Kochen Sie gerne?

Fabienne Holland: (Lacht) Nein, nicht wirklich. Aber mein Mann kocht sehr gerne und gut. Wieso?

Ihr Vorgänger als Kripo-Chef, Urs Bartenschlager, war bekennender Hobby-Koch. Er nahm sogar an einem TV-Kochwettbewerb teil. In welchem TV-Format wäre es Ihnen denn wohler?
(lacht, überlegt) Wenn schon, eher in einem Format wie «Let’s Dance».

Tanzen Sie denn so gut?

Nein, aber gerne. In einer solchen Tanzshow könnte ich sicher noch etwas dazulernen.
Als Gast-TV-Kommissarin würden Sie sich nicht sehen wollen?
Nein, eher weniger.

Nun sind Sie ja nicht bloss «Gast-Kommissarin», sondern effektiv Chefin der Kriminalabteilung der Kantonspolizei. Was hat Sie an diesem Job gereizt?

Die Vielseitigkeit dieser Aufgabe vor allem. Ich arbeite ja schon länger im Bereich der Strafverfolgung. Die Polizeiarbeit ist sehr vielseitig und das ist das, was mich speziell gereizt hat.

Sie sind Juristin, Anwältin, ausgebildete Polizistin und Sie waren Staatsanwältin im Baselbiet: Wollten Sie schon als Kind Kriminalistin werden?

Nein, das nicht. Aber schon im Gymnasium hat mich die Polizei interessiert. An der Uni war ich dann Assistentin eines Strafrechtsprofessors. Das hat mich sehr interessiert und darum bin ich schliesslich auch auf diesem Weg geblieben.

Ihre berufliche Laufbahn ist geprägt vom Einsatz für Recht und Ordnung. Sind Sie diesbezüglich «erblich vorbelastet»?

(lacht) Nein, gar nicht, daran kann es nicht liegen. Mein Vater ist Mathematiker, meine Mutter Lehrerin. Die Rechtspflege interessiert mich. Mir ist wichtig, etwas zu machen, das der Allgemeinheit dient – und zudem ist es halt auch ein sehr spannender Bereich.

Sie haben selber die Polizeischule in Hitzkirch absolviert. In diesem Job braucht es eine gute körperliche Verfassung. Sind Sie sportlich?

Ja, ich treibe gerne Sport und bewege mich gerne. Ich bin nicht gerade spitzensport-mässig unterwegs, aber so eine gewisse Grundfitness ist schon vorhanden. Über den Mittag gehe ich gerne auch mal joggen oder trainiere im Fitnessraum der Polizei.

Anspruchsvoller Job, Mutter von zwei Kindern, Sport: Wie bringen Sie alles unter einen Hut?

Dies ist nur möglich dank eines guten familiären Umfeldes, in dem alle einander helfen. Meine Eltern und mein Mann decken zu Hause sehr viel ab. Diese familiäre Situation ist auch der Grund, weshalb ich bis auf weiteres im Kanton Baselland wohnen bleibe und ein Umzug nach Solothurn im Moment kein Thema ist.

Sie leisten Führungsarbeit in einer ausgesprochenen «Männerwelt». Die Mehrzahl ihres rund 125-köpfigen Teams sind Männer. Wie wurden Sie hier aufgenommen?

Sehr gut! Ich habe nie irgendwie eine Skepsis gespürt. Ich glaube, dass es auch mehr auf den Charakter und die Fähigkeiten ankommt als aufs Geschlecht.

Als 42-Jährige haben Sie auch den einen oder anderen «alten Hasen» zu kommandieren: Wie kommt das an?

Das ist überhaupt kein Problem. Wichtig ist, dass man sich gegenseitig respektiert. Diese Mitarbeiter, mit ihrer grossen Erfahrung, sind ausgesprochen wertvoll für unser Team. Ich habe keine schlechten Erfahrungen gemacht. Dabei kommt mir sicher auch mein praktischer polizeilicher Hintergrund zugute.

Wie erleben Sie das Korps?

Es herrscht ein gutes, offenes Klima. Man hilft einander, die Wege sind kurz und unkompliziert. Auch ausserhalb des Korps funktioniert die Zusammenarbeit gut – etwa mit der Staatsanwaltschaft oder auch der Politik, konkret mit Polizeidirektorin Susanne Schaffner.

Nicht mehr ganz «heile Welt» – aber auch nicht gerade Grossstadt-Moloch: Wie erlebt die Kripo-Chefin die hiesigen kriminalistischen Verhältnisse?

Wir haben mit den Schwierigkeiten zu kämpfen, die sich auch in anderen Kantonen stellen. Was hier besonders ist, sind sicher die Herausforderungen, die sich aus dem Vorhandensein der grossen Transitwege ergeben. Nebst dem Einbruchstourismus gibt es hier eine strukturierte Kriminalität. Stichworte: Rotlichtmilieu, Glücksspiel, Schutzgelderpressung usw. In diesen abgeschotteten Kreisen erstattet niemand eine Anzeige – hier muss die Polizei von sich aus aufmerksam sein und auch proaktiv wirken. Irgendeinmal besteht sonst die Gefahr, dass sich eine Parallelwelt entwickelt – und das wollen wir verhindern.

Und dafür haben Sie genügend Personal?

Wir haben enge personelle Ressourcen. Natürlich könnten wir mehr Leute brauchen – und hätten auch gerne mehr. Letztlich entscheidet die Politik, wie viel Personal uns zur Verfügung steht. Wir machen das Beste aus dem, was wir haben.

Wofür vor allem bräuchten Sie mehr Personal?

Vor allem im Bereich Digitalisierung und Cyber-Crime. Hier ist mit massiven Veränderungen zu rechnen. Die Ermittlungen in diesem Bereich sind sehr aufwendig und personalintensiv. Die hier anfallenden Massendaten stellen eine wachsende Herausforderung dar. Wenn man nur schon denkt, wie viele Daten bei einer einzigen Handy-Auswertung anfallen können: Da braucht es nicht einmal einen grossen Fall, um eine riesige Arbeit auszulösen. Beim Thema Digitalisierung müssen wir die Leute ausbilden und befähigen, dass sie entsprechend ermitteln können. Ein Ermittler, wie man ihn bisher kannte, kann das nicht mehr bewerkstelligen. Da braucht es Spezialisten und künftig auch mehr Ressourcen, ohne dass die übrigen, klassischen Aufgaben vernachlässigt werden dürfen.

Über wie viele solche Spezialisten verfügen Sie heute?

Aktuell umfasst unser Team Ermittlungsunterstützung 14 Mitarbeitende, davon sind 6 eigentliche IT-Spezialisten. Demnächst können wir eine zusätzliche spezialisierte Fachkraft einstellen. Solche Leute zu finden, ist aber eine echte Herausforderung, denn sie sind überall gefragt. Zum Glück interessieren sich auch immer mehr junge Polizisten für diesen Bereich. Zum Beispiel solche, die bereits aus ihrem Erstberuf entsprechende Vorkenntnisse mitbringen.

Nicht nur in diesem Bereich ist eine grenzüberschreitende Zusammenarbeit zwingend. Wie funktioniert diese in der Praxis?

Sehr gut, insbesondere im Rahmen des Nordwestschweizer Polizeikonkordates, aber auch darüber hinaus. Man hilft einander bei Bedarf und kooperiert unkompliziert – auch über die Landesgrenzen hinaus. Die Täterschaft ist heute viel agiler, mobiler als früher – da geht es nicht an, dass die Polizeiarbeit an Grenzen Halt macht.

Also kein «Gärtli-Denken» mehr unter den kantonalen Korps?

Bezüglich des «Kantönligeistes»? (lacht) Es ist eine gute Entwicklung im Gange. Als Beispiel kann ich die gemeinsame Ausbildung an der Interkantonalen Polizeischule in Hitzkirch und die gemeinsame Uniformbeschaffung nennen. Auch sind die Hürden für interkantonale Einsätze tiefer geworden.

Und wie funktioniert die internationale Kooperation, Stichwort Schengen-Abkommen?

Die Täterschaft bewegt sich international, darum ist es sehr wichtig, dass auch die Informationen international fliessen. Bei Personenkontrollen werden immer wieder Leute erfasst, die im Schengen-Informationssystem ausgeschrieben sind.

Zurück zu Ihnen: Wie ist eigentlich der normale Tagesablauf einer Kripo-Chefin?

Wenn ich morgens ins Büro komme, lese ich zuerst das Polizei-Journal und datiere mich auf. Dann folgen Besprechungen mit meinen Mitarbeitenden. Oft gibt es tagsüber Sitzungen, Besprechungen, dazu beschäftigen mich natürlich auch Organisations-, Personal- und Rechtsfragen.

Und wie ist es mit «Front»-Einsätzen?

Solche kommen eher selten vor. In der Regel bin ich da nur in besonderen Fällen direkt involviert.

Aber an Kontakten mit Ihrer Mannschaft fehlt es dennoch nicht …

Keineswegs. Ich gehe offen auf meine Leute zu, ich nehme sie ernst und setze mich für sie ein. Auch dafür, dass sie die nötige Infrastruktur, Ausrüstung und ein gutes Arbeitsumfeld haben, damit sie gerne hier arbeiten. Meine Türe steht ihnen immer offen, wenn sie ein Anliegen haben.

Wie gut kennt die Baselbieterin Holland die Region Solothurn inzwischen?

Ich war früher als Kind öfter in Solothurn. Ich erlebe die Menschen hier als angenehm, freundlich, herzlich. Und der Dialekt gefällt mir!

Bleibt eigentlich nach langen Arbeitstagen auch noch die Zeit für Familie und Freunde?

Doch, doch. Vielleicht etwas weniger als früher – aber dann umso intensiver.

Und wie schaltet Fabienne Holland am besten ab, wenn ihr der Kopf raucht?

Beim Rennen – quer durch Wald und Feld. Das hilft am besten.

Wenn schon nicht das Kochen: Welches ist Ihr liebstes Hobby?

Das Fotografieren. Am liebsten fotografiere ich Menschen, das finde ich am spannendsten.
Dann schiessen nun Sie persönlich die Aufnahmen für die Verbrecherkartei der Kripo?
(lacht) Nein, nein. Das nicht. Das überlasse ich weiterhin unseren Spezialisten.