Solothurn–Moutier
Nächster Schritt: Moutier-Bahn fährt aufs nationale Parkett

Steht die Bahnlinie tatsächlich vor der Stilllegung? CVP-Nationalrat Stefan Müller-Altermatt will Antworten vom Bund und will deshalb in der Herbstsession einen Vorstoss einreichen.

Sven Altermatt
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Eine Zugkomposition im Weissensteintunnel. (Archiv)

Eine Zugkomposition im Weissensteintunnel. (Archiv)

Hanspeter Baertschi

Nächste Runde im Kampf um den Fortbestand der Bahnlinie Solothurn–Moutier: Der Herbetswiler Gemeindepräsident und CVP-Nationalrat Stefan Müller-Altermatt will in der Herbstsession einen Vorstoss einreichen, «um Antworten zu erzwingen». Beim Bundesamt für Verkehr (BAV) gebe es derzeit nämlich kaum Auskünfte, so der Nationalrat.

In einer Anfrage stellt er dem Bundesrat die Frage, ob tatsächlich die Stilllegung der Linie geplant sei. Müller-Altermatts Verdacht: Der Bund könnte sich vor seinen «aus der Fabi-Vorlage erwachsenen Verpflichtungen» drücken.

«Staatspolitische Bedeutung»

Seit das Schweizer Stimmvolk am 9. Februar die Bahninfrastruktur-Vorlage Fabi angenommen hat, haben sich die Zuständigkeiten geändert. Neu muss der Bund für die Infrastruktur der Privatbahnen aufkommen. Weil die Linie Solothurn–Moutier zur BLS gehört, ist die Eidgenossenschaft auch für den Weissensteintunnel zuständig. Aus Sicherheitsgründen muss das Herzstück der Linie bis spätestens 2016 saniert werden. 170 Millionen Franken soll die Erneuerung kosten, heisst es beim Bund.

Die Strecke steht jedoch auf einer Liste der gefährdeten Linien – ihr Kostendeckungsgrad liegt bei mageren 22 Prozent. Im Schnitt fahren pro Tag nur 500 Reisende mit der Bahn durch den Weissensteintunnel. Deshalb spielt man in Bern mit dem Gedanken, den Tunnel zu schliessen und die Bahn aufs Abstellgleis zu schieben.

Fahrgastzahlen und Sanierungskosten seien das eine, sagt Müller-Altermatt, die staatspolitische Bedeutung das andere. «Letztlich handelt es sich um eine Linie, die für das hintere Thal eine existenzielle Verbindung in die Hauptstadt Solothurn darstellt. Zudem führt die Linie über die Sprachgrenze.»

Am 8. September beginnt in Bern die Herbstsession. Sollte der Bund bis dahin keine Beruhigungspillen verteilt haben, will Müller-Altermatt seine Anfrage im Nationalrat einreichen. Diese müsste vom Bundesrat dann bis zur Wintersession beantwortet werden.

Bereits am Dienstag war bekannt geworden, dass der 2007 aufgelöste Verein «Pro Solothurn-Moutier-Bahn» reaktiviert werden könnte. Der Verein hat es unter der Führung von Ernst Lanz in den 1990er-Jahren geschafft, die damals geplante Schliessung der Bahnlinie abzuwenden. «Unsere Verbindung nach Solothurn darf nicht gekappt werden», sagte der frühere Gemeindepräsident von Gänsbrunnen in der Ausgabe dieser Zeitung vom Mittwuch.