Kaum hat man sich an Mikro- und Glasfasern gewöhnt, wird bereits von noch kleineren Teilchen gesprochen. Nano» stammt vom griechischen «nanos», was «Zwerg» bedeutet. Ein Nanopartikel ist in mindestens einer Dimension zwischen 1 und 100 Nanometer (Milliardstelmeter) gross. Die Nanos schleichen sich in unseren Alltag ein. Sie besitzen fantastische Eigenschaften, allerdings sind ihre Risiken noch ungenügend erforscht.

Derzeit gastiert vom 20. bis 24. April die mobile Ausstellung Expo Nano im Navitrakt der Kantonsschule Solothurn. Sie wurde vom Nationalen Forschungsprogramm «Chancen und Risiken von Nanomaterialien» NFP 64 umgesetzt. Das NFP 64 möchte die Lücken im gegenwärtigen Wissen über Nanomaterialien schliessen. Die mit der Herstellung, dem Einsatz und der Entsorgung von künstlichen Nanomaterialien verbundenen Chancen und Risiken für Mensch und Umwelt sollen besser verstanden werden.

Selbstreinigend und reissfest

Beim Gang durch die Ausstellung werden in verschiedenen Stationen zahlreiche Aspekte der Nanowelt thematisiert, etwa Medizin und Gesundheit, Arbeitsplatz, Umwelt und Energie, Konsumgüter wie Lebensmittel und Textilien. An einer Station kann man beispielsweise mit einer Sprühflasche Krawatten befeuchten und den Unterschied gleich selbst erleben. Während die herkömmliche Krawatte die Wassertropfen aufsaugt, perlen sie an jener ab, die mit Nanopartikeln versehen ist. In einem Experiment erkennt man den Vorteil von mit Cellulose-Nanofasern verstärkten Kunststoffstreifen, denn die sind stärker und formstabiler.

Bei einem andern Spiel lotst man Nanocontainer durch den menschlichen Körper. Die Idee dahinter: Medikamente sind in Nanocontainer eingepackt und gelangen gezielt zum erkrankten Organ, und erst dort werden sie freigesetzt. Das ist beispielsweise in der Krebstherapie sehr nützlich, denn bislang wird auch gesundes Gewebe bei einer Chemotherapie durch die aggressive Chemie geschädigt. Die Stände regen zum Nachdenken an und geben zugleich Einblick in einige der 23 Forschungsprojekte des NFP 64. Wie wirken Nanopartikel, wenn sie in den Körper gelangen und etwa Zellwände durchdringen? Schädigen sie die Zelle? Denkt man an den Schutz der Arbeitnehmer, welche etwa beim Schweissen Nanopartikel freisetzen? Was machen Titandioxid-Nanopartikel aus Kosmetika, wenn sie ins Gewässer gelangen?

Expo Nano zeigt, wie verlockend die Nanomaterialien mit ihren fantastischen Eigenschaften der Nanomaterialien sind. Selbstreinigend, schmutz- und wasserabweisend, antimikrobiell und reissfest. Der moderne und easy Mensch schätzt das. Wir verwenden Nanomaterialien bereits etwa in Sonnencreme, Sportbekleidung, Streuwürze, Zahnpasta, Lacken. Unser Wissen darüber ist jedoch gering bis inexistent.

Die durch die Ausstellung führende Janine Moll vom Agroscope, selber in der Nanoforschung tätig, meint zu den Risiken: «Immerhin erforscht man bei den Nanomaterialien die Risiken von Anfang an gleich mit.» Im Gegensatz wohl zum Asbest, wo die schädlichen Auswirkungen und auch Schadenskosten erst im Nachhinein zum Thema wurden. Es wird klar, dass die Risikoforschung noch am Anfang steckt.

Spielerisch abstimmen

Bisher wurden meist Einzelexperimente bloss unter idealen Bedingungen untersucht. Ein Beispiel: Was nützt es zu wissen, dass das Nanosilber der Sportsocken, das durch Auswaschen teilweise in die Kanalisation gelangt, in den Kläranlagen hängen bleibt. Denn was ist, wenn das Sportshirt durch Textilsammlung in der Dritten Welt landet, wo es direkt im Fluss gewaschen wird?

In der Expo Nano darf man auch spielerisch abstimmen. Man nimmt einen Tennisball und lässt ihn durch eine von zwei Kugelbahnen rollen. In der einen heisst es «Für mich überwiegen die Chancen», in der andern «Für mich überwiegen die Risiken». Gemäss Moll sei das Verhältnis meist ausgewogen. Stand nach dem ersten Tag: 43 für die Chancen, 39 für die Risiken.