Es war eine unglückliche Abfolge von Ereignissen. Zuerst fegte Anfang Januar das Sturmtief «Burglind» über Europa und brachte schweizweit rund 1.3 Millionen Kubikmeter Sturmholz mit sich. Danach folgte der trockene, langgezogene Hitzesommer. Obwohl die Sturmschäden so gut wie möglich behoben wurden, war genug Brutmaterial für den Borkenkäfer vorhanden, um sich im Sommer stark zu entwickeln. Liegengelassene und geschwächte Bäume wurden von den überwinterten Borkenkäfern dankbar angenommen, um sich dann in einer weiteren Generation zu vermehren. Ein einziges Weibchen legt bis zu 60 Eier.

«Wir erleben eine extreme Borgenkäferplage», sagt Patrick von Däniken vom Verband Bürgergemeinden und Waldeigentümer Kanton Solothurn. In diesem Sommer sei das Immunsystem der Bäume wegen der Trockenheit derart geschwächt gewesen, dass sie als neue Brutplätze dienten. Die Borkenkäfer fressen sich in die Rinde von Fichten, um sich von deren Nährstoffen zu ernähren und Eier zu legen. So konnte Ende September, aufgrund des lang andauernden Sommers, bereits die dritte Generation Borkenkäfer ausfliegen, wie Förster beobachten mussten. Deshalb müssen befallene Bäume erkannt und sofort gefällt werden, sogenanntes Käferholz. Doch wohin damit?

Holzmarkt ist übersättigt

Das vom Sturm «Burglind» verursachte Windfallholz konnte der Holzmarkt noch verkraften. Das unfreiwillig geschlagene Käferholz vom Sommer jedoch erzeugt nun ein Überangebot. «Etwa 500 Kubikmeter Holz werden wir nicht los», sagt Hans Haas vom Forstbetrieb Leberberg. Dies kann auch Dominik Lussmann vom Forstbetrieb unterer Hauenstein bestätigen: «Die meisten Sägereien haben sich mit dem Windfallholz von «Burglind» bis Ende Jahr eingedeckt. Der Markt ist übersättigt.» Ausserdem fallen bei den Forstbetrieben zusätzliche Kosten für die Lagerung an. Das Käferholz sollte im besten Falle entrindet werden, da sich sonst der Borkenkäfer weiter ausbreiten könnte. Dazu sagt Hans Haas: «Das Entrinden des Käferholzes können wir uns nicht leisten bei einem Marktpreis von 50 bis 60 Franken pro Kubikmeter.» Für nicht betroffenes Holz erhalten sie das Doppelte. Und so müssen die Bäume nun gelagert werden, ohne Aussichten auf baldige Verkäufe.

Keine kantonale Unterstützung

Unterstützung vom Kanton erhielten die Forstbetriebe, im Gegensatz zum Kanton Aargau, in dieser schwierigen Situation nicht. «Zurzeit fliessen keine öffentlichen Gelder in die Lagerung und Aufrüstung von Käferholz», sagt Manuel Schnellmann vom Amt für Wald, Jagd und Fischerei. Komplizierte Eigentumsverhältnisse zwischen Kanton und Privatbesitzer seien ein Grund dafür. Zudem würden die Forstbetriebe ein falsches Signal aussenden, wenn das Käferholz vor der Lagerung nicht entrindet würde. Schnellmann versichert jedoch: «Man wird zusammensitzen und eine Lösung finden.»

Und wie geht es im nächsten Jahr weiter? «Ein nasser, kalter Frühling wäre optimal, da sich der Borkenkäfer in diesem nicht wohl fühlt», sagt Dominik Lussmann. Zudem würde ein trockener Frühling die Bäume erneut schwächen und Brutmaterial für die Käfer bieten. Von neuen Winterstürmen ganz zu schweigen. Da Chemie im Wald nicht erwünscht ist und nur in seltenen Fällen gespritzt wird, bleiben die Möglichkeiten zur Schädlingsbekämpfung beschränkt. Die Borkenkäferplage ist und bleibt von den Launen der Natur abhängig.