Natur hat Vorrang

Naturreservat «Grien-Wöschnau» ist neu beschildert und besser geschützt

Mit dem 2019 genehmigten Nutzungsplan für das kantonale Naturreservat «Grien-Wöschnau» soll eine Entflechtung von Erholungsnutzung und Schutz der Biodiversität erreicht werden. In zwei Teilgebieten erhielt nun die Natur Vorrang.

Hintergrund: Seit 1951 steht das «Grien» unter kantonalem Schutz, 2017 wurde das Auengebiet «Grien-Wöschnau» in das Bundesinventar der Auengebiete von nationaler Bedeutung aufgenommen. Der Kanton Solothurn ist damit zur ungeschmälerten Erhaltung des Objekts und seiner Naturwerte verpflichtet.

Der alte Schutzbeschluss war dafür nicht ausreichend. Daher wurde ein Nutzungsplan ausgearbeitet. Grund für die Revision waren auch das in diesem Abschnitt 2016 abgeschlossene Hochwasserschutz- und Revitalisierungsprojekt Aare Olten-Aarau sowie die ständig zunehmende Erholungsnutzung und das damit verbundene Littering.

Nachtigall und Flussregenpfeifer zurückholen

Besondere Naturwerte im Grien stellen die periodisch überfluteten Kies- und Sandbänke, die Steilufer sowie die Reste von Auenwald dar. Als spezielle Bewohner sind etwa die Äsche, der Biber, der Eisvogel und der Pirol zu nennen. Viele Tier- und Pflanzenarten sind leider in jüngerer Zeit aus dem Grien verschwunden, insbesondere die Boden- und Kiesbrüter: Nachtigall, Flussuferläufer und Flussregenpfeifer reagieren empfindlich auf Störungen.

Daher wurden nun zwei Teilgebiete, das Amphibienbiotop und die neue Insel, als Ruhezonen ausgeschieden und für die Erholungsnutzung gesperrt, wie aus einer Medienmitteilung der Staatskanzlei Solothurn hervorgeht. «Eine ganzjährige Leinenpflicht für Hunde im gesamten Reservat soll den Stress für Wildtiere reduzieren.»

Ferner nimmt ein allgemeines Fahrverbot auf allen Wegen Rücksicht auf die geruhsame Erholung zu Fuss. Da der asphaltierte Kanalweg ausserhalb des Reservats liegt, kann hier weiterhin mit dem Velo gefahren werden. Wegen den 364 hier nachgewiesenen Pilzarten soll herumliegendes Totholz nicht eingesammelt werden, weshalb nur noch die offizielle Feuerstelle benutzt werden darf. Zahlreiche wilde Feuerstellen haben zudem das Litteringproblem massiv verschärft. Mit diesen Massnahmen wird der grossen Bedeutung dieses Auengebiets Rechnung getragen.

Das Reservat wurde neu beschildert. Auf den Reservatstafeln sind der Perimeter und die Nutzungseinschränkungen ersichtlich. Zwei grosse, illustrierte Infotafeln erläutern zudem die Geschichte des Grien und dessen besondere Naturwerte. Die Aufsicht übt die Polizei Kanton Solothurn im Auftrag des Amts für Raumplanung aus.

Breit abgestützt und ohne Einsprachen

Perimeter und Nutzung des Naturreservats wurden in einer breit abgestützten Arbeitsgruppe diskutiert und neu festgelegt. In dieser waren vertreten: die Gemeinde Erlinsbach SO, auch für den Verein «öisi Aare», das Kraftwerk Aarau, der Natur- und Vogelschutzverein, die Pächter und Bewirtschafter von Landwirtschaftsland im Grien, der Kynologische Verein Aarau, der Fischereiverein Schönenwerd, die Regionalvertretung der Koordinationsstelle für Amphibien- und Reptilienschutz in der Schweiz sowie die Abteilung Natur und Landschaft des Amts für Raumplanung. Später schloss sich auch die Einwohnergemeinde Eppenberg-Wöschnau an. Die öffentliche Auflage des Nutzungsplans führte zu keinen Einsprachen.

Die anstehende Erneuerung des Kraftwerks Aarau wird auf das Naturreservat abgestimmt. Die geplanten ökologischen Ausgleichs- und Ersatzmassnahmen werden zu einer weiteren Aufwertung des Auenobjekts führen. (sks)

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