Vor einem halben Jahr prüfte der Solothurner Verein Sterbehospiz vier Liegenschaften, die sich als Sterbehospiz geeignet hätten. Der Optimismus war gross – aber mittlerweile ist die Ernüchterung eingekehrt. «Wir haben hart kalkuliert und erkannt, dass wir den Start finanzieren könnten. Um ein Sterbehospiz langfristig betreiben zu können, braucht es aber viel mehr», erklärt Daniel Preisig, der Kommunikationsbeauftragte des Vorstands.

Der im Juli 2016 gegründete Verein, der bereits 180 Mitglieder zählt, habe den kürzesten Weg zum Sterbehospiz gesucht, aber dieser führte über einen hohen Berg. Nun wolle man sich auf den etwas längeren Weg um den Berg herum begeben, der dafür weniger steinig und gefährlich ist. «Der konstante Kampf um das Geld, das es brauchen wird, damit man die zu erwartenden Defizite decken kann, wäre zu hart gewesen», erklärt Daniel Preisig. Um das Projekt nicht zu gefährden, habe man einen Gang zurückgeschaltet, teilte der Vorstand den 60 anwesenden Mitgliedern an der Generalversammlung vom vergangenen Mittwoch mit.

Der Verein Sterbehospiz durfte auch Positives vermelden. So hat der Verein ein Legat von einer halben Million Franken zugesprochen erhalten und er kann somit auf dem steinigen Weg zu einem Solothurner Sterbehospiz weiter gehen. «Zusammen mit der Fundraiserin, Felizitas Dunekamp, gelang es uns, den Mitgliedern die Komplexität, den hohen Geldbedarf und auch die zeitlichen Räume zu plausibilisieren», fasst Preisig zusammen.

Ein Leuchtturmprojekt

«Wir haben das Hospiz nur als Liegenschaft gesehen und unsere Gedanken waren zu sehr darauf fokussiert, den richtigen Ort zu finden, um sterbende Menschen betreuen zu können. An das Geld, das für den Betrieb konstant generiert werden muss, hatten wir zu wenig gedacht. Wir sprechen da jährlich von sechsstelligen Summen», rechnet Preisig.

Die Anstossfinanzierung für ein Sterbehospiz wäre möglich. Aber man habe erkannt, dass der Beschaffungsstress zu gross würde, wenn man schon vom ersten Tag an den Spenden nachrennen müsste. «Das Ziel ist es nun, dass Geld für die ersten fünf Jahre gesichert zu haben, bevor wir das Sterbehospiz tatsächlich eröffnen», gibt Preisig einen zeitlichen Rahmen vor. «Die Fundraiser haben uns klar vor Augen geführt, dass wir nicht klein beginnen dürfen. Unser Sterbehospiz muss als Leuchtturmprojekt wahrgenommen werden. Nur so wird es möglich, grosse Spender und Sponsoren zu motivieren.»

Politisch zurückgeworfen

Das andere Problem, das sich dem Verein Sterbehospiz stellt, ist der politische Umbruch, der bei den vergangenen Regierungsratswahlen erfolgt ist. Es habe lange gedauert, Peter Gomm zu überzeugen, doch nun habe sich mit Susanne Schaffner die Situation wieder geändert, sagt Daniel Preisig.

«Die neue Regierungsrätin ist überzeugt, dass es nicht die Aufgabe des Staates sei, ein Sterbehospiz zu unterstützen.» Mit Susanne Schaffner an der Spitze wolle der Kanton die palliative Pflege ausbauen. Das sei ja an sich gut, aber das Sterbehospiz übernehme eine ganz andere Aufgabe.

«Die palliative Medizin will die Lebensqualität der Menschen verbessern, die unheilbar krank sind. Diese Menschen können aber unter Umständen noch jahrelang leben. Im Sterbehospiz wollen wir uns um die Menschen in der absolut letzten Phase des Lebens kümmern. Wir wollen, dass der sterbende Mensch an einem schönen Ort in Würde Abschied nehmen und seine letzten Tage mitgestalten kann. Das ist in einem Spital fast nicht möglich.»