Ernteausfall
Nasskaltes Frühlingswetter lässt Kartoffelernte um einen Fünftel schrumpfen

Das kalte und nasse Wetter im Frühling sorgt jetzt für eine schlechte Kartoffelernte. «Die geerntete Menge wird rund 20 Prozent unter dem Vorjahr liegen», meldet Ruedi Fischer, Kartoffelproduzent in Bätterkinden und Präsident des Branchenverbandes.

Franz Schaible
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Landwirt-«Stift» Samuel Mollet, Ruedi Fischer und seine Schwester Kathrin Fischer haben bei der Kartoffelernte alle Hände voll zu tun. bilder: Hanspeter Bärtschi

Landwirt-«Stift» Samuel Mollet, Ruedi Fischer und seine Schwester Kathrin Fischer haben bei der Kartoffelernte alle Hände voll zu tun. bilder: Hanspeter Bärtschi

Dieses Jahr wird bestimmt kein Produzent auf seinen Kartoffeln sitzenbleiben», sagt Ruedi Fischer am Küchentisch im stattlichen Bauernhaus in Bätterkinden. Der 45-jährige Landwirt und Produzent der «Königin der Ackerkultur» hat trotz schlechter Nachrichten von der Erntefront den Humor nicht verloren. Dabei musste er kürzlich als Präsident der Vereinigung Schweizerischer Kartoffelproduzenten und Vizepräsident des Dachverbandes Swisspatat mitteilen, dass im laufenden Jahr weit weniger Kartoffeln geerntet werden als im Vorjahr. Die Ertragserhebung, basierend auf über 1000 Kartoffelmuster (Stichproben) in der ganzen Schweiz, zeige, dass hochgerechnet rund 342 000 Tonnen Kartoffeln geerntet werden. «Das sind 32 Prozent weniger als im Vorjahr», erklärt Fischer. Er hofft aber, dass dank dem noch möglichen Zuwachs das Minus auf rund 20 Prozent reduziert werden könne. «Es ist und bleibt aber eine aussergewöhnliche Situation.»

Im Wetter ortet Fischer den Grund für die «magere Ernte». Die nasse und kalte Periode im Frühling habe verhindert, dass sich die Pflanzen breit und tief genug verwurzeln konnten. Das habe dazu geführt, dass die Pflanzen in der Hitzephase von Juli und August wegen mangelnder Verwurzelung nicht genügend Wasser aufnehmen konnten. Einfach gesagt: Im Frühling sind die Kartoffelpflanzen «ertrunken», im Sommer «vertrocknet». Er will aber nicht klagen. «Die Kartoffel ist ein Naturprodukt und dem Wetter ausgesetzt. Abweichungen nach unten und nach oben bei der Erntemenge sind deshalb ‹normal›.» So seien etwa 2009 und 2011 mit einer Ernte von deutlich je über 500 000 Tonnen ebenfalls aussergewöhnliche Jahre – allerdings in anderer Richtung – gewesen. Deshalb wehrt sich Fischer auch dagegen, aufgrund einzelner «Jahresergebnisse» die Anbaufläche anzupassen. «Die jetzige Fläche soll mit rund 11 000 Hektaren stabil bleiben.»

Starke Konzentration bei den Produzenten

Am Beispiel des Kartoffelanbaus sind die steigende Mechanisierung und damit höhere Effizienz in der Landwirtschaft abzulesen. Im Jahr 2000 haben rund 12'000 Bauern rund 520'000 Tonnen Kartoffeln geerntet. 2011 ernteten 5700 Produzenten 515'000 Tonnen. Und die Anbaufläche hat sich um einen Fünftel auf 11'000 Hektaren verringert. Die Verwertung sieht wie folgt aus: 34 Prozent dienen der Verfütterung und als Pflanzkartoffeln. Von den übrigen zwei Dritteln werden 53 Prozent als Speise- und 47 Prozent als Veredlungskartoffeln (Tiefkühlprodukte, Trockenprodukte und Konserven) verwendet. Der Pro-Kopf-Verbrauch liegt aktuell bei 46 Kilogramm pro Jahr. Zum Vergleich: Teigwaren 37 Kilogramm und Reis 23 Kilogramm.

Die riesige Kartoffelerntemaschine ist trotz schwierigem Wachstum der Pflanzen auf den Äckern von Ruedi Fischer in den kommenden drei Wochen voll im Einsatz. Die «fahrende Fabrik» gräbt die Kartoffeln aus, die von flinken Händen nach Grösse und Qualität erlesen werden. «Wir können zur Erntezeit auf viele Helferinnen und Helfer aus unserer Familie und aus dem Bekanntenkreis zählen», berichtet Fischer, der mit seinem Bruder eine Betriebsgemeinschaft bildet. Er führt den Hof in Bätterkinden, sein Bruder den zweiten Hof in Utzenstorf. Das schlechte Wetter im Frühling hat nicht nur die Menge der Kartoffeln negativ beeinflusst, sondern auch die Erntebedingungen. «Der während langer Zeit nasse Boden führt zu vielen Erdklumpen an den Knollen». Der Ernteaufwand sei enorm gestiegen.

Mit 11 Hektaren Ackerfläche gehört die Betriebsgemeinschaft volumenmässig zum oberen Drittel der Schweizer Kartoffelproduzenten. Liegt doch die durchschnittliche Anbaufläche bei 2 Hektaren. Auch wir sind vom Ernteausfall betroffen», berichtet Fischer. Er spricht von einem Rückgang gegenüber dem Vorjahr von rund einem Viertel. «Insgesamt werden wir dieses Jahr rund 350 Tonnen Speisekartoffeln ernten.»