Nationaler Wettkampf
«Manchmal muss man die eigene Meinung etwas zurückstellen»: Diese Solothurnerin steht im Final von «Jugend Debattiert»

Livia Eckert, Solothurner Maturandin, ist Finalistin beim nationalen Debattierwettkampf «Jugend Debattiert». Die 18-Jährige plant zwar eine politisch motivierte Karriere, will aber nicht unbedingt auf der Linie einer Partei politisieren.

Andri Morrissey
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Livia Eckert ist Finalistin beim nationalen Debattewettkampf «Jugend Debattiert».

Livia Eckert ist Finalistin beim nationalen Debattewettkampf «Jugend Debattiert».

Tom Ulrich

Bei den letzten Solothurn Kantonsratswahlen war rund ein Viertel aller eingereichten Listen entweder gänzlich von jungen Kandidaten bedeckt, oder es waren junge Kandidatinnen mit aufgestellt. Auch ausserhalb der Gemeinde- und Parlamentshäuser sind junge Menschen aktiv: Sie organisieren Kundgebungen oder Sitzstreike – etwa gegen den Klimawandel.

Livia Eckert verkörpert dieses Interesse für Politik. Neben Nico Hänggi von der Kantonsschule Olten ist Eckert die einzige Kandidatin aus dem Kanton Solothurn, die es in das nationale Finale des Wettkampfs «Jugend Debattiert» geschafft hat. Die 18-jährige Maturandin besucht die Kantonsschule Solothurn, spielt Klarinette und singt seit 10 Jahren im Mädchenchor Solothurn. Nebenbei treibt sie Outdoor-Sportarten wie Radfahren oder Ausdauerläufe.

Vom Streitgespräch im Schulhaus bis zum nationalen Debatte-Finale

Eckert hat sich scheinbar in den wenigen Stunden zwischen Interview-Anfrage und Gespräch die Zeit genommen, um sich vorzubereiten. Sie gibt kurze, klare Antworten, schweift nie vom Thema ab und lässt sich nie aus der Ruhe bringen. Ab und zu spielt sie während dem Gespräch mit dem Kordelzug ihres Pullovers. Wie Eckert erzählt, interessiert sie sich vor allem für gesellschaftspolitische Themen, weil sie verstehen will, was Menschen bewegt, welche Änderungen das es braucht, um bestimmte Ziele zu erreichen und weshalb gewisse Entscheidungen getroffen werden.

Zum Debattieren kam Eckert durch ein Angebot der Schule. «Im Dezember 2020 wurde ein ‹Last-Minute›-Debattierkurs ausgeschrieben. Als ich die Beschreibung gelesen habe, war für mich klar, dass ich da gerne mitmachen würde», sagt Eckert. Das Angebot wird von Young Enterprise Switzerland (YES) in Zusammenarbeit mit verschiedenen Schulen schweizweit organisiert.

Nebst dem vergangenen Regionalfinal in der Nordwestschweiz, das Livia Eckert und Nico Hänggi nach jeweiligen Debatten im eigenen Schulhaus gewonnen haben, finden auch in den Regionen Zürich, Ostschweiz, Aargau und die Zentralschweiz Wettkämpfe statt. Die jeweiligen Gewinner schaffen es dann, so wie Eckert, ins nationale Finale.

Vorbereitung für Pro- sowie Kontra-Positionen

Bei einer Debatte werden bekanntlich Argumente von einer Pro- und von einer Kontra-Seite dargelegt. Die Positionen wurden bei den Regionalfinalen erst kurz vor dem Streitgespräch ausgelost, sodass die Kandidatinnen und Kandidaten sich im Vorfeld für beide Seiten vorbereiten mussten.

«Das Ziel des Debattierwettbewerbs ist es, dass man eine Position überzeugend vertreten kann – auch wenn dies nicht die eigene ist. Deshalb muss man manchmal die eigene Meinung etwas zurückstellen.», sagt Eckert lachend. Darum ist sie sich auch sicher, dass sie weitergekommen wäre, wenn sie die Gegenposition hätte einnehmen müssen.

«Es ist sicher wichtig, sich grundlegende Sachkenntnisse anzueignen, damit man faktenbasiert argumentieren kann. Ich persönlich kann wenig mit Menschen anfangen, die irgendein Argument ohne Hand und Fuss aus der Luft greifen und es lautstark in die Welt posaunen», sagt Eckert.

«Aber letztlich ist es einem freigestellt, wie man in die Debatte geht. Sicher ist es von Vorteil, wenn man den Gesprächspartnerinnen aufmerksam zuhört, auf das Gesagte eingeht und das mit einer guten Portion Flexibilität und Improvisation.»

Politik auch ausserhalb eines Sitzungssaals

Trotz grossem Interesse an der Politik ist bei Eckert aber auch Skepsis im Raum – gerade wenn es um Parteien geht. «Das was mich gerade von der Politik abhaltet, ist, dass ich mir nicht sicher bin, ob ich nach einer Partei-Leitlinie arbeiten könnte», sagt Eckert. Dazu sei sie zu unabhängig.

Aber auch wenn sie sich selber weniger in der Parteipolitik sieht, hält sie das nicht von einem politischen Studiengang ab. «Ich werde ab Herbst in Genf internationale Beziehungen studieren», ergänzt Eckert.

Das nationale Finale findet am 14. und 15. Mai statt. Dann werden die Gewinner aller Regionalfinalen gegeneinander antreten, möglicherweise in Bern aber mit immer wachsender Wahrscheinlichkeit via Onlinetools. Mit der Vorbereitung hat Eckert noch nicht begonnen, denn: Die Themen für das Finale werden erst kurz vor dem Event bekanntgegeben. Somit müssen sich die Finalistinnen und Finalisten kurz vor der Debatte auf das Thema vorbereiten. «Folglich konzentriere ich mich jetzt auf andere Sachen», sagt Eckert lachend.