Bernd Stadlwieser

Nach Kritik des Mondaine-Firmeninhabers an Baselworld wird bekannt: CEO wechselt die Fronten

Bernd Stadlwieser ist seit 2018 bei der Uhrenmarke Mondaine als CEO tätig. Der 50-Jährige wird nun neuer Chef bei der Messe Schweiz (MCH Group). Die Biberister Uhrenfirma, bekannt für die SBB-Bahnhofsuhren, muss sich einen neuen Chef suchen.

Noch am Wochenende äusserte sich Mondaine-Firmeninhaber André Bernheim kritisch zur Baselworld, einem der Sorgenkinder der MCH. Mit Bernd Stadlwieser wird nun ausgerechnet der Mondaine-Chef Nachfolger von René Kamm bei der Messe Schweiz. Dies teilte das Unternehmen mit.

Noch ist unklar, wann Stadlwieser bei der Messe übernehmen wird, schreibt die Messe in der Mitteilung. Hans-Kristian Hoejsgaard wird weiterhin als Chef amten, bis der 50-jährige Stadlwieser kommt. Hoejsgaard werde die Einarbeitung des neuen CEO sicherstellen, heisst es in der Mitteilung weiter.

Der Neue ist seit 2018 bei der Uhrenmarke Mondaine als CEO tätig. Dort wurde er als Nachfolger der langjährigen Patrons Ronnie und André Bernheim installiert. André Bernheim sprach damals von frischem Wind, welcher der Firma guttun werde. Nun ist der Wind bereits wieder ein laues Lüftchen. Mondaine, bekannt für die SBB-Bahnhofsuhren, muss sich einen neuen Chef suchen.

«Arrogante» Messebetreiber

André Bernheim hat am Wochenende für negative Presse für die MCH Group und die Baselworld gesorgt. In einem Interview mit der «Sonntagszeitung» sagte Bernheim: «Die Baselworld ist nicht mit der Zeit gegangen, und die Verantwortlichen haben eine enorme Arroganz an den Tag gelegt.» Mondaine zog sich 2017 von der Messe zurück, nachdem sie über 50 Jahre an der Ausstellung präsent gewesen war. Die Uhrenmarke stellt nun in einem Veloladen in unmittelbarer Nähe der Messe aus. «Der Baselworld ist es bislang nicht eingefallen, uns zu fragen, ob wir wieder bei der Messe dabei sein wollen.»

Bernheim sagt auf Anfrage der bz zur Personalie Stadlwieser: «Das Interview fand statt, bevor ich wusste, dass Bernd Stadlwieser uns verlassen wird. MCH erhält einen kompetenten Mann.» Er hält aber auch fest, dass er keine Veranlassung sieht, wieder an der Baselworld teilzunehmen. «Aber sag niemals nie. Mit Herrn Stadlwieser an der Spitze könnte es wieder Kontakt geben», sagt Bernheim. Stadlwieser habe bei Mondaine bereits einiges aufgegleist und erreicht, so Bernheim.

Swarovski, Sabo, Fotografie

Stadlwieser ist bei Swarovski in den Modeschmuck-Markt eingetreten. In den 1990er-Jahren durchlief er bei der österreichischen Kristallschmuckfirma etliche Stationen. Ab 2003 baute er das Geschäft von Thomas Sabo – bekannt für Armbänder mit den auswechselbaren Anhängern – zusammen mit seiner Frau Erika Stadlwieser in der Schweiz und England auf, ehe er 2006 zum Group-CEO bei Thomas Sabo aufstieg.

Danach war er für die Avenso GmbH in Deutschland tätig. Diese hat mit Lumas eine renommierte Galerie für Fotokunst im Portfolio. Avenso setzt dabei auf Multi-Channel-Vertrieb, das heisst auf den Verkauf über verschiedene Kanäle, offline wie auch online. Ein Thema, das auch bei der Messe wichtig wird. «Multi-Channel-Strategien und digitale Vertriebskonzepte verlangen nach neuen Formaten und Konzepten», sagte Messe-Verwaltungsratspräsident Ulrich Vischer im vergangenen August zur bz.

Es scheint, als hätte die Messe diese Kompetenz konkret gesucht. Vischer lässt sich denn auch in diese Richtung in der Medienmitteilung zitieren, Stadlwieser habe «viel Erfahrung in uns wichtigen Industriezweigen sowie für die Fortführung des eingeleiteten Transformationsprozesses». Die Verpflichtung von Stadlwieser kann als Zeichen dafür gewertet werden, dass die Messe auch in Zukunft verstärkt im Uhren-, Schmuck- und Kunstmarkt unterwegs sein wird.

Jobabbau und Millionenverlust

Stadlwieser, der am Zürichsee wohnt, übernimmt mit der Messe Schweiz eine Firma im Umbruch. Nicht nur die Baselworld gibt seit Jahren Anlass zur Sorge. Auch sonst steht das Geschäft mit den Messen vor Veränderungen, die traditionelle Messe hat dabei eine weniger grosse Bedeutung.

Am Freitag eröffnet zum letzten Mal das einstige Flaggschiff der Messe, die Muba, ihre Tore. Zudem teilte die MCH zuletzt mit, dass es zu einem Jobabbau mit 35 Entlassungen kommen werde. Auch für das Jahr 2018 wird ein schlechtes Ergebnis erwartet. Man geht von einem dreistelligen Millionenverlust aus. Dieser Verlust hat dem langjährigen Messe-Chef René Kamm den Job gekostet. Er hat das Unternehmen im vergangenen Sommer verlassen.

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