«Auf einen Kaffee mit…»
«Nähe zur jungen Generation ist wichtig» – Diese Frau weiss, wie man glücklich alt wird

Pro Senectute Kanton Solothurn wird dieses Jahr 100-jährig. In Solothurn findet nächsten Dienstag ein Fest für alle auf dem Kreuzackerplatz statt. Geschäftsführerin Ida Boos beschäftigt sich schon seit 30 Jahren mit dem Alter.

Fränzi Zwahlen-Saner
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Ida Boos arbeitet seit 30 Jahren bei der Pro Senectute.

Ida Boos arbeitet seit 30 Jahren bei der Pro Senectute.

Hanspeter Bärtschi

Ida Boos ist 58 Jahre alt und noch voller Tatendrang im Berufsleben. Und doch kennt sie das Leben nach der Pensionierung und das Alter gut. Deshalb weiss sie: «Das Alter ist nicht schön. Doch wer das behauptet, sagt nicht die ganze Wahrheit. Wir alle sollten anstreben, gut und gerne alt zu werden.» Es ist eine Binsenwahrheit: Im Alter muss man mit nachlassender Gesundheit, mit Verlusten und oft auch Einsamkeit fertig werden.

Ida Boos beschäftigt sich seit 30 Jahren mit dem Alter. «Ich bin 1987 zu Pro Senectute in Breitenbach gestossen. Als ausgebildete Hauspflegerin und Sozialarbeiterin arbeitete ich rund 20 Jahre in dieser Region. Da kennt man dann natürlich die Leute. Das hat mir immer gefallen, denn ich selbst stamme aus zwei ländlichen Gebieten, nämlich aus Escholzmatt LU und Schänis SG. Ich lebte in einer grossen Familie, in der die Grosseltern wichtig waren, denn meine Mutter ist gestorben, als ich noch ein Kind war. Dennoch – ich bin ein Glückskind», sagt Ida Boos. «Während meines gesamten Lebensweges sind mir immer wieder Leute begegnet, die mir Glück brachten», erzählt die Mutter zweier Jungen.

Auftrittskompetenz erforderlich

2001 habe sie dann als stellvertretende Geschäftsführerin der Pro Senectute Kanton Solothurn ihre Stelle in der Kantonshauptstadt angetreten; fünf Jahre später wurde sie Geschäftsführerin. Noch immer wohnt Ida Boos in Breitenbach, lebt aber unter der Woche in Solothurn, da der Weg über den Passwang täglich zwar schön, aber zeitintensiv ist. Besonders wenn man auch noch unregelmässige Arbeitszeiten hat, denn Ida Boos ist auch oft abends unterwegs. «Ich trete gerne als Referentin zu verschiedensten Altersthemen auf.»

Referate halten sollen alle hauptberuflich bei der Pro Senectute Beschäftigten ab und zu. «Die Auftrittskompetenz des Mitarbeiters ist Anstellungsbedingung», sagt die Geschäftsführerin. Insgesamt seien es 630 Personen, die im Kanton Solothurn in irgendeiner Form bei Pro Senectute beschäftigt sind, 12 Prozent davon freiwillig engagiert. In den vier dezentralen Stellen im Kantonsgebiet, in Breitenbach, Olten, Grenchen und Solothurn, sind 29 Personen tätig, die 17 Stellen besetzen.

Es fällt auf, dass die Mitarbeitenden von Ida Boos aus allen Altersgruppen stammen. «Die Akzeptanz der Senioren auch jüngeren Mitarbeitenden gegenüber ist sehr gut.»

100 Jahre Pro Senectute

«100 Jahre Pro Senectute» wird dieses Jahr gefeiert, doch noch immer beschäftigt sich die Institution mit den gleichen Themenfeldern wie damals, einfach anders ausgestaltet, sagt Boos. «Man sucht uns hauptsächlich bei finanziellen Anliegen auf.» Dann wird etwa gefragt: Kann ich mir das Altersheim leisten? «Wenn es um Massnahmen gegen Einsamkeit geht, melden sich eher Angehörige als die Betroffenen selbst», weiss Boos.

Vielfach gehe es auch um Wohnfragen: Soll ich mein Haus verkaufen? «Ich rate nie direkt, im Alter sein Haus zu verkaufen. Doch man muss die Situation nüchtern betrachten. Ältere Menschen sollten darauf achten, dass ihre Liegenschaft barrierefrei ist. Dass die Nasszellen funktional sind, zum Beispiel ein Dusch-WC eingebaut wird.» Solches helfe oft enorm, im Alltag weiter angenehm zu leben.

Bei Vereinsamungen seien die Pro-Senectute-Bewegungspatenschaften mit unterschiedlichsten Betreuungsangeboten genau das Richtige. «Enorm beliebt sind auch die ‹Senioren im Klassenzimmer›», sagt Boos. Derzeit stehen 180 Senioren an 40 Schulen im Kanton «im Einsatz». Kinder profitieren vom Wissen und der Gelassenheit der Älteren, die Senioren lernen die Kinder im Dorf wieder kennen, und die Lehrer schätzen die Hilfestellungen.

Siebter Platz im Spendenmarkt

Die Leistungsfelder der Pro Senectute sind vom Bund vorgegeben und zu 50 Prozent von ihm auch finanziert. «Jedoch finanzieren wir unser Informations- und Auskunftsangebot auf der kantonalen Geschäftsstelle und auch weitere Leistungen selbst», so Boos. Vom Kanton Solothurn werde ein Betrag für Projekte von 30'000 Franken zugesprochen, es bleibe noch ein Anteil, der selbst finanziert werden müsse und über Dienstleistungen abgegolten werde. Zudem kämen rund 10 Prozent des Budgets durch Spenden herein. Boos weiss: «Pro Senectute liegt auf der siebten Position im Spendenmarkt der Schweiz.»

Wichtig sei für die Zukunft, dass sich die Pro Senectute vermehrt sichtbar mache und deklariere, welche Angebote und Dienstleistungen sie anbietet. Erfreulicherweise gebe es immer mehr Online-Kontakt direkt mit den Senioren. Boos: «Doch wir müssen ganz bewusst auch die Enkelgeneration ansprechen. Das sind diejenigen, die sich im Internet vorgängig Informationen holen. Den sogenannten ‹digitalen Graben› zwischen den Generationen müssen wir verkleinern oder wieder zuschütten.»

International gesehen stehe die Schweiz beim Thema Alter gut da, weiss Boos. Sie bemängelt aber, dass ein Abgleich oder gar Zusammenschluss der wissenschaftlich erforschten Ergebnisse oft nicht stattfinde und so jeder Forscher wieder bei null anfange.

Als zukünftiges Problem sieht Boos die fehlende Bereitschaft in der Politik, die ambulante Pflege zu Hause noch weiter auszubauen. «Unsere Alterspolitik ist immer noch stark auf den Heimbereich ausgerichtet.» Und welchen ganz persönlichen Tipp über den Umgang mit dem Alter hat sie? «Im Alter soll man zu sich Sorge tragen, sich räumlich verkleinern, Freundschaften pflegen, Nähe zur jungen Generation suchen und sich irgendwie in der Gesellschaft engagieren. Zudem weiss jeder: Man fühlt sich immer 20 Jahre jünger, als das kalendarische Alter uns glauben macht.»

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