Nachruf
Balz Bruder: Ein Schnellschreiber mit grosser Schaffenskraft

Zum Tod von Balz Bruder, Chefredaktor der «Solothurner Zeitung» und langjähriger AZ-Journalist.

Urs Helbling
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Balz Bruder (1967-2021).

Balz Bruder (1967-2021).

«Affaire à suivre.» Immer wieder hat er diese Wendung an den Schluss seiner Artikel geschrieben. Sie war so etwas wie der rote Faden seines journalistischen Schaffens. Sein Markenzeichen. Balz Bruder ist Anfang Woche im Alter von 53 Jahren gestorben. Er glaubte, nicht mehr die Kraft zu haben, für «affaire à suivre». Die Leserinnen und Leser werden seine Texte vermissen, den Arbeitskollegen und -kolleginnen wird er fehlen, in seinem Familien- und Freundeskreis eine grosse Lücke hinterlassen.

Balz Bruder (Kürzel bbr.) war ein begnadeter Journalist, ein talentierter Politberater, ein Mann, der die Menschen liebte und das Leben in all seinen Facetten genoss.

Eigentlich der Prototyp des CH-Media-Journalisten

Balz Bruder arbeitete zuletzt als Chefredaktor der «Solothurner Zeitung». Gemessen an seiner beruflichen Laufbahn ist er so etwas wie der Prototyp eines Angestellten der CH Media AG. Er begann im April 1991 als Nachwuchsjournalist bei einer der Keimzellen der heutigen CH Media AG – beim «Aargauer Tagblatt».

Dort erlebte er dann die Fusion mit dem «Badener Tagblatt», war Leiter des Ressorts Aargau und stellvertretender Chefredaktor der «Aargauer Zeitung». Später wechselte er als Blattmacher zur «Luzerner Zeitung» und wurde im Herbst 2018 Chefredaktor der «Solothurner Zeitung». Unter seiner Leitung hat das «Blatt» einen weiteren Modernisierungsschritt gemacht.

Dass er dabei unter Druck geriet, war für Balz Bruder weder etwas Überraschendes noch etwas Neues. Ähnliches hatte er in Aarau, Baden und Luzern erlebt – und durchgestanden. Zuletzt sorgte Balz Bruder wegen seines Schaffens national für Schlagzeilen: Ende Mai unter dem Titel «Chefredaktor kritisiert Regierung – jetzt muss der Verleger antraben». Den Termin gab es, das Gespräch fand aber nie statt – es wurde von der Regierung wieder abgesagt.

Ein Abstecher in die Welt der Politik und Verwaltung

Balz Bruder liebte die Politik. Und er hatte ein überdurchschnittliches Flair dafür. Als Journalist spielte er gerne eine Rolle im Meinungsbildungsprozess. Und er freute sich diebisch, wenn er etwas enthüllen konnte. Er liess sich politisch schwer verorten. Seine Grundhaltung war liberal. Er dachte sozial und engagierte sich entsprechend. So war er Präsident des Aargauer Staatspersonalverbands (ASPV).

Am politischsten war sein Leben während der acht Jahre (2009 bis 2016), in denen er nicht bei einer Zeitung arbeitete, sondern einer der engsten Mitarbeiter der Aargauer Regierungsrätin Susanne Hochuli (Grüne) war. Mit ihr überstand er manchen Sturm. Insbesondere in der Asylfrage.

Er liebte die Arbeit an der Front, den Kontakt zu den Menschen

bbr. war ein Schnelldenker, ein effizienter, rascher Schreiber. Er beherrschte die Sprache. So gingen ihm Kolumnen und Glossen leicht von der Hand. Der Stellenwert der Literatur ist ihm vom Elternhaus vermittelt worden. Er hat Bücher geschätzt. Kurz vor dem Tod erzählte er, wie er und seine Partnerin sich in deren Haus am Bodensee mit grossem Vergnügen gegenseitig Texte vorlasen.

Als Journalist war Balz Bruder nicht introvertiert. Er liebte die Arbeit an der Front, den Kontakt zu den Menschen, die Pflege des Beziehungsnetzes. Und er, der nie Auto gefahren ist, war ein Meister darin, Abendveranstaltungen auch an den entferntesten Orten noch zu erreichen. Er war diesbezüglich ein Organisationsgenie.

Klassischer Start als Lokalredaktor

Er ist in Küttigen aufgewachsen, lebte meistens und auch zuletzt in Aarau (nach einem Abstecher nach Luzern), hatte ein Studium der Rechtswissenschaften angefangen, ehe er in der Lokalredaktion des «Aargauer Tagblatts» begann. Balz Bruder war in jungen Jahren ein aktiver Fussballer, blieb später ein Fan und reiste immer wieder zu Spielen in England. In das Land, das in seinem Leben stets eine besondere Rolle spielte.

Vergnügliche Stunden im Kreis von Familie und Freunden, vorzugsweise verbunden mit einem feinen Essen, waren ihm wichtig. Balz Bruder kannte die guten Adressen in Aarau, Baden, Luzern und Solothurn. Es gab eine Phase, in der man ihm das ansah – inklusive der Lachfältchen. Dann begann er intensiv zu joggen und entdeckte die Liebe zu den ­Bergen.

Die Weitsicht war Teil seines Lebens. Einsicht in seine seelischen Nöte, die ihn heimsuchten, gewährte er seinem Umfeld kaum. Seiner leidenschaftlichen Arbeit liess er erst recht nie etwas anmerken. Balz Bruder blieb noch in seinen letzten Tagen dran an den wichtigen Dossiers und Geschicken von Verwaltung und Politik. Affaire à suivre. Bis zum Schluss.