Nachgefragt
Pia Stebler über das Solothurner Gewerbe in Coronazeiten: «Rechnung geht, Stand heute, auf»

Wie beurteilt die neue Präsidentin des Kantonal-Solothurnischen Gewerbeverbands die Lockerung der Pandemiemassnahmen? Im Interview nimmt Pia Stebler Stellung.

Balz Bruder
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Pia Stebler: Gewerbeverbandspräsidentin kgv. Kantonaler Gewerbeverband.

Pia Stebler: Gewerbeverbandspräsidentin kgv. Kantonaler Gewerbeverband.

Hanspeter Bärtschi

Sind Sie überrascht über den Umfang der Lockerungen, die der Bundesrat beschlossen hat?

Pia Stebler: Nein. Die aktuell sehr gute epidemiologische Entwicklung, gepaart mit dem Impffortschritt, lässt diese Lockerungen zu.

Was ist für das Solothurner Gewerbe nun besonders wichtig?

Die Lockerungen bedeuten einen weiteren Schritt in Richtung Normalität, was sich für das gesamte Gewerbe positiv auswirken wird. Mit der Öffnung der Restaurants auch im Innenbereich kommt wieder Leben in die Städte und Gemeinden. Das wirkt sich ebenfalls stimulierend für Geschäfte ausserhalb der Gastroszene aus.

Diese hat stark gelitten. Wird sie sich erholen?

Das hoffe ich sehr und glaube auch daran. Es herrscht ein grosser Nachholbedarf, die Leute wollen sich wieder treffen, zusammen ausgehen, unbeschwert sein.

Gibt es irreversible Schäden?

Dank den diversen Unterstützungsmassnahmen und Entschädigungszahlungen – Kurzarbeitsentschädigungen, Covid-Taggelder, Covid-Kredite, Mietzinszuschüsse usw. – konnten irreversible Schäden wie Konkurse zum Glück weitestgehend verhindert werden. Die Rechnung geht, Stand heute, auf. Die Coronakrise beschleunigte zudem allenfalls gewisse Entscheidungen, die so oder so angefallen wären. So weiss ich von Wirten, die sich dem AHV-Alter nähern und etwas früher als geplant ihren Betrieb aufgegeben haben.

Brachte die Krise auch positive Entwicklungen?

Die Zwangspause setzte viel Potenzial frei, das für die Betriebe in Zukunft von Vorteil und sie stärken wird: Mangels Zeit vernachlässigte Projekte zur Digitalisierung wurden vorangetrieben und neue Geschäftsmodelle entwickelt. Es ist toll zu sehen, wie viele KMU das Beste aus der Situation gemacht, die Chance genutzt haben und innovativ waren.

Was ist über den Tag hinaus wichtig im Spannungsfeld von Gesundheitsschutz und Wirtschaftsfreiheit?

Mit einer effizienten und effektiven Krisenorganisation hätten wohl die wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Freiheiten etwas schneller zurückgegeben werden können. Aber im Nachhinein ist man immer schlauer.