Sie sind klein. Vier Zentimeter lang mit einem Durchmesser von sechs Millimetern. Die aus Sägemehl und Hobelspänen hergestellten zylinderförmigen Holz-Pellets werden bei den Kunden in Klein- oder Grossanlagen verbrannt und produzieren Wärmeenergie.

Seit 15 Jahren betreibt die Solothurner Energieversorgerin AEK Energie AG eine Produktionsanlage auf dem ehemaligen Von-Roll-Areal in der Klus bei Balsthal – mit einer Kapazität von 60'000 Jahrestonnen die grösste Anlage schweizweit. Die «Holzwürmer» haben sich seither auf dem Schweizer Markt einen Platz als erneuerbare Energiequelle erkämpft, wenn auch auf tiefem Niveau.

2017 war ein «schwieriges Jahr»

«Der Pelletmarkt ist und bleibt eine Nische», sagt denn auch Bruno Jordi, Geschäftsleiter der AEK Pellet AG. Den Anteil am gesamten Wärmeenergiemarkt schätzt er auf ein bis zwei Prozent. Zwar steige die Nachfrage nach Pellets stetig an. Trotzdem bezeichnet Jordi, der die AEK-Tochterfirma seit zehn Jahren leitet, 2017 als «schwieriges Geschäftsjahr». Mengenmässig habe man zwar gegenüber dem Vorjahr mehr Holzpellets produzieren und absetzen können. 2016 waren es rund 40'000 Tonnen. Laut AEK-Geschäftsbericht lag der Umsatz bei 9,5 Millionen Franken. Allerdings seien die Ertragsziele trotz positivem Betriebsergebnis nicht ganz erreicht worden. Dafür macht Jordi zwei Gründe geltend: Einerseits sei der Preis für den Rohstoff Holz gestiegen. Dazu habe eine erhöhte Nachfrage nach Restholz aus Süddeutschland geführt. Gleichzeitig hätten sich die Verkaufspreise leicht rückläufig entwickelt.

Auf dem Fabrikareal herrscht Hochbetrieb. Sattelschlepper bringen das Rohmaterial – Sägemehl und Hobelspäne. Das Material stamme von rund 20 Lieferanten fast zu 100 Prozent aus der Region, im Umkreis von 100 Kilometern. Abgeladen in Bunker, wartet das Material auf die Weiterverarbeitung. Doch bevor es so weit ist, muss der teilweise feuchte Rohstoff getrocknet werden. Seit 2016 wird die entsprechende Ofenheizung nicht mehr mit Gas betrieben, sondern mit unbehandeltem Altholz.

Allein dafür hat die AEK neun Millionen Franken investiert. Danach wird das Rohmaterial in einer Presse unter hohem Druck durch eine rotierende Matrize gedrückt. Das Material erhitzt sich dadurch auf rund 100 Grad, das Lignin oder Harz tritt aus und sorgt für die Festigkeit. Die daraus entstehenden Stangen werden danach mit einem Messer in Stäbchen auf eine Länge von vier Zentimetern zugeschnitten.

Eine Pelletiermaschine

Eine Pelletiermaschine

Über Förderbänder gelangen die Pellets zur Zwischenlagerung in die von weither sichtbaren silberglänzenden, zylinderförmigen Stahlsilos mit einer Höhe von 14 Metern und einem Durchmesser von 10 Metern. Das Fassungsvermögen beträgt 5400 Tonnen. Danach erfolgt der Transport entweder in Tankwagen zu den Kunden oder die Pellets werden in Säcke abgepackt. Letztere gelangen über den Detailhandel in den Verkauf. Der Vertrieb erfolgt über die Kanäle von Migrol, Coop und Waldenergie Schweiz.

«Nachhaltige Energiegewinnung»

Obwohl auch im Geschäft mit Pellets als Wärmeenergie die Bäume nicht in den Himmel wachsen, sieht Jordi durchaus weiteres Potenzial. Hauptvorteil gegenüber fossilen Brennstoffen wie Öl und Gas sei die Umweltverträglichkeit. Holzenergie sei nämlich CO2-neutral, weil Bäume bei ihrem Wachstum gleich viel CO2 binden wie bei ihrer Verbrennung oder Verrottung wieder frei werde. «Zudem ist Holzenergie erneuerbar und damit nach der Wasserkraft eine der wichtigsten Formen der nachhaltigen Energiegewinnung in der Schweiz.» Mit einem Anteil von rund 25 Prozent sei die AEK Marktleaderin in der Schweiz und könne so von der stetigen Nachfragesteigerung profitieren. Jordi ist überzeugt, dass die Kapazität von 60 000 Tonnen in einigen Jahren ausgelastet wird.

Jordi verweist dazu auf die Holzenergiestatistik des Bundesamtes für Energie. Zwar wachse der Bestand an installierten Pelletanlagen derzeit gering, aber entscheidender sei die installierte Leistung in Kilowattstunden. Und diese wachse weiterhin jährlich um rund zehn Prozent. «Es werden zwar weniger Kleinstanlagen eingebaut, dafür mehr Grossanlagen – etwa für Wohnüberbauungen, Schwimmbäder oder auch Industriebauten – in Betrieb genommen.»

Mit Qualität gegen Importe

Auch preislich könnten die Pellets mithalten. Umgerechnet auf eine Kilowattstunde seien die Pellets – verglichen über mehrere Jahre – gegenüber Heizöl und Gas deutlich günstiger. Zwar sei die Investition in eine Pelletheizung höher als in eine Öl- oder Gasheizung. «Dank dem Preisvorteil ist diese Mehrinvestition aber in wenigen Jahren amortisiert», rechnet Jordi vor. Hinzu komme, dass der Pelletpreis weit weniger volatil sei als der Heizölpreis.

Bauchweh bereiten den Pelletproduzenten die über die vergangenen Jahre stark gestiegenen Importe von günstigeren Pellets. Hauptgrund dafür sei der starke Franken, welcher die Einfuhren massgeblich verbillige, so Jordi. Der Importanteil am inländischen Verbrauch liege aktuell bei rund 30 Prozent. Dagegen reagiere man mit Qualität. An der Politik, Pellets vollständig aus Schweizer Holz herzustellen, halte man fest. Die Pellets seien nach ENplus A1 und DINplus zertifiziert, den höchstmöglichen Gütesiegeln in der Schweiz.

Das zeige sich etwa in einer hohen Brennbarkeit und einem hohen Heizwert. Auch bei den Rückständen in der Asche – der Ascheanfall sei dank der guten Verbrennung sehr gering – unterschritten die AEK-Pellets alle relevanten Grenzwerte deutlich. Entscheidend dafür sei die Kontrolle der verwendeten Rohstoffe, bei der AEK ausschliesslich naturbelassenes Holz. Die Qualität werde bereits bei der Anlieferung – «es kommt regelmässig vor, dass Sägemehl in ungenügender Güte zurückgewiesen wird» – und anschliessend bei der Herstellung stündlich kontrolliert, versichert Jordi.

Neue Besitzerin hält an Werk fest

Obwohl mit der Fertigung von Pellets wie erwähnt nie ein Riesengeschäft heranwachse, gebe es keine Überlegungen, die Produktionsstätte mit sechs Angestellten und einer Lernenden aufzugeben. Auch der neue Eigentümer der AEK, der Berner Energiekonzern BKW, wolle daran festhalten. Jordi: «Die Pellets passen ins Konzept der BKW, nach dem bevorstehenden Ausstieg aus der Atomenergie die Produktion von erneuerbaren Energie weiter zu stärken.»