In ihren bösesten Träumen hätten sich Vreni und Simon Antener wohl nicht ausgemalt, dass sie Ende 2014 mit den gleichen Problemen zu kämpfen haben wie Anfang des Jahres. Im Juni haben sie von einem Happy End gesprochen, und im November gleich noch mal: «Bald haben wir alle Bewilligungen.» Beide Male haben sich Anteners zu früh gefreut.

Die Fähre vom Nennigkofer Festland zum Aareinseli der Bauernfamilie durfte nicht in Betrieb gesetzt werden. Zuerst fehlten Genehmigungen und Bauer Antener die theoretische Fahrprüfung. Dann wurden Ketten verbaut, die für den Fährbetrieb nicht zertifiziert sind. Die Einweihungsfeier, geplant mit viel Pomp, fiel ins Wasser. Doch jetzt scheinen alle Zweifel ausgeräumt: «Aus unserer Sicht ist nun alles in Ordnung», bestätigt Kenneth Lützelschwab, Chef der Solothurner Motorfahrzeugkontrolle (MFK).

Fachleute haben die Anlegestellen und das Gefährt inspiziert, die Tests der Kontrollstelle für Seilbahnen und Skilifte sind abgeschlossen. Kurz vor Weihnachten ist die Bewilligung für die Fähre ausgestellt worden. Und auch die Theorieprüfung hat Simon Antener mittlerweile in der Tasche.

Was noch fehlt, ist die Verfügung, um Passagiere über die Aare transportieren zu dürfen. Diese muss vom Bau- und Justizdepartement ausgestellt werden. Das sei aber nur noch eine schriftliche Formalie, weiss MFK-Chef Lützelschwab. «Personentransporte sind bereits jetzt erlaubt.» Kurzum: Auf dem Aareinseli können nun Pläne für die Einweihungsfeier vom 9. Mai geschmiedet werden – zum zweiten Mal.

Nie da gewesener Shitstorm

Von aussen betrachtet hinterlassen die Wirren immerhin ein Lehrstück. In den sozialen Medien schlägt den Solothurner Behörden ein bislang nie da gewesener Shitstorm entgegen. Die kleine Aarefähre wird zum Symbol für die angebliche Herzlosigkeit hiesiger Amtsstuben. Eine rechtlich völlig korrekte, aber ungeschickt kommunizierte Handlung – und schon sehen sich die Behörden einer digitalen Flut von Beschimpfungen ausgesetzt. Darin spiegelt sich die Sympathie für eine Familie, die von einem angeblich übermächtigen Staat schikaniert wird. Wie David gegen Goliath eben.

Für die Behörden ist die Geschichte nun vorerst gegessen, ein unschönes Hickhack. Und auch die Betroffenen möchten das Ganze jetzt vergessen. Noch im Juli spricht Vreni Antener von «einer Verschwörung der Behörden». Ihr Vertrauen in den Staat sei erschüttert, seit sie dicke Post von der Kantonspolizei erhalten hat: Ab sofort sei der Transport von Passagieren mit der Fähre untersagt, hiess es Ende 2013.

Der Familie brandet eine Welle der Solidarität entgegen, der Orden der Odd Fellows spendet 80 000 Franken. Damit und dank weiterer Spenden können die Anteners in Holland eine neue Fähre bestellen. Doch die unendliche Geschichte der Aarefähre wird dann noch ein kleines Bisschen unendlicher.

Spätestens im August, als Regierungsrätin Esther Gassler nach anfänglicher Zusage vorerst nicht «Fähren-Gotte» werden mag, tragen ihre Kapitel nur noch groteske Züge. Die Aarefähre wird zum Politikum. Das Thema ist hoch emotional, die Debatte erscheint kleinteilig. Anteners stossen derweil an ihre Grenzen, eigene Versäumnisse kontern sie bald mit Vorwürfen an die Behörden. Heute wollen sich die Inseli-Bauern nicht mehr öffentlich zur Fähre äussern.

Eskalation verhindert

Nachdem sich Anteners mit ihren Äusserungen zusehends selbst ins Abseits manövriert haben, nimmt Richard Mühlemann von den Odd Fellows im August das Fähren-Ruder in die Hand. Der Altmeister der Berner Albrecht-Haller-Loge verhandelt mit den Behörden, glättet die Wogen – und lässt auf dem beschaulichen Aareinseli wieder Ruhe einkehren. Für ihn ist es deshalb auch eine Genugtuung, dass jetzt die entscheidenden Papiere vorliegen.

«Endlich sind die Fronten nicht mehr verhärtet», sagt Mühlemann. Dennoch bleibt er lieber vorsichtig: «Gebrannte Kinder scheuen das Feuer.» Und die Flammen haben schon oft gelodert.