Tourismus

Nachgefragt bei den Reisebüros: Wohin fahren Solothurner in die Ferien?

Touristen geniessen die Sonne – auch am Strand von Sa Coma auf Mallorca.

Touristen geniessen die Sonne – auch am Strand von Sa Coma auf Mallorca.

Nach den Anschlägen in Istanbul und in Ankara ist das Feriengeschäft in der Türkei zusammengebrochen. Reisebüros aus Olten, Solothurn und Grenchen geben Auskunft, wohin die Solothurner stattdessen in die Urlaub fahren.

«¡Una cerveza, por favor!», heisst es aktuell bei vielen Solothurner Touristen, wenn sie in den Ferien ein Bier bestellen wollen. Spanien erlebt diesen Sommer einen Ferien-Boom sondergleichen. «Die Buchungen für Spanien gingen bei uns durch die Decke», sagt Heinz Schachtler vom Reisebüro Travellino in Solothurn. Wer erst jetzt noch kurzfristig buchen wolle, habe es schwer – viele Hotels seien schon ausgebucht. Aber auch Italien, Frankreich oder Portugal seien in den Sommerferien 2016 populäre Reiseziele.

Den Grund für die aktuelle Beliebtheit Spaniens kann Heinz Schachtler schnell erklären: «Nach den Anschlägen in Ankara und Istanbul ist das Geschäft mit dem zuvor sehr beliebten Ferienland Türkei komplett eingebrochen. Ich kann die Buchungen an einer Hand abzählen. Die Leute mussten auf andere Länder ausweichen.»

«Tragisch für türkische Hotels»

Mit Spanien oder Italien habe man gute und sichere Alternativen gefunden, so Schachtler. Trotzdem bekundet er sein Mitleid für die türkischen Ferienorte: «Das ist sehr tragisch für die Türkei. Im Schnitt mussten drei von fünf Hotels schliessen», bedauert er. Die Preise für Türkei-Ferien seien jetzt zwar im Keller, damit lasse sich das eingebrochene Geschäft mit der Türkei aber auch nicht mehr retten. Das gleiche Schicksal hat Tunesien ereilt. Nach mehreren terroristischen Anschlägen will dort kaum noch jemand seine Ferien verbringen. «Ich hatte lediglich eine einzige Buchung für Tunesien», sagt Schachtler.

EDA warnt vor Tunesien und Türkei

Das Schweizer Aussendepartement EDA zeichnet ebenfalls ein düsteres Bild von der Lage der beiden Destinationen. «Im ganzen Land besteht jederzeit das Risiko von terroristischen Akten, dies schliesst auch Badeorte mit ein», schreibt das EDA in den aktuellen Reisehinweisen für Tunesien. Ganz ähnlich klingt es bei denjenigen für die Türkei: «Seit dem Sommer 2015 hat die Zahl der Anschläge zugenommen. Trotz erhöhter Sicherheitsmassnahmen besteht das Risiko von Terroranschlägen jederzeit im ganzen Land.»

Grundsätzlich seien die Leute bereits gut informiert, wenn sie in sein Reisebüro kämen, auch über die politische Lage der Zieldestination, sagt Rolf Probst vom Reisebüro Vasellari in Grenchen. «Falls nicht, weisen wir wenn nötig natürlich darauf hin und geben die Reisehinweise des EDA an unsere Kunden weiter», erklärt er.

Kreuzfahrtreisen im Aufwind

Auch bei ihm hätte sich der spanische Boom stark bemerkbar gemacht. Das sei aber nicht der einzige Reisetrend, wie er sagt: «Kreuzfahrten werden immer beliebter.» Was früher eher als «Alte-Leute-Reise» abgetan wurde, sei inzwischen für fast jeden geeignet, sagt Probst. «Es gibt in diesem Bereich heutzutage wahnsinnig viele Angebote, auch für Familien mit Kindern.» Besonders Kreuzfahrten ans Nordkap werden häufig gewünscht.

Sowieso, der Norden scheint es den Schweizern angetan zu haben. Jedes der angefragten Reisebüros in der Region bestätigt, dass nordische Länder wie Schweden, Norwegen oder Finnland ganz weit oben auf der Beliebtheitsskala stehen.

Norden ist auf dem Vormarsch

So auch beim Reisebüro Hauri Reisen in Olten: «Absolut, Skandinavien ist voll im Trend. Insbesondere für Blockhausferien oder für Reisen mit dem Mietwagen», sagt Karin von Ins vom Oltner Reisebüro. Ganz besonders auf dem Vormarsch sei Island. Eine Nachwirkung der Fussball-Europameisterschaft?

Der Kleinstaat galt als Sieger der Herzen an der vergangenen EM in Frankreich. «Klar, dank der EM hat Island noch mehr Aufmerksamkeit bekommen.» Das habe sich aber nicht merklich auf die Buchungen ausgewirkt, so von Ins. «Wer eine Reise nach Island gebucht hat, der hat das schon vor der Europameisterschaft gemacht. Es handelt sich dabei meistens nicht um Last-Minute-Buchungen.» Island profitiert momentan stark von häufigeren Direktflügen nach Reykjavík.

Auch Reisen in die Wildnis von Kanada seien sehr gefragt. «Die Leute suchen das Erlebnis Natur, sie wollen herumreisen und das Land selbst entdecken.»

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