Aufgabentreff
Nach vier Jahren abgeblitzt – Pro Juventute hoffte vergebens

Pro Juventute erhält für das Projekt Aufgabentreff doch keine finanzielle Unterstützung vom Kanton, wie bisher erwartet. Nun gibt es Schuldzuweisungen auf beiden Seiten. Finanziell müssen jetzt die Gemeinden helfen.

Caroline Beck
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Kinder, die mit ihren Hausaufgaben nicht zurechtkommen, erhalten Hilfe im Aufgabentreff. (Themenbild)

Kinder, die mit ihren Hausaufgaben nicht zurechtkommen, erhalten Hilfe im Aufgabentreff. (Themenbild)

Simon Binz

Nicht alle Kinder können die Hausaufgaben alleine erledigen und auch die Eltern haben nicht immer Zeit. Daher hat Pro Juventute 2011 den Aufgabentreff in verschiedenen Gemeinden ins Leben gerufen. Seit Februar 2017 müssen diese nun einspringen, weil Pro Juventute die Kosten nicht mehr tragen kann. Denn der Verein musste auf die erhoffte finanzielle Unterstützung des Kantons verzichten. Die Elternbeiträge von 90 Franken pro Semester und Lektion decken die Ausgaben nicht.

Seit 2013 befand sich Pro Juventute bezüglich Aufgabentreff in Gesprächen mit dem Amt für soziale Sicherheit (ASO), die nach Angaben von Steffi von Weissenfluh, Geschäftsleiterin von Pro Juventute Kanton Solothurn, immer sehr positiv ausgefallen seien. Ansonsten hätte der Verein nicht so viele neue Schulen ins Programm aufgenommen und andere Wege zur Finanzierung eingeschlagen.

Vielversprechende Gespräche

Bereits dazumal stand laut von Weissenfluh Marcel Châtelain, ehemaliger Leiter des ASO, offen einer Unterstützung gegenüber. Zuvor sollten aber fünf weitere Angebote von Pro Juventute, wie Jugendliche besuchen kranke Kinder im Spital oder Sozialpraktikum einen Beitrag von insgesamt 100 000 Franken aus dem Lotteriefonds erhalten.

Für die vierjährige Übergangsfinanzierung des Aufgabentreffs seien die Lichter ebenfalls noch auf Grün gestanden, so von Weissenfluh. In einem Treffen anfangs 2015 hätten sich auch Châtelains Nachfolgerin Claudia Hänzi, Monica Sethi, ebenfalls vom ASO, Thomas Blum der Geschäftsführer des Verbands Solothurner Einwohnergemeinden (VSEG) und Elisabeth Ambühl vom Volksschulamt (VSA) wohlwollend gegenüber dem Projekt gezeigt. Man wolle den Aufgabentreff finanziell unterstützen, hiesse es einstimmig. Die Frage sei nur, aus welchen Kässeli, so zitiert von Weissenfluh die Aussage von Hänzi aus diesem Gespräch.

Hänzi dementiert auf Anfrage diese Aussage: «Wir haben Pro Juventute empfangen, aber nie eine Zusicherung für eine finanzielle Unterstützung gegeben.» Es wurde mitgeteilt, dass der Kanton Potenzial im Projekt sehe. Problem sei jedoch, dass dies ein kommunales Leistungsangebot sei und das ASO auf kantonaler Ebene operiere.

Aufgabentreff ist nichts Neues

Im Mai 2016 reichte Pro Juventute das definitive Gesuch beim Kanton ein. Einen Dämpfer gab es erstmals im Herbst desselben Jahres bei einer Besprechung mit dem Leiter der kantonalen Fachstelle für Integration Reto Steffen. Dies, weil die finanziellen Mittel gekürzt worden seien, sagt von Weissenfluh. Trotzdem wurde seitens ASO noch über eine dreijährige Übergangsfinanzierung zwischen 30'000 und 40'000 Franken gesprochen – diese Dokumente liegen dieser Zeitung vor.

Die genannten Zahlen seien aber noch als unverbindlich zu erachten gewesen. Das Ganze lief immer unter der Bedingung, dass sich die teilnehmenden Gemeinden verpflichten, spätestens ab Schuljahr 19/20 die betreuten Hausaufgabenstunden selbst zu finanzieren. Gemäss von Weissenfluh haben alle Gemeinden eingewilligt. Schriftliches habe aber Hänzi nie gesehen. «Ein Projekt muss nachhaltig sein, nicht damit es nach der Anstossfinanzierung wieder leerläuft.» Ende des letzten Jahres wurde das Gesuch von Pro Juventute schliesslich von Claudia Hänzi brieflich abgelehnt.

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Gemeinden waren bisher im Kanton am Aufgabentreff beteiligt. Seit die Gemeinden einen Semesterbeitrag von 1350 Franken zahlen müssen, sind 14 Orte abgesprungen. Einige Gemeinden wie Bettlach, Gretzenbach oder Niederbuchsiten sind zwar aus dem Programm ausgestiegen, führen aber das Angebot vorläufig selber weiter.

«Ich verstehe, dass ein Nein wehtut, denn es steckt viel Herzblut in diesem Projekt», so Hänzi. Sie hätten daher auch eine Unterstützung via kantonales Integrationsprogramm (KIP) genauer abgeklärt. Gemäss von Weissenfluh habe Blum im Gespräch von 2015 das KIP vorgeschlagen. Denn zum damaligen Zeitpunkt hatten rund 86 Prozent der teilnehmenden Kinder einen Migrationshintergrund.

Aber auch hier hätten sie einen negativen Entscheid fällen müssen, erklärt Hänzi. «Das Leistungsangebot des Aufgabentreffs ist zu nahe an den Regelstrukturen.» Das heisst: Mit dem KIP werden Projekte unterstützt, die eine spezielle Integrationsförderung beinhalten. Hänzi führt weiter aus: «Etwa ein Sprachförderkurs mit Kinderbetreuung für fremdsprachige Mütter. Ein normaler Aufgabentreff hat solche spezifischen Ausrichtungen nicht.»

Verbitterung hüben und drüben

Die Begründung des ASO zur Ablehnung des Gesuchs hinke, sagt von Weissenfluh. Denn, dass die Hausaufgabenhilfe eng mit der Regelstruktur der Volksschule verbunden sei – wofür die Gemeinden zuständig sind –, sei von Beginn an allen Parteien bewusst gewesen. Die Geschäftsleiterin erachtet die Begründungen des Kantons daher als Ausreden.

«Der Kanton hätte das Gesuch bereits 2015 ablehnen können und es hätte somit gar keine vertiefte Prüfung gebraucht.» Einen Grund, weshalb sich die ganze Abwicklung so in die Länge zog, erklärt sich die ASO-Leiterin mit Verzögerungen seitens Pro Juventute. Gründe waren Personalmangel. «Wir haben uns Mühe gegeben eine Lösung zu finden und Pro Juventute zu beraten, aber vielleicht haben wir uns zu viel Mühe gegeben», sagt Hänzi.