Dieses Jahr wird bestimmt kein Produzent auf seinen Kartoffeln sitzenbleiben», sagt Ruedi Fischer am Küchentisch im stattlichen Bauernhaus in Bätterkinden. Der 45-jährige Landwirt und Produzent der «Königin der Ackerkultur» hat trotz schlechter Nachrichten von der Erntefront den Humor nicht verloren. Dabei musste er kürzlich als Präsident der Vereinigung Schweizerischer Kartoffelproduzenten und Vizepräsident des Dachverbandes Swisspatat mitteilen, dass im laufenden Jahr weit weniger Kartoffeln geerntet werden als im Vorjahr. Die Ertragserhebung, basierend auf über 1000 Kartoffelmuster (Stichproben) in der ganzen Schweiz, zeige, dass hochgerechnet rund 342 000 Tonnen Kartoffeln geerntet werden. «Das sind 32 Prozent weniger als im Vorjahr», erklärt Fischer. Er hofft aber, dass dank dem noch möglichen Zuwachs das Minus auf rund 20 Prozent reduziert werden könne. «Es ist und bleibt aber eine aussergewöhnliche Situation.»

Im Wetter ortet Fischer den Grund für die «magere Ernte». Die nasse und kalte Periode im Frühling habe verhindert, dass sich die Pflanzen breit und tief genug verwurzeln konnten. Das habe dazu geführt, dass die Pflanzen in der Hitzephase von Juli und August wegen mangelnder Verwurzelung nicht genügend Wasser aufnehmen konnten. Einfach gesagt: Im Frühling sind die Kartoffelpflanzen «ertrunken», im Sommer «vertrocknet». Er will aber nicht klagen. «Die Kartoffel ist ein Naturprodukt und dem Wetter ausgesetzt. Abweichungen nach unten und nach oben bei der Erntemenge sind deshalb ‹normal›.» So seien etwa 2009 und 2011 mit einer Ernte von deutlich je über 500 000 Tonnen ebenfalls aussergewöhnliche Jahre – allerdings in anderer Richtung – gewesen. Deshalb wehrt sich Fischer auch dagegen, aufgrund einzelner «Jahresergebnisse» die Anbaufläche anzupassen. «Die jetzige Fläche soll mit rund 11 000 Hektaren stabil bleiben.»

Da auch im Kartoffelgeschäft das Marktgesetz von Angebot und Nachfrage gilt, können die Produzenten den Ernteausfall mit höheren Preisen kompensieren. «Nur teilweise», entgegnet Fischer. Es stimme zwar, dass sich die Preise am obersten Rand des im Frühling zwischen Produzenten und Abnehmerverbänden ausgehandelten Preisbandes bewegen werden. Konkret heisst das, dass die Produzentenpreise für 100 Kilogramm Speisesorten um 5 auf 53 Franken und für Industriesorten um 2 auf Fr. 44.10 steigen werden. Aber das genüge nicht, um den ganzen Ausfall bei der Ernte wettzumachen. Ruedi Fischer betont zudem, dass die Produzenten keinen Einfluss auf die Endpreise für Konsumenten haben. Das sei Sache der Endverkäufer wie Grossverteiler oder die Landis. Er geht aber nicht von einer starken Steigerung beim Endverkaufspreis aus. Und einen Engpass gebe es nicht. Die zu importierende Menge an Kartoffeln werde jeweils der Ernte und dem Bedarf in der Schweiz angepasst. So sei das bestehende Importkontingent für Industrie und Speisekartoffeln von 9000 Tonnen pro Jahr für 2013 mit einem grösseren Zusatzkontingent ergänzt worden.

Die riesige Kartoffelerntemaschine ist trotz schwierigem Wachstum der Pflanzen auf den Äckern von Ruedi Fischer in den kommenden drei Wochen voll im Einsatz. Die «fahrende Fabrik» gräbt die Kartoffeln aus, die von flinken Händen nach Grösse und Qualität erlesen werden. «Wir können zur Erntezeit auf viele Helferinnen und Helfer aus unserer Familie und aus dem Bekanntenkreis zählen», berichtet Fischer, der mit seinem Bruder eine Betriebsgemeinschaft bildet. Er führt den Hof in Bätterkinden, sein Bruder den zweiten Hof in Utzenstorf. Das schlechte Wetter im Frühling hat nicht nur die Menge der Kartoffeln negativ beeinflusst, sondern auch die Erntebedingungen. «Der während langer Zeit nasse Boden führt zu vielen Erdklumpen an den Knollen». Der Ernteaufwand sei enorm gestiegen.

Mit 11 Hektaren Ackerfläche gehört die Betriebsgemeinschaft volumenmässig zum oberen Drittel der Schweizer Kartoffelproduzenten. Liegt doch die durchschnittliche Anbaufläche bei 2 Hektaren. Auch wir sind vom Ernteausfall betroffen», berichtet Fischer. Er spricht von einem Rückgang gegenüber dem Vorjahr von rund einem Viertel. «Insgesamt werden wir dieses Jahr rund 350 Tonnen Speisekartoffeln ernten.»