Zuchwil

Neue Kehrichtverwertungsanlage: 2020 geht's hier Schlag auf Schlag

Die Bauherrschaft rechnet in der ersten Jahreshälfte mit dem ersten Spatenstich für die neue Kehrichtverwertungsanlage in Zuchwil.

Sie ragen schier endlos in den Himmel. Einige von ihnen 80 Meter hoch. Die Bauprofile zeigen an, in welch beeindruckende Höhe der projektierte Neubau der Kehrichtverwertungsanlage (Kebag) im Zuchwiler Emmenspitz emporragen wird. «Enova» heisst das Projekt, das von den Kebag-Verantwortlichen seit Jahren vorangetrieben wird. Der Neubau soll dereinst die vor rund zehn Jahren mit einer Sanierung noch einmal auf Vordermann gebrachten alten Anlagen endgültig mit neuster Technologie ersetzen.

Geht alles nach Plan, dann soll es im neuen Jahr laut Kebag-Direktor Markus Juchli hier im Emmenspitz mit «Enova» Schlag auf Schlag vorwärts gehen: «Am letzten 25. Oktober haben wir das Baugesuch eingereicht. Im kommenden Januar soll die Baupublikation erfolgen. Noch im ersten Quartal des neuen Jahres erhoffen wir die Baubewilligung und der erste Spatenstich soll darauf noch in der ersten Jahreshälfte 2020 stattfinden.» So werde es möglich sein, den Neubau, der direkt südlich neben der bestehenden Kehrichtverwertungsanlage zu stehen kommt, plangemäss 2025 in Betrieb nehmen zu können.

Kühlung mit Luft, statt mit Aarewasser

Grosse Verzögerungen sollte es allerdings nicht mehr geben, denn der ursprüngliche Zeitplan ist bereits um rund ein Jahr zurückgeworfen worden. Dies, weil gleich mehrere grössere Projektanpassungen vorgenommen wurden. So hat man sich gemäss Markus Juchli entschieden, bei «Enova» von der ursprünglich geplanten Flusswasserkühlung auf eine Anlagenkühlung mit Luft umzusteigen.

Hintergrund ist dabei die Problematik der immer wärmeren Fliessgewässer. Die im letzten Jahr revidierte Gewässerschutzverordnung des Bundes schafft nämlich strengere Bedingungen für die Kühlwasserentnahme aus Flüssen. Dies hätte in der Zukunft immer mal wieder dazu führen können, dass der Betrieb hätte heruntergefahren werden müssen. «Wenn ich an den letzten heissen Sommer zurückdenke, dann bestätigt sich, dass unser Entscheid richtig war», blickt der Kebag-Direktor kommenden Hitzesommern entgegen.

Eine zweite grosse Projektänderung stellt der Schlackenaustrag dar: Statt eines Nassaustrags der Reststoffe soll ein Trockenaustrag realisiert werden. Vorteil ist, dass dafür kein Wasser verwendet werden muss und die Schlacke somit rund 20 Prozent weniger Gewicht hat, erklärt Juchli. Anderseits muss für den Trockenaustrag wegen der entstehenden Staubentwicklung aber ein geschlossenes System mit Luftabsaugung und Filtersystem gebaut werden.

Weil sich bei geologischen Untersuchungen gezeigt hatte, dass der Baugrund für ein Projekt dieser riesigen Grössenordnung zu wenig stabil ist, wird schliesslich der Bau einer Pfahl-Platten-Fundation nötig sein.

Ein 444 Mio. Franken teures Riesenprojekt

«Stand heute rund 444 Mio. Franken», beziffert Juchli die erwarteten Neubaukosten schmunzelnd mit einer Schnapszahl. Rund ein Drittel dieser Summe werde aus eigenen Mitteln ‑ gezielte Rückstellungen aus den letzten Jahren ‑ finanziert werden können.

Der ursprünglich gesteckte Rahmen von 400 bis 450 Mio. Franken könne eingehalten werden, zeigt sich der Kebag-Direktor sicher. Dies trotz der genannten wesentlichen Projektänderungen. So schlägt der Umstieg von der Wasser- auf eine Luftkühlung mit 1 Mio. Franken zu Buche und zusätzliche 2,8 Mio. Franken wird die Baugrundpfählung kosten.

Der Entscheid für den Trocken-, anstelle des Nassausbaus der Schlacke verursacht einmalige Mehrkosten von 7,4 Mio. Franken. Dem stehen allerdings laut Juchli jährliche Einsparungen von über 2 Mio. Franken bei der Schlackenentsorgung gegenüber, was diese Investition schnell amortisieren lassen werde.

Die Alpiq Hydro AG trat das Baugelände ab

Wie einer Handänderungsanzeige im jüngsten Amtsblatt des Kantons zu entnehmen ist, gehört nun auch der Baugrund für den «Enova»-Neubau definitiv der Kebag AG. Die Handänderung basiert gemäss Markus Juchli auf einem Vorvertrag, der bereits 2017 mit der Alpiq Hydro Aare AG (Boningen) abgeschlossen worden ist. Die Alpiq-Tochter, die auf dem fast 19000 Quadratmeter grossen Gelände bisher von der Emme mitgeschwemmtes Kies für die Weiterverwertung zwischenlagerte, dürfte aus dem Verkauf über 2,4 Mio. Franken gelöst haben.

Wenn die mächtigen Bauprofile erwartungsgemäss schon bald den Baggern und Bauarbeitern Platz machen werden, dann wird auf dem Gelände «eine Anlage auf dem neusten Stand der Technik» entstehen, wie der Kebag-Direktor verspricht: «Wir haben uns mit dem Kanton zum Beispiel darauf geeinigt, dass die neue Anlage die heute gültigen Grenzwerte der Luftreinhalteverordnung um die Hälfte unterschreiten wird.»

Autor

Urs Mathys

Urs Mathys

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