Auf einen Kaffee mit ...
National-11-Fahrer chauffiert «rund 300 Millionen Franken an Spielerwert»

Er ist Vertrauter der Nationalmannschaft: Mario Brönnimann. Der Bus-Chauffeur aus Biberist bringt seit 20 Jahren die Fussballspieler sicher von A nach B. Während der EM hat er jedoch seine «Ferien».

Fränzi Zwahlen-Saner
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Mario Brönnimann, der Chauffeur der Nationalmannschaft.

Mario Brönnimann, der Chauffeur der Nationalmannschaft.

key/frb

Es sei ein Unikum, dass eine Fussball-Nationalelf über einen eigenen Bus-Chauffeur verfüge, erzählt der gebürtige Solothurner Mario Brönnimann (55) bei einem Kaffee im «Roten Turm» in Solothurn. Soeben kommt er aus dem 14-tägigen Trainingscamp der Nationalmannschaft in Lugano zurück. Jetzt ist er zu Hause und da, in Biberist, bleibt er während der EM auch. «Bei so grossen Turnieren organisieren die Veranstalter die Transporte der Mannschaften immer selbst», erklärt er. Das wäre sonst zu umständlich. «Ich könnte in Frankreich schon an die Spielorte mit dem Mannschaftsbus fahren.

Aber wenn das jede Mannschaft machen würde, gäbe das ein grosses Durcheinander.» So organisieren bei grossen Turnieren die Veranstalter die Mannschaftstransfers immer selbst. Das habe mit Versicherungen und Sicherheitsaspekten zu tun, sagt Brönnimann. Nicht nur jetzt in Frankreich.

So sieht der Teambus der Schweizer Nationalmannschaft für die EM aus.

So sieht der Teambus der Schweizer Nationalmannschaft für die EM aus.

Keystone

Damals vor 20 Jahren

Wie er zu seinem ungewöhnlichen Job gekommen ist, ist eine typisch solothurnische Geschichte. «Es war an der Fasnacht in Solothurn», erzählt er. «Exakt vor 20 Jahren kam mir die Idee, als ich mich mit dem damaligen Sekretär des Fussballverbandes unterhielt. Die Fussballnati brauche doch einen eigenen Chauffeur», meinte ich. Es sei doch umständlich, immer wieder von neuem auf die Suche nach Car und Chauffeur zu gehen; das müsse doch jemand ganz Spezielles übernehmen, dem man vertrauen könne. Und Brönnimann anerbot sich gleich selbst, schliesslich hatte er das Lastwagenbillett und konnte mit einem Car unterwegs sein.

Beim Fussballverband fand man die Idee überzeugend und man wurde bei Schneider Reisen in Langendorf fündig und mietete einen Mannschaftscar und engagierte Mario Brönnimann als Chauffeur. «Ich kann mich erinnern, dass sich Ottmar Hitzfeld zu Beginn seiner Trainerlaufbahn bei der Nati schon wunderte, dass diese Mannschaft über einen eigenen Chauffeur verfügte. Doch auch er war schnell überzeugt, dass dies eine gute Sache sei.»

Tatsächlich ist dieser «Service» einzigartig in Europa. Brönnimann gehört zum Staff des Nationalkaders, genauso wie ein Physiotherapeut oder ein Koch. «Ich fahre die Mannschaft natürlich hauptsächlich in der Schweiz von Ort zu Ort, aber auch im nahen Ausland – Deutschland, Italien oder Frankreich. Ins Ausland fliegt die Mannschaft in der Regel und ich folge mit dem Car hinterher.»

Vor Ort sind es dann die vielen Transfers von Hotel zu Trainingsplatz oder Stadion, die Brönnimann übernimmt. «Alles in allem bin ich etwa zwei Monate im Jahr mit der Mannschaft zusammen», bilanziert der 55-Jährige. Da werde es schon hin und wieder fast familiär und er sei inzwischen auch eine wichtige Vertrauensperson. «Das ist schön und macht einen stolz.» Die Reiserei nimmt auch viel Zeit in Anspruch und er ist manchmal tagelang unterwegs. «Da braucht es eine verständnisvolle Ehefrau.» Brönnimann ist sich bewusst, dass er mit dem Fahren seiner Gäste eine grosse Verantwortung übernommen hat. «Es sind rund 300 Millionen Franken an Spielerwert, die ich da herumchauffiere», sagt er süffisant.

Welche Trainer haben ihn denn in der Vergangenheit beeindruckt? Es waren sieben an der Zahl in den vergangenen 20 Jahren. «Gilbert Gress, Köbi Kuhn, Ottmar Hitzfeld», nennt Brönnimann spontan. Aber auch Petkovics Fähigkeiten unterstreicht der Biberister. «Petkovic ist menschlich eine ganz tolle Person. Sehr sozialkompetent. Ich schätze ihn sehr.» Gibt es noch Verbindungen zu ehemaligen Spielern? «Ja, natürlich. Zu Kubilay Türkyilmaz, zu Ciriaco Sforza oder zu Stephane Chapuisat habe ich immer noch Kontakt. Aber auch zu vielen anderen», sagt er.

Doch heute sei es schon anders in der Nati als früher, sagt er noch. Früher hätte es den Röschti-Graben gegeben, der innerhalb der Mannschaft für Gesprächsstoff sorgte. «Heute ist es eben eine Multi-Kulti-Truppe.» Die Spieler stammen aus fast allen Erdteilen, da sei der Zusammenhalt natürlich nicht mehr derselbe. «Früher gab es mehr Kitt innerhalb der Mannschaft», weiss Brönnimann. Doch, so betont er, das habe aber auch mit dem allgemeinen Fussballgeschäft zu tun. «Die Mannschaft kommt für die Nationalmannschaft aus Mannschaften von überall her zusammen und muss sich dann zusammenraufen. Früher sind es vielleicht zwei gewesen, die im Ausland spielten; heute sind es vielleicht zwei, die noch in der Schweiz spielen.»

Schwelgen im Fussball-Fieber

Spürt er schon Fussball-Fieber für diese EM in Frankreich? In der Bevölkerung scheint es noch nicht ausgebrochen zu sein. «Ja», bestätigt Brönnimann. «Auch ich finde, das Fieber ist noch nicht so richtig ausgebrochen. Aber er meint: «Wir Schweizer sind eben verwöhnt. Wir finden es selbstverständlich, dass die Mannschaft beim Turnier mit dabei ist. In Österreich ist das ganz anders. Da ist das Fieber ausgebrochen». Und er erinnert sich auch gerne an die WM 1994 in Amerika, als die Schweiz nach langem wieder mit im Turnier mit dabei war. «Das war noch Fussball-Fieber.» Während der EM bleibt Brönnimann zu Hause und verfolgt die Spiele – wie die meisten anderen – vom bequemen Sofa aus. Und so manches SMS oder Telefon werden dann von Frankreich aus nach Biberist gehen.