Amtsgericht

Nach Raub, Gewalt und Drogen: Lars K. bleibt im Massnahmenvollzug

© EMANUEL PER FREUDIGER

Lars K* hat sich im Massnahmenvollzug gebessert. Er muss aber für weitere zwei Jahre in die Therapie. Auffällig wurde er wegen Gewalt- Drogen und Raubdelikten. Bleiben muss er weil das Paradebeispiel eines Massnahmenvollzugs nicht auf der Zielgerade abgebrochen werden soll.

«Für mich war von Anfang an klar, stets Verantwortung für meine Taten übernehmen zu wollen. Ich frage mich heute noch, wie es so weit kommen konnte». Das sagte Lars K.* zu Beginn der gestrigen Verhandlung vor dem Amtsgericht Solothurn-Lebern. Das Gericht beschäftigte sich mit dem Antrag des Amts für Justizvollzug auf eine Verlängerung der stationären Massnahme.

K. wurde 2009 zu einer Haftstrafe von fünf Jahren Haft verurteilt, welche in eine stationäre Massnahme umgewandelt wurde. Auffällig wurde er primär durch Raub, Gewalt- und Drogendelikte. Heute befindet sich der junge Mann im Massnahmenzentrum Bitzi im Kanton St. Gallen und absolviert eine Lehre als Baupraktiker. Anstelle einer Gefängnisstrafe sollte die Massnahme durch Therapien dazu dienen, K. zu bessern und seiner psychischen Störung entgegenzuwirken.

Geregelter Tagesablauf

Im März laufen diese fünf Jahre aus und zu diesem Zweck forderte das Amt für Justizvollzug, vertreten durch Staatsanwalt Raphael Stüdi, eine Verlängerung der stationären Massnahme um weitere zwei Jahre. Auf die Frage von Amtsgerichtspräsident Yves Derendinger, wie er die Zeit im Massnahmevollzug erlebe, gab sich K. sehr zuversichtlich: «Mein Ziel ist es sicher, etwas aus meinem Leben zu machen.»

Und: «Ich habe gelernt, die Zeichen meines Körpers frühzeitig zu erkennen und Gewaltrückfälle zu verhindern.» Auch den Konsum illegaler Substanzen habe er endgültig aufgegeben.

Die «Rückfallgefahr in diese Negativspirale» sei einfach zu gross, meinte K. «Als Ausgleich zum harten Arbeitsleben würde ich mit meinen Freunden fischen gehen», erklärte K. Die Freizeitplanung wird als sehr zentral für die Resozialisierung nach dem Massnahmevollzug erachtet.

Während seines Aufenthalts in der Anstalt kam es zu mehreren Disziplinarverfügungen. So beispielsweise durch Verspätungen und das Mitführen von unzulässigen Waren – in diesem Fall eine Kreditkarte und Bargeld. Ansonsten sei er jedoch gemäss Berichten während des Vollzuges sehr positiv aufgefallen und auch sehr motiviert zu den Therapiesitzungen erschienen.

Im Falle einer Aufhebung der Massnahme, müsste sich K. eine Wohnung suchen und ein geregeltes Leben aufbauen. Der Lehrlingslohn reicht allerdings nicht aus, um ein unabhängiges und eigenständiges Leben zu finanzieren. Deshalb wies K. das Gericht darauf hin, dass ihm seine Familie eine Unterstützung zugesichert habe.

Weitere Finanzierungsquellen wären eine «allfällige Lohnerhöhung» oder auch die Sozialhilfe. «Ich möchte einen geregelten Tagesablauf haben und nehme mir meine zwei besten Freunde zum Vorbild, welche mit beiden Beinen fest im Leben stehen», sagte K.

Staatsanwalt Stüdi zeigte sich in seinem Plädoyer begeistert über die positive Entwicklung von K. «Jedoch wäre es schade, auf der Zielgerade aus dem Rennen auszusteigen», wie Stüdi dem Gericht klar zu machen versuchte. K. habe sich «im geschützten Rahmen bewährt, nun sollen weiterhin im geschützten Rahmen stabile Bedingungen geschaffen werden.»

Psychische Störung

Stüdi ist überzeugt davon, dass K. «den Rank kriegen» würde. Doch für eine Entlassung aus dem Massnahmevollzug sei es noch zu früh. Rechtsanwältin Caroline Ehlert hielt in einem ausführlichen Plädoyer mit allen Mitteln dagegen. Sie betonte primär die «grossartige Entwicklung» ihres Mandanten: Während K. zurzeit seiner Taten in schwierigen Familienverhältnissen lebte und sich mit Schwerkriminellen herumtrieb, weise er heute eine grosse Sozialkompetenz auf und verfüge über stabilere familiäre Beziehungen.

Nebst diesen Punkten, die laut Ehlert zeigten, dass K. reifer und erwachsener geworden ist, sei eine gewisse psychische Störung stark anzuzweifeln, was eine Verlängerung der Massnahme gerechtfertigt hätte.

Entgegen dieser Ansicht schliesst das Gericht jedoch eine Persönlichkeitsstörung nicht aus. Zwar sei K. ein Paradebeispiel, wie ein Massnahmevollzug ablaufen solle, doch solle sie nicht «auf der Zielgerade» abgebrochen werden. Der Massnahmevollzug wurde durch das Gericht bis Ende Juli 2017 und zum Abschluss der Lehre verlängert.

* Name der Redaktion bekannt.

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