Parlamentsdienst
Nebengeräusche: Der angekündigte Abgang des Ratssekretärs ist nicht der einzige

Rund um den bevorstehenden Abschied von Michael Strebel bei den Parlamentsdiensten des Kantonsrats gibt es Nebengeräusche.

Balz Bruder
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Michael Strebel verlässt seinen Posten auf Ende diesen Jahres. (Archiv)

Michael Strebel verlässt seinen Posten auf Ende diesen Jahres. (Archiv)

Hanspeter Bärtschi

Die Meldung datiert vom 4. Juni und tönt so: «Der Ratssekretär des Solothurner Kantonsrates, Dr. Michael Strebel, orientiert sich beruflich neu und verlässt den Kanton Solothurn per Ende Jahr.» Ein Entscheid, den die Ratsleitung des Kantonsrates, in dem das Ratspräsidium sowie die Fraktionsvorsitzenden versammelt sind, «mit grossem Bedauern» zur Kenntnis genommen hat.

Hintergrund des Abgangs von Strebel, der zuvor als Ratssekretär der Stadt Wetzikon im Zürcher Oberland tätig war: Er hat sich «nach reiflicher Überlegung entschieden, seine Leidenschaft für den Parlamentarismus mit einem stärkeren Fokus auf die wissenschaftliche Arbeit und seine Publikationen weiter zu verfolgen». Die Stelle des Ratssekretärs wird deshalb öffentlich ausgeschrieben. Wahlorgan ist in diesem Fall das Parlament selber.

Mitarbeiterin wurde freigestellt

Hinter den Kulissen sorgt der bevorstehende Abgang von Strebel allerdings für die eine oder andere Irritation. Auslöser dafür ist die Tatsache, dass Strebel vor ein paar Monaten noch höchst selbst veranlasst haben soll, dass eine langjährige pflichtbewusste Mitarbeiterin freigestellt wurde. Von verschiedener Seite, aber bloss hinter vorgehaltener Hand wird unisono bestätigt, dass der Ratssekretär deutlich zum Ausdruck gebracht haben soll, dass es nur zwei Optionen gebe: Entweder geht sie, die Mitarbeiterin, oder ich, der Ratssekretär ziehe die Konsequenzen. Und dies kurze Zeit, bevor Strebel sich nach der Freistellung der Mitarbeiterin selber entschied, die Parlamentsdienste zu verlassen.

Die Lust, den Vorgang zu kommentieren, hält sich bei den Beteiligten in engen Grenzen.

«Sein persönlicher Entscheid»

Kantonsratspräsident Daniel Urech (Grüne, Dornach) führt auf Anfrage aus: «Was es zu den Gründen, weshalb Dr. Michael Strebel demissioniert, zu kommunizieren gibt, stand in der Medienmitteilung. Die Ratsleitung bedauert den Weggang sehr.»

Er, Urech, könne seinerseits nur Folgendes anfügen: «Der Entscheid von Dr. Michael Strebel, von seinem Amt zurückzutreten, ist sein persönlicher Entscheid, den ich respektieren muss, aber sehr bedauere, da wir als Kantonsparlament immer auf ihn zählen konnten.» Strebel habe ihn als Kantonsratspräsidenten immer unterstützt und werde dies bestimmt auch weiterhin tun, führt Urech aus. Nicht ohne dem Ratssekretär «alles Gute für seine Zukunft» zu wünschen. Er sei überzeugt, so Urech, «dass Dr. Michael Strebel weiterhin ein Mensch ist, der sich mit Enthusiasmus für die Institution Parlament engagiert».

Und was ist mit den Nebengeräuschen beim angekündigten Abgang des Ratssekretärs? Da bleibt Urech kurz angebunden: «Dazu kann ich nichts sagen. Sie werden verstehen, dass ich auch Ihre diesbezügliche Darstellung der Ereignisse nicht kommentieren kann.» Und die Direktbeteiligten? Kontaktversuche mit der betroffenen Mitarbeiterin waren nicht erfolgreich; Strebel kommentiert die Umstände nicht, es sei ihm aber «ein sehr grosses Anliegen, das Parlament weiter zu begleiten und genügend Zeit zur Suche nach einem Nachfolger einzuräumen». Deshalb habe er sich entschieden, den Entschluss bereits jetzt anzukünden.

Beliebte Anlaufstelle – akribischer Schaffer

Nachfragen bei aktuellen und ehemaligen Parlamentsmitgliedern festigen den Eindruck, den man von aussen über die mutmasslichen Ereignisse gewinnen kann. Die betreffende Mitarbeiterin sei eine sehr qualifizierte, engagierte und effiziente Kraft bei den Parlamentsdiensten gewesen, die auch für die Ratspräsidien eine beliebte Anlaufstelle war. Umgekehrt ist auch über Strebel, Nachfolger von Langzeit-Ratssekretär Fritz Brechbühl, viel Positives zu hören: Der promovierte Politologe und Lehrbeauftragte ist ein gescheiter Mensch und ein akribischer Schaffer, was sich zum Beispiel in der Auseinandersetzung um die Einführung des Verordnungsvetos auf Bundes- und Kantonsebene zeigte.

Und nun? Mitarbeiterin weg – und der ehemalige Chef, seit gut drei Jahren im Amt, ebenfalls bald. Eine Situation, die sich kaum jemand gewünscht hat, die nun aber Realität geworden ist. Besonders elegant mutet sie nicht an. Aber vielleicht eröffnet sie beiden Seiten neue Ein- und Ausblicke.