Häusliche Gewalt
Neue Leitung für die Stiftung Frauenhaus Aargau-Solothurn

Die Stiftung Frauenhaus Aargau-Solothurn steht unter neuer Leitung. Janine Sommer, Rechtsanwältin aus Aarau, übernimmt das Amt per 2019 von Monika Küng und Susan von Sury. Auch im Stiftungsrat kommt es im neuen Jahr zu einigen Wechseln.

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Janine Sommer, per 2019 Präsidentin der Stiftung Frauenhaus Aargau-Solothurn.

Janine Sommer, per 2019 Präsidentin der Stiftung Frauenhaus Aargau-Solothurn.

zvg

Per 1.Januar übernimmt Janine Sommer, Rechtsanwältin aus Aarau, das Präsidium des Stiftungsrates Frauenhaus Aargau-Solothurn. Sie übernimmt das Amt von den beiden abtretenden Monika Küng und Susan von Sury, die die Stiftung im Co-Präsidium leiteten. Zurücktreten werden auch Beatrice Bürgi, Claudia Burkard und Isabelle Derungs, weitere Mitglieder des Stiftungsrates. Der Stiftungsrat verliert damit auf einen Schlag fünf der sieben Mitglieder. Dies teilte die Stiftung am Montag mit.

Für Ersatz ist aber gesorgt. Renate Bruhin, Delegierte des Aargauischen Katholischen Frauenbundes, David Schildhorn und Herbert Strebel wurden in den Stiftungsrat gewählt. In diesem sind damit erstmals auch Männer vertreten. Pendent ist noch die Delegation der Reformierten Kirche des Kantons Aargau.

Zusammen mit den bisherigen Stiftungsrätinnen Claudia Chapuis, Delegierte der Katholischen Landeskirche, und Gertrud Geiser führen sie die Stiftung weiter. Zur Stiftung Frauenhaus Aargau-Solothurn gehört neben dem Betrieb Frauenhaus auch die Sozialpädagogische Wohngruppe Chleematt in Kölliken.

Unter der Leitung von Monika Küng und Susan von Sury wurde die professionelle Geschäftsführung für die Stiftung und ihre Betriebe eingeführt. Seit April 2018 ist Carmen Sidler Geschäftsführerin der Stiftung.

Eindrücke aus dem Frauenhaus Aargau-Solothurn:

Dunya (Name geändert) wurde von ihrem Mann geschlagen, flüchtete vor ihm in die Schweiz, wurde hier von ihrem Vater geschlagen und mit dem Tod bedroht.
59 Bilder
Heute sagt sie: «Es ist nicht in Worte zu fassen, wie sehr ich dem Frauenhaus dankbar bin.»
Dunya im Garten.
Wo das Frauenhaus Aargau Solothurn steht, ist geheim.
Kein rachsüchtiger Mann soll seine Frau oder Ex-Frau hier finden.
Wer ins Frauenhaus aufgenommen werden will, ruft die Nummer 062 823 86 00 an. Dann steht zuerst eine telefonische Beratung an.
Nur das Personal darf ins Büro.
Im Frauenhaus haben die Frauen Zeit, gesund kochen zu lernen.
Die Küche ist hell und modern.
Eine Klientin (Bewohnerin) bereitet das Mittagessen vor.
Zu Hause sind viele Frauen zu stark unter Druck, um richtig zu kochen.
Die Betreuerinnen planen die Mahlzeiten. Die Klientinnen kaufen ein und kochen.
Die Einkaufsliste.
Im Spielzimmer kümmern sich Betreuerinnen um die Kinder.
Blick in das Spielzimmer.
Züsi Born leitet das Frauenhaus.
Zeichnung mit Fensterfarbe.
Kinderwagen, Trottinett, Schneeschaufel: Das Frauenhaus ist gut ausgerüstet.
Viele Frauen sind nach dem Austritt unendlich dankbar und schicken Dankeskarten an das Frauenhaus.
Viele Kinder schenken den Betreuerinnen zum Abschied Zeichnungen.
Ihr eigenes Handy müssen die Frauen beim Eintritt abgeben. Zu gross ist die Gefahr, geortet zu werden.
Als Ersatz erhalten die Frauen ein einfaches Handy mit neuer Nummer, aber ohne Internetzugang.
Das eigene Smartphone darf nicht benutzt werden.
An diesem Computer dürfen die Frauen nach Jobs und Wohnungen suchen oder Mails abrufen.
Soziale Medien sind hingegen tabu.
Eindrücke aus dem Frauenhaus Aargau Solothurn – mit dieser Fotoserie gewinnt Sandra Ardizzone den Medienpreis
Im Garten steht ein Töggelikasten.
Gewisse Frauen dürfen nur in den Garten, nicht aber auf die Strasse. Sie könnten auf ihren Peiniger treffen.
Die Kinder dürfen sich im Spielzimmer Spielsachen ausleihen. Mit Lego und Duplo verarbeiten sie teilweise ihre Traumata.
Bücher und Spiele helfen ebenso bei der Verarbeitung verstörender Erlebnisse. Diese Bilderbücher thematisieren häusliche Gewalt.
Blick in ein Badezimmer.
Der Eingangsbereich.
Hier geht es zum Spielzimmer.
Für ältere Kinder gibt es den Jugendraum.
Auch eine kleine Bibliothek steht zur Verfügung.
«Meine Probleme weiss ich und meine Beraterin. Sonst niemand», sagt Hana (Name geändert), eine ehemalige Bewohnerin des Frauenhauses.
Damit der Garten von aussen nicht zu sehen ist, ist das Gelände umzäunt.
Gartenstühle zum Verweilen.
Eine Klientin telefoniert im Garten.
Das Telefon ist ein wichtiger Anker für die Frauen – ihr Bezug zur Aussenwelt.
Frauen, die Opfer von häuslicher Gewalt geworden sind, finden im Frauenhaus Unterschlupf.
Aufklärungsbmaterial zu Themen wie Sexualität liegt in mehreren Sprachen vor.
Eine Klientin richtet ihr Bett.
Auch der Aufenthaltsraum und Esssaal ist bunt eingerichtet.
Eine Klientin im Aufenthaltsraum und Esssaal.
Blick in ein Zimmer.
Jede Klientin erhält ihr eigenes Zimmer.
Weitere Impressionen aus dem Frauenhaus Aargau Solothurn.

Dunya (Name geändert) wurde von ihrem Mann geschlagen, flüchtete vor ihm in die Schweiz, wurde hier von ihrem Vater geschlagen und mit dem Tod bedroht.

Sandra Ardizzone

Frauenhaus – noch immer eine Notwendigkeit

Die Notwendigkeit des Frauenhauses sei nach wie vor Realität, wird in der Mitteilung der Stiftung betont: «Hier erfahren die gewaltbetroffenen Frauen – oft mit Kindern – Schutz und Unterstützung.» Damit die Nachfrage auch bei jugendlichen, gewaltbetroffenen Frauen gedeckt werden kann, sei vor zwei Jahren ein weiteres Haus gekauft worden. Es seien aber in allen drei Häusern baulichen Anpassungen nötig, um die Sicherheitsvorschriften zu erfüllen. Dafür seien auch grosse finanzielle Ressourcen notwendig. «Neben den Beiträgen aus den Leistungsvereinbarungen mit den Kantonen Aargau und Solothurn ist die Stiftung auf Spenden und Unterstützung der Landeskirchen, Pfarreien, Gemeinden, privaten Spendern und Gönner angewiesen», heisst es in der Mitteilung. (mgt)