Nachruf
André Kamber mehrte das Ansehen Solothurns

Ein Nachruf von Christoph Vögele, Nachfolger von Kamber als Konservator des Kunstmuseums Solothurn.

Christoph Vögele
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Andre Kamber© Hanspeter Rederlechner

Andre Kamber
© Hanspeter Rederlechner



André Kamber (1932–2021) war 25 Jahre, von 1972–1997, für das Kunstmuseum Solothurn tätig, ab 1978 als erster vollamtlich angestellter Konservator. In dieser Zeit hat er das Museum nachhaltig geprägt. Bis heute sind viele Prinzipien seines konzeptuellen Denkens für das Haus und seine Ausrichtung gültig geblieben. André Kamber hatte ein gutes Gespür für die Kunstschaffenden seiner Generation. Mit scharfem Verstand und taktischem Geschick wurde er zu einem hervorragenden Kulturpolitiker, der grundsätzliche Gedanken zum Kunstleben von Stadt und Kanton Solothurn entwickelte.

Dieselben Gaben, gepaart mit Mut und Entschiedenheit, liessen ihn grosse Ausstellungsprojekte realisieren, die bereits zu Beginn seiner Tätigkeit nationale, ja internationale Beachtung fanden. Legendär ist seine Wiederentdeckung von Meret Oppenheim, der er 1974 die erste Überblicksausstellung in der Schweiz widmete. Als Pionier ist er verschiedentlich aufgetreten: Erste Gesamtausstellungen für André Thomkins (1973), Ingeborg Lüscher (1982) oder Aloïse (1985); erste Schweizer Retrospektiven für Eva Aeppli (1994) oder Ben Vautier (1996). Zu den von ihm Geförderten gehörten die bedeutendsten Künstlerinnen der Schweiz: Frauenförderung ohne plakativen Anspruch.

Einen Karriere-Höhepunkt bildete eine von ihm vorbereitete Schau für Daniel Spoerri (1991), die nach Stationen in Paris, Wien und München in Solothurn ihren Abschluss fand. So wurde der internationale Ruf Solothurns als Kunststadt nicht nur durch die berühmten Gemälde der museumseigenen Stiftungen gemehrt, sondern auch durch Kambers Ausstellungen.

Die riesigen Fussstapfen meines Vorgängers André Kamber waren für mich Motivation, Verpflichtung und Herausforderung. Ich musste meinen eigenen Weg finden, um dadurch sein Erbe weitertragen zu können: Wie er engagierte ich mich für die eigene Generation, und eine ähnliche Leidenschaft für die Zeichnung verband uns. André Kamber hat sich gegenüber mir selten geäussert; er blieb wortkarg und kritisch. Sein inneres Wesen spiegelte sich am ehesten in der spürbaren Verantwortung, die er für das Kunstmuseum Solothurn, vor allem aber für seine mit ihm eng befreundeten Kunstschaffenden und ihre Arbeit empfand. Ihnen fühlte er sich zutiefst verpflichtet, auch emotional.

Mit André Kamber, der Anfang September überraschend verstorben ist, ist eine bedeutende Persönlichkeit unserer Stadt von uns gegangen. Zu schade, dass er meine eigene «Wachtablösung» so knapp verpasst hat. Gerade jetzt hätte es für uns spannenden Gesprächsstoff gegeben, wie etwa: Wie kann ich das geliebte Amt loslassen?

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