Ungeklärte Verbrechen
Nach fast 20 Jahren eine heisse Spur in zwei Mordfällen

Nach fast 20 Jahren sind neue Hinweise im Dulliker Raubmord von 1993 aufgetaucht – und es gibt einen mysteriösen Zusammenhang mit der Brandstiftung 1994 in Olten.

Stefan Frech
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Im blauen Kasten berichtete die «Solothurner Zeitung» am 2. August 1993 über den Mord in Dulliken.

Im blauen Kasten berichtete die «Solothurner Zeitung» am 2. August 1993 über den Mord in Dulliken.

Stefan Frech

Der Entscheid wird mit Spannung erwartet: Das Bundesgericht klärt zurzeit ab, ob die Solothurner Staatsanwaltschaft im «Schlafzimmerräuber-Fall» die Ermittlungen wegen Mordes wieder aufnehmen muss (wir berichteten). Wer die 81-jährige Frau 1992 in Gerlafingen getötet hat, konnte bis heute nicht geklärt werden.

Stellt sich die Frage: Gibt es noch weitere ungelöste und unverjährte Bluttaten im Kanton Solothurn? Laufen also noch mehr Täter frei herum, die wegen Mordes zur Verantwortung gezogen werden könnten? Eine entsprechende Nachfrage bei der Solothurner Staatsanwaltschaft wird tatsächlich mit Ja beantwortet. «Es gibt noch zwei andere ungeklärte, unverjährte Tötungsdelikte im Kanton Solothurn», erklärt Sabine Husi, stellvertretende Oberstaatsanwältin.

War die Brandstiftung Mord?

Beide Tötungsdelikte liegen weit zurück: Vor 19 Jahren wurde ein 80-jähriger Rentner in seiner Wohnung in einem Zweifamilienhaus in Dulliken überfallen und ausgeraubt. Die Täterschaft misshandelte dabei den alleinstehenden Mann in der Nacht zum 1. August 1993 derart, dass er erstickte. Der oder die Mörder wurden nie gefasst. Nur eineinhalb Jahre später, im Dezember 1994, starb ein 51-jähriger Mann bei einem Brand im Oltner Kolpinghaus. Die Behörden gingen damals von Brandstiftung aus, aber auch hier konnte die Täterschaft nie ermittelt werden.

Doch jetzt kommt plötzlich wieder sehr viel Bewegung in die Sache: Auf die Frage, ob die Staatsanwaltschaft bei diesen ungeklärten Todesfällen alle paar Jahre die Spur neu aufnimmt, erklärt Sabine Husi: «Beim Rentnermord von Dulliken ermitteln wir zurzeit aufgrund neuer Hinweise aktiv.» Das heisst, die Solothurner Strafverfolger haben nach fast 20 Jahren endlich eine heisse Spur. Um welche Hinweise es sich handelt, will Husi nicht sagen. Ebenso wenig, ob die Täterschaft bald verhaftet werden kann.

Und im Fall des Brandes in Olten? Gibt es hier auch neue Hinweise? Husis Antwort überrascht und macht das Ganze mysteriös: «Auch im Zusammenhang mit dem Brand in Olten führen wir eine Strafuntersuchung wegen Mordes. Aufgrund unserer aktuellen Ermittlungen können wir nicht ausschliessen, dass die beiden Tötungsdelikte in einem Zusammenhang stehen.» Nähere Auskünfte will Husi aus Rücksicht auf die laufenden Ermittlungen nicht geben.

Handelt es sich um dieselben Täter?

Husis Ausführungen weisen jedoch darauf hin, dass die Staatsanwaltschaft aufgrund der neuen Hinweise im Dulliker Raubmord die lange ruhenden Ermittlungen neu aufrollte und dabei auf einen Zusammenhang mit dem Oltner Brandanschlag stiess. Handelt es sich gar um dieselbe Täterschaft? Oder wurde in Olten ein Mitwisser von Dulliken ausgeschaltet?

Husi sagt dazu nichts. Einen Zusammenhang mit den «Schlafzimmerräubern» schliesst sie jedoch aus. Klar ist jedenfalls, dass die unbekannten Täter mit einer Anklage wegen Mordes rechnen müssten: «Wir gehen davon aus, dass die Delikte von Dulliken und Olten noch nicht verjährt sind», erklärt die stv. Oberstaatsanwältin. Unerkannte Mörder können erst 30 Jahre nach der Tat aufatmen (siehe Artikel «Der spektakulärste Mordfall»).

Seewen: Der spektakulärste Mordfall ist seit 2006 verjährt

Der spektakulärste Mordfall in der Geschichte des Kantons Solothurn, ja sogar der Schweiz, ist bereits seit sechs Jahren verjährt:

Am Pfingstsamstag 1976 wurden in Seewen fünf Menschen mit einem Gewehr, einer Winchester-Imitation, regelrecht hingerichtet. Obwohl die Polizei über 9000 Hinweisen nachging, blieben die Ermittlungen erfolglos.

Als Hauptverdächtiger gilt Carl Doser, ein damals 29-jähriger Einzelgänger: 1977 setzte er sich ins Ausland ab.

1996 fand ein Handwerker bei der Renovation der Wohnung von Dosers Mutter in Olten eine Winchester-Imitation. Die Waffe war in einem Plastiksack hinter der Küchenkombination versteckt. Carl Doser wurde deshalb international zur Fahndung ausgeschrieben, er blieb aber unauffindbar.

Seit Juni 2006 könnte Doser, falls er noch lebt, ohnehin nicht mehr zur Verantwortung gezogen werden. Die Mordtat ist seither verjährt und bleibt somit ungesühnt. (szr)