Die letzten Tage waren in der Region turbulent, was das Wetter anbelangt: Viel zu kühl, nass, dann aber auch wieder Sonne und zwischendurch gar Hagel oder Graupel. Und das im Wonnemonat Mai. Aber typisch für die Jahreszeit: Wir stehen gerade die Eisheiligen durch.

Pankraz, Bonifaz, Servaz und als Dessert die «Kalte Sophie», die heute Donnerstag nochmals im kühlen Gewand erscheint, das sind die Eisheiligen. In manchen Gegenden beginnen sie schon am 11. Mai, dem Tag des heiligen Mamertus.

Am Abend des letzten Sonntags schlug auch das Wetter definitiv um und bescherte der Region Solothurn genau über die Eisheiligen einen kühlen, wechselhaften Wettermix. So kam es am Servatius-Tag, dem 13. Mai, mittags zu einem veritablen Hagel- und Graupelschauer von etwa zehn Minuten über der Stadt Solothurn. Womit eine alte Bauernregel bestätigt wird: «Wer vor Servaz sein Schaf schert, dem ist die Wolle mehr wert als das Schaf.»

St. Ursen läutet gegen den Frost

Es war kühl und fast hätte es am regnerischen Bonifatius-Tag für Schnee bis auf den Weissenstein gereicht. Aber das am meisten gefürchtete Mitbringsel der Eisheiligen liessen sie diesmal wenigstens im Wetterschrank: den Frost. Früher kam es regelmässig zu Frösten, die den keimenden Kulturen und blühenden Obstbäumen schwer zusetzten.

Seit Jahrzehnten zeigen sich die Eisheiligen jedoch meist von der milderen Seite. Doch noch gibt es in Solothurn einen Brauch, der heute, am 15. Mai mit der «Kalten Sophie» letztmals ausgeübt wird: Kurz nach 19 Uhr erklingen nochmals alle elf Glocken von St. Ursen, um gegen die Frostgefahr anzuläuten - ein sonst seltenes «Hörspiel».

Mit dem Läuten «über den Reif» will man zwischen dem 3. Und 15. Mai die Frostgefahr bannen. Was dieses Jahr offenbar gelungen ist. Und sogar eine Wetterwende wird heute eingeläutet: Ab Freitag soll es zusehends schöner und wärmer werden, wobei die Eisheiligen sich mit einem ihrer Markenzeichen verabschieden: einer zügigen Bise...