Anita Hugi, was bewog Sie, sich als Direktorin der Solothurner Filmtage zu bewerben?
Anita Hugi: Da gibt es verschiedene Motive. Film, und insbesondere der Schweizer Film interessiert mich schon seit vielen Jahren. Und die Solothurner Filmtage sind der Ort für den Schweizer Film. Hier trifft sich die Filmbranche und das Filmpublikum aus der ganzen Schweiz – aus der Deutschschweiz, Romandie und dem Tessin. Das finde ich faszinierend und auch sehr wichtig. Vor allem auch geht es in Solothurn immer um den qualitativ hochstehenden filmischen Inhalt. Filme, die gesellschaftlich wichtige Diskussionen auslösen, prägende Schweizer Filme sind hier jeweils zu sehen. Man denke nur an die jeweiligen Preisträger des Prix de Soleure. Wichtig dafür ist aber auch die Stadt Solothurn, die eine Brückenfunktion für die Besucher aus allen Landesteilen erfüllt. Ich habe immer wieder erlebt, dass Romands und Tessiner sehr gerne nach Solothurn kommen. Solothurn wirkt wie ein Magnet.

Die vergangenen Solothurner Filmtage konnten auch von Jahr zu Jahr höhere Publikumszahlen vermelden.
Daran sieht man, dass die Solothurner Filmtage, aber auch der Schweizer Film gesund ist. Das Publikum kommt, weil das Programm ansprechend ist. Aber auch, weil hier Begegnungen mit Filmemachern möglich sind. Man trifft sie bei Diskussionen, in der Beiz. Dieser Austausch mit dem Publikum stärkt andererseits auch die Filmemacher. Zudem weiss ich, dass das Solothurner Publikum gerade für Filmemacher aus der welschen Schweiz immer als Gradmesser angesehen wird, wenn sie also wissen wollen, wie ihr Film in der Deutschschweiz ankommt. Es ist wieder diese Brückenfunktion.

Anita Hugi, neue Direktorin der Solothurner Filmtage: «Mir ist es sehr wichtig, dass der Film etwas möchte, etwas riskiert.»

Anita Hugi, neue Direktorin der Solothurner Filmtage: «Mir ist es sehr wichtig, dass der Film etwas möchte, etwas riskiert.»


Sie arbeiteten ja einige Zeit bei «Sternstunde» im Fernsehen SRF. Die SRG ist auch die wichtigste Medienpartnerin der Solothurner Filmtage. Findet nun eine noch intensivere Zusammenarbeit statt?
Schon heute haben die «Sternstunde» und die Solothurner Filmtage eng zusammengearbeitet, indem unter Seraina Rohrer Filmpremieren koordiniert in Solothurn gezeigt und im Fernsehen ausgestrahlt wurden. Die Zusammenarbeit wird weiter gehen.

Welches sind die Filme, die Ihnen besonders am Herzen liegen?
Öfters sind es ältere Filme. Es ist aus meiner Sicht wichtig, viele von ihnen nicht zu vergessen. Deshalb finde ich auch die neue Online-Edition Filmo eine gute Sache. Hier sind «Filmklassiker» aus der Schweiz online abrufbar und somit auch einem jüngeren Publikum schnell und unkompliziert zugänglich. Grundsätzlich ist mir aber wichtig, dass ein Film eine Aussage hat. Das kann eine Komödie genauso wie ein Dok-Film sein.

In Grenchen geboren und in Biel aufgewachsen kennen Sie ja die Region um Solothurn sehr gut. Wie ist es, wieder in der alten Heimat zu arbeiten?
Ich arbeitete ja drei Jahre lang in Kanada, wo es mir sehr gefiel. Etwas zog mich wieder an den Jura-Südfuss. Ich weiss nicht, ist es das Alter, sind es Heimatgefühle oder ist es die Zweisprachigkeit, die ich in Kad erebte. Ich lebe jetzt auch wieder in Biel, wo ich bis zum Alter von 18 Jahren aufwuchs und zur Schule ging.

Und haben Sie das Filmtage-Team schon kennen gelernt?
Ja, im Zusammenhang mit meinen Vorstellungsgesprächen lernte ich viele Mitarbeiter bereits kennen. In diesem Team habe ich auch das gefunden, was mir in Kanada so gut gefiel: Man arbeitet mit Menschen zusammen, die gemeinsam für eine Sache einstehen und an einem Strang ziehen. Die ihre ganze Kraft dafür geben. Dazu ist man sehr unkompliziert miteinander unterwegs. Das gefällt mir.

Haben Sie schon Vorstellungen, wie die Solothurner Filmtage unter Ihrer Leitung aussehen werden?
Ich werde meine Arbeit am 1. August starten und mich dann noch ein paar Tage mit Seraina Rohrer einarbeiten. Wie ich schon sagte, geht es den Filmtagen sehr gut, sodass sich grosse Veränderungen nicht gleich aufdrängen. Wichtig erscheint mir aber, das Publikum zwischen 20 und 40 an die Filmtage zu bringen. Erhebungen zeigten, dass diese Altersgruppe wenig vertreten ist. Welche Massnahmen dafür ergriffen werden, das kann ich jetzt noch nicht sagen. Allerdings werden wir sicher auch die sozialen Medien verstärkt nutzen.