Obergericht
Nach Mordauftrag an Ehefrau: Solothurner muss für ein Jahr hinter Gitter

Ein 53-Jähriger erhält eine teilbedingte Freiheitsstrafe für den nie ausgeführten Mordauftrag an seiner Ehefrau – diese hat ihm verziehen und bat das Gericht um Milde.

Simon Binz
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2005 bezahlte der Solothurner viel Geld, um seine Frau umbringen zu lassnen. (Symbolbild)

2005 bezahlte der Solothurner viel Geld, um seine Frau umbringen zu lassnen. (Symbolbild)

ssr

Sie seien im Moment sehr glücklich und hätten ein gutes Verhältnis miteinander – auch mit den beiden Kindern. Wenn es Probleme gebe, dann würden sie diese gemeinsam lösen. «Seit dem Vorfall hat er sich verändert, wir können viel besser zusammen reden», sagte Mai Ling* vor Obergericht. Brisante Worte von einer Frau, deren Ehemann sie noch im Herbst 2005 umbringen lassen wollte. Doch alles von Anfang an.

Eheleute sind weiter zusammen

Gerhard P.* betätigte sich ehrenamtlich in seiner Gemeinde und war respektiert. 1998 heiratete er die Thailänderin Mai Ling*. Die Ehe kriselte, und im Herbst 2005 hatte Gerhard P. die Idee, seine Frau bei einem vorgetäuschten Unfall zu ermorden. Er erteilte seinem alten Kumpel Markus F.*, einem Drogendealer, den Auftrag und übergab ihm 15 000 Franken. Zwar pfiff Gerhard P. seinen Freund später zurück, 2009 aber sagte der Drogenabhängige Hans W.* in einem anderen Strafverfahren aus, dass er vor längerer Zeit von Markus F. den Auftrag erhalten hätte, eine Thailänderin umzubringen. So kam der Fall ins Rollen. Gerhard P. wurde verhaftet und verbrachte einen Monat in Untersuchungshaft.

Im Juni 2013 musste sich der damals 52-jährige geständige Schweizer vor dem Amtsgericht Solothurn-Lebern für seine Taten verantworten. Als Motiv gab Gerhard P. an, dass seine Frau die Kinder schlecht behandelt, geschlagen und in den Keller eingesperrt habe. «Als ich einmal nach Hause kam, sass meine kleine Tochter weinend am Boden und sagte, sie wolle nicht mehr leben.» Das habe sein Herz gebrochen. «Ich war so verzweifelt und sah keinen anderen Weg, meine Kinder zu schützen.» Eine Scheidung sei nicht infrage gekommen, weil er überzeugt gewesen sei, dass ihm dann die Kinder weggenommen werden.

Mai Ling erfuhr erst nach der Verhaftung ihres Ehemannes, dass dieser Jahre zuvor ihre Ermordung geplant hatte. Die zwei Kinder – nun bereits 12 und 15 Jahre alt – wissen bis heute noch nichts davon. Und Mai Ling verzieh ihrem Mann. Weil dieser nach seiner Entlassung aus der U-Haft keine Arbeitsstelle mehr fand, geht sie heute arbeiten, während er sich zu Hause um die Kinder kümmert. So nahm die Geschichte eine unglaubliche Wende: «Ich liebe ihn und will nicht, dass er ins Gefängnis muss. Seine Kinder brauchen ihn», sagte Mai Ling vor dem Amtsgericht. Gerhard P. wurde darauf zu einer bedingten Freiheitsstrafe von 24 Monaten verurteilt. Für Staatsanwalt Jan Gutzwiller war das Urteil zu mild, weshalb er den Fall ans Obergericht weiterzog.

«Denken sie an die Kinder»

Hans-Peter Marti, Vorsitzender des Obergerichts, fragte Mai Ling, was es für sie bedeuten würde, müsste ihr Ehemann für längere Zeit ins Gefängnis. «Dann können sie mich und die Kinder auch gleich reinstecken, weil wir uns nicht trennen wollen.» Mai Ling sagte, dass das Gericht, egal wie es entscheiden möge, an die Kinder denken solle. Auch griff sie den Staatsanwalt an und unterstellte ihm, «die Familie kaputtzumachen.» Auch Gerhard P. sprach über die Familienverhältnisse: «Wir haben den Rollenwechsel vollzogen, das war unsere Lösung. Sie hat im Job eine Erfüllung gefunden und so fiel der Druck von ihr ab.» Sie hätten durch das tragische Ereignis zu einer besseren Beziehung gefunden. Die Tat selbst könne er heute nicht mehr nachvollziehen. «Das ist für mich unbegreiflich, es war eine Verzweiflungstat.»

Der Staatsanwalt betonte, dass das erstinstanzliche Urteil viel zu mild ausgefallen sei. «Noch nie habe ich so viele negative Reaktionen auf ein Urteil bekommen.» Es könne nicht sein, dass man einen Mord in Auftrag gebe und dann nicht einmal im Gefängnis lande. Es sei von zentraler Bedeutung, dass die Bevölkerung Vertrauen in den Rechtsstaat habe. Darum forderte Gutzwiller, wie schon erstinstanzlich eine Freiheitsstrafe von sechs Jahren. Primär sei sein Mandant für das Wohl der eigenen Kinder eingetreten, sagte der Verteidiger von Gerhard P. Er habe einen schweren Fehler begangen, aber er sei verzweifelt gewesen.

Nun sei er eine wichtige Stütze für die Familie und bei einer Gefängnisstrafe würde man die Kinder und die Frau – also die Opfer – bestrafen. Das Obergericht entschied, das erstinstanzliche Urteil, um ein Jahr anzuheben und Gerhard P. zu einer teilbedingten Freiheitsstrafe von 3 Jahren zu verurteilen (2 Jahre bedingt und 1 Jahr unbedingt). Vorsitzender Marti betonte, dass in diesem Fall das «Electronic Monitoring», also die elektronische Fussfessel, möglich wäre. Diese Entscheidung aber habe die Strafvollzugsbehörde zu treffen.

*Namen von der Redaktion geändert