Immer mehr Anbieter wollen im Fitnessmarkt ein Stück vom Kuchen. Besonders in der Agglomeration Solothurn findet man bald an jeder Ecke ein Fitnesscenter. Auch in der Agglomeration Olten teilen sich sieben oder acht Anbieter den Markt. Ob der Kuchen grösser wird oder nur die einzelnen Stücke kleiner, darüber herrscht Uneinigkeit.

Die Betreiber sehen jedenfalls keinen Grund zur Panik. Sie unterscheiden sich bei der Kundenbetreuung und im Preis. Nur den Bereich Nahrungsmittelergänzung haben sie an den Internethandel verloren. In den letzten zwei Jahren sind die Verkäufe (ausser Energieriegel und frisch zubereitete Shakes) um die Hälfte eingebrochen.

Spätestens seit der Eröffnung des niedrigpreisigen Clever Fit in Zuchwil genau vor einem Jahr ist es eng geworden in der Solothurner Fitnesscenter-Branche. Die Aussicht auf die Eröffnung von «Only Fitness» am Westbahnhof im Februar verstärkt den Trend. Dies gilt umso mehr, als der Clever Fit-Studioleiter, Dennis Becker, von einem Erfolg spricht, «der alle unsere Erwartungen übertroffen hat».

Besonders bei der Altersgruppe bis 30 sei das Konzept ein Renner. Die Kundschaft setzt sich (gemäss Selbstdeklaration) hälftig aus Personen zusammen, die das Gerätetraining neu für sich entdeckt haben, und Kunden, die aus anderen Centern zugewandert sind. «Wir profitieren auch von der Biogen-Baustelle in Luterbach. Die Iren, die dort arbeiten, lösen gern Monatskarten bei uns», so Becker.

«Brutaler Verdrängungskampf»

Gemäss dem aktuellen Branchenreport des Schweizerischen Fitness- und Gesundheitscenter Verbandes nutzen 12 bis 14 Prozent der Erwachsenen die Infrastruktur eines Fitnesscenters. Der Verband, der vom Zuchwiler Claude Ammann (Physio in Fit) präsidiert wird, führt leider keine kantonalen Statistiken, wie er auf Anfrage mitteilt. Wer den hiesigen Fitnesscentern auf den Muskel fühlen will, muss folglich mit den Betreibern reden. Eine Recherche, die sich lohnt, denn die Mehrheit von ihnen ist (noch?) selbstständig und nicht Franchise-Nehmer einer Kette.

Die Abwerbungen von Clever Fit müssten bei den alt Eingesessenen Lücken hinterlassen haben. Doch die Nachfrage beim Solothurner Pionier, dem Athena Fitnesspark, ergibt auch hier seit Jahresbeginn ein gesteigertes Interesse an Probetrainings. «Gute Vorsätze», sagt Geschäftsführer Marcel Pesse mit Schmunzeln. Nach 35 Jahren kennt er das Phänomen – und weiss, dass es nicht nachhaltig ist.

Nach einem Vierteljahr, meistens schon nach einem Monat, sind die Leute weg, die ausser dem schlechten Gewissen keine Motivation für Kraft- und Ausdauertraining haben. Umso mehr hält Marcel Pesse die Stammkundschaft in Ehren; «ungefähr zehn sind sogar seit der Eröffnung dabei». Mit dem Umbau des Standorts Recherswil freut er sich zudem am «modernsten und am besten eingerichteten Fitnesscenter im Kanton».

Mit Blick auf die Konkurrenz spricht der Athena-Chef zwar vom «brutalen Verdrängungskampf. Besonders seit die Grossverteiler (als Beispiel FlowerPower von Migros in Solothurn und Olten) und ausländische Ketten (Clever Fit) mitmischen». Doch als «Dinosaurier der Branche» vertraut Pesse auf die optimale Betreuung, fachlich wie auch menschlich, die das Athena biete, zum Beispiel die Sprechstunde mit Physiotherapeuten. «Jetzt haben die Leute Vergleichsmöglichkeiten. Sie kommen weiterhin zu uns oder sie kommen nach Erfahrungen anderswo zurück.»

Outdoor-Angebote

«Fitness in der Natur» haben verschiedene Center mit unterschiedlichem Erfolg ausprobiert. Einerseits sind die Anbieter darauf angewiesen, ihre grosse Indoor-Infrastruktur auszulasten, andererseits sind die Kurse draussen wetterabhängig. Das Grenchner Studio Lifestyle hat die Instruktoren nach mehrjährigem Versuch wieder hereingeholt, wie Geschäftsführer Patrick Bernardi berichtet. Dennis Beck von Clever Fit hingegen vertraut nach einem Jahr darauf, dass Outdoor zum Erfolg wird.

Bei der alt eingesessenen Fitness Factory in Olten gehört das Training auf der Wiese im Sommerhalbjahr fest zum Kursangebot, wie Geschäftsführer Pascal Jörg erklärt. Er positioniert sich mit der Fitness Factory im mittleren Preissegment und setzt konsequent auf eine grosse Zahl bedürfnisorientierter Trainingslösungen, zum Beispiel das Daylight-Abo. Dieses sei inzwischen von anderen Anbietern kopiert worden.

Die Fitness Factory gehört zu den Centern, die den Mitgliedern rund um die Uhr offenstehen. Sicherheit werde dabei grossgeschrieben, betont Jörg: «Wer in Zeiten ohne Betreuung trainiert, hat dank dem Sicherheitsbadge die Gewissheit, dass bei einem Kreislaufkollaps automatisch die Sanität gerufen wird – und diese auch wirklich zum Patienten gelangt.»

Alter Wein in neuen Schläuchen?

Einer, der beim Outdoor- und Indoortraining den Fünfer und das Weggli hat, ist Markus Portmann als Einzel- und Kleingruppentrainer mit seiner Lounge in Zuchwil. Er setzt auf Seriosität, von der fachlichen Qualifikation, über die Weiterbildung bis zur Versicherungslösung für die Kunden. «Seit ein paar Jahren ist Crossfit im Trend, Kraft und Schnelligkeit in einem. Das ist eine gute Sache für Athleten. Doch als Einstieg für den untrainierten Körper ist das nichts.» Immer wieder ist Portmann deshalb in der Situation, bei Kunden Crossfit-Schäden auszubügeln.

Was den Trend zum sogenannten funktionellen Training angeht, so erkennt Portmann darin eine neue Etikette auf alt bewährten Abläufen: «Seit es den Menschen gibt, nützen und schaden ihm dieselben Bewegungen. Eine Kniebeuge bleibt eine Kniebeuge, egal wie man sie nennt.» Doch im Unterschied zu den Betreibern der Center, die für ihre Kunden alle drei Jahre das Kursangebot neu erfinden müssen, kann er das offen sagen.

Selbstbewusste Alteingesessene

In Grenchen und Oensingen ist der Druck neuer Anbieter bisher nicht direkt spürbar. Lifestyle ist in Grenchen seit 25 Jahren am Markt und teilt sich diesen seit 22 Jahren mit demselben Mitbewerber. Nach Ansicht von Geschäftsführer Patrick Bernardi biete der Standort in der Mitte zwischen Solothurn und Biel Schutz vor den Expansionsgelüsten grosser Player. Stark sei das Lifestyle mit Angeboten für Best Ager (55+). Ausserdem biete es als einziges Center im Kanton das «Bloomergie»-Konzept an, das von Zürcher Ärzten und Physiotherapeuten entwickelt wurde. Um den Nachwuchs bei der Stange zu halten, habe man zum Jahres- neu das Monatsabo eingeführt.

Das Center fitneXX in Oensingen feiert heuer das 30-Jahr-Jubiläum. Mit den imposanten 2000 Quadratmetern Trainingsfläche stellt es fast schon ein Kuriosum dar. Neue Fitnesscenter begnügen sich mit deutlich weniger als der Hälfte. Wie Co-Inhaber und Fitness-Instruktor Roberto Borghi sagt, profitiert fitneXX von der starken Ausrichtung auf Gesundheitsprävention und Beratung. Dazu trage die im Haus eingemietete Physiotherapie-Praxis entscheidend bei. Junge Profisportler zählten ebenso zu den Kunden wie das umworbene Segment der Senioren.

Den Verdrängungskampf in den Agglomerationen verfolgt man hier interessiert, aber ohne grosse Besorgnis. Borghi: «Unsere fünf Firmen haben in Oensingen und Balsthal gesamthaft eine Fläche von 12'000 Quadratmetern in verschiedenen Sparten. Das macht Respekt.» Potenzielle Konkurrenten dürften da sorgfältig rechnen, ehe sie einen Markteintritt wagen.