Jahr bewegen sich die Reaktionen auf tiefem Niveau.

«Dienstleistung zu wenig bekannt»

«Die Dienstleistung ist bei den Hauseigentümern sicher zu wenig bekannt», vermutet Gasche. Auch Alain Rossier, Direktor der Solothurnischen Gebäudeversicherung, betont, dass die Information über die Aktion «SO-sprayclean» noch nicht überall angekommen sei. «Zusätzliche Anstrengungen sind nötig.

Die Gebäudeversicherung würde dazu ihre Kanäle zur Verfügung stellen.» Es sei aber kommunikativ schwierig, eine solche Dienstleistung bekannt zu machen. «Solange man nicht von Sprayereien direkt betroffen ist, fühlt man sich nicht angesprochen, und wenn man plötzlich damit konfrontiert ist, erinnert man sich nicht mehr daran.»

Deshalb startet der Gewerbeverband eine Werbeoffensive, um der Dienstleistung zum Durchbruch zu verhelfen. «Wir haben in einem ersten Schritt im September rund 4000 Gewerbebetriebe mit dem Informationsblatt bedient», erklärt Gasche. Zudem soll über den Verband der Solothurner Einwohnergemeinden versucht werden, die Flyer in allen Gemeinden aufzulegen. Ferner soll auch der Hauseigentümerverband Kanton Solothurner eingeschaltet werden.

Gebäudeversicherung deckt nicht

Einen anderen Grund für das geringe Interesse ortet die Kantonspolizei. Viele Geschädigte würden Sprayereien gar nicht melden, weil deren Entfernung trotz des möglichen Rabattes im Zusammenhang mit «SO-sprayclean» noch immer hohe eigene Kosten verursache. Denn die Schäden seien in der Regel versicherungstechnisch nicht gedeckt (siehe Kasten).

Eine Nachfrage beim Präsidenten des Maler- und Gipserunternehmerverbandes Solothurn, Urs Weder, zeigt, dass der «äusserst attraktive Stundensatz» zu relativieren ist. Im Flyer wird der Ansatz für die Fachkraft (inklusive Fahrzeug, exklusive Material) mit 100 Franken angegeben. «Der Stundenansatz liegt damit rund 10 Prozent unter dem vergleichbaren ‹normalen› Ansatz», sagt Weder.

Kostenlose Reinigung in Liestal

Auch in anderen Regionen wird in Anlehnung an die «Broken-Windows-Theorie» gegen die Sprayereien angekämpft. In der Stadt Bern beispielsweise sorgt der Verein Casa Blanca für saubere Fassaden innert 48 Stunden nach Meldung. Die Teilnahme am Verein ist für Liegenschaftseigentümer kostenlos, er muss aber bei der kantonalen Gebäudeversicherung eine Zusatzversicherung abschliessen.

Diese deckt Schäden bis 5000 Franken ab. Darüber hinausgehende Kosten werden vom Verein getragen. Die Stadt Solothurn ihrerseits unterstützt Hauseigentümer in der Altstadt und im Vorstadtbereich mit rund zehn Prozent des Schadens. Bedingung ist, dass bei der Polizei Strafanzeige eingereicht wurde. Noch weiter geht Liestal. Dort erfolgt die Entfernung der Sprayereien ganz auf Kosten der Stadt. Auch hier gilt: Die Geschädigten müssen in jedem Fall Anzeige bei der Polizei erstatten.

Trotz der bescheidenen Resultate im Solothurnischen will Andreas Gasche das Projekt weiterführen. Es brauche einen gewissen Bekanntheitsgrad, um seine Wirkung zu entfalten. «Es scheint uns deshalb wichtig, dass die Dienstleistung mindestens drei Jahre aktiv bewirtschaftet wird.»

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