«Warum gerade bei mir?» Diese Frage wird Heinz Schwägli oft gestellt. Der Leiter der Sicherheitsberatung bei der Kantonspolizei Solothurn aber kann den Opfern von Einbrüchen keine präzise Antwort geben. Aus Erfahrung weiss er, dass grundsätzlich jedes Haus, jede Wohnung von Einbrechern heimgesucht werden kann.

Schwägli ist viel unterwegs. Jährlich führt er im Kantonsgebiet 200 bis 250 Beratungen zum Thema Einbruch durch. Je hälftig sind es Privathaushalte, die durch einen Einbruch geschädigt wurden, und Haushalte, die sich präventiv gegen Einbrüche absichern wollen.

1800 Einbrüche pro Jahr

Und dass Einbrüche in Liegenschaften schon fast zum Alltag gehören, zeigen die Zahlen der polizeilichen Kriminalstatistik. Demnach sind in den vergangenen Jahren jährlich rund 1800 Einbrüche (ohne Fahrzeugdiebstähle und Entreissdiebstähle) gemeldet worden. Beliebteste Objekte für die Einbrecher sind Einfamilien- und Mehrfamilienhäuser (siehe Tabelle). Das heisst, im Durchschnitt wird im Kanton Solothurn jeden Tag fünfmal in Liegenschaften

eingebrochen.

Intimsphäre der Opfer verletzt

Und mit dem Einbruch ist das Leid für die Einbruchsopfer noch lange nicht vorbei. «Viele Betroffene verlieren das Sicherheitsgefühl. Die Gewissheit, in den eigenen vier Wänden sicher zu ein, ist weg», beobachtet Schwägli. Es sei ein Eindringen in die Intimsphäre. «Insbesondere Frauen hätten grosse Mühe, beispielsweise mit dem Umstand, dass ein Fremder in ihrer Unterwäsche gewühlt hat.» Es gebe auch Fälle, in denen die Opfer Angst hätten, in ihre Wohnung oder ins eigene Haus zurückzukehren. Im Extremfall komme es auch vor, dass die Wohnung gewechselt werde. Der Polizeibeamte spricht in diesen Fällen von «der Angst, dass sich der Einbruch wiederholt».

Dämmerung begünstigt Täter

Die Mehrheit der Einbrüche passiere in Abwesenheit der Wohnungs- oder Hausbewohner. Vielfach am helllichten Tag. In den Herbst- und Wintermonaten seien dagegen vermehrt «Dämmerungseinbrecher» am Werk. Sie nutzten die früheren Morgen- und die späteren Abendstunden für ihre «Arbeit». Schwieriger zu verarbeiten sind für die Betroffenen, so Schwägli weiter, die Einbrüche während der Nacht, also bei Anwesenheit im Wohnobjekt. «Die Vorstellung, dass jemand unbemerkt im Schlafzimmer war, ist für die meisten eine gravierende Erfahrung.»

In solchen Fällen komme immer wieder eine hohe Verunsicherung auf, berichtet Schwägli, basierend auf unzähligen Beratungsgesprächen. Wichtig sei, dass die Opfer versuchen, das Geschehene in Gesprächen zu verarbeiten und sich nicht in «etwas hineinzusteigern»; sei es innerhalb der Familie, mit Freunden oder Bekannten. In Einzelfällen empfiehlt er auch einen Besuch beim Hausarzt. «Übersteigerte Angst kann auch krank machen.»

«Totale Sicherheit gibt es nicht»

Seine eigentliche Hauptarbeit liege aber in der Prävention, also in der Verhinderung von Einbrüchen. Illusionen macht er sich nicht. Selbst rigorose Sicherungsmassnahmen ums und im Haus sind keine Garantie für Verschonung. «Eine hundertprozentige Sicherheit gibt es nicht. Die Täter ‹bildeten sich weiter›. Es kommt einem Seilziehen zwischen Herstellern von Sicherheitseinrichtungen und Einbrechern gleich.»

Aber selbst einfache Massnahmen, wie eine gute Aussenbeleuchtung, keine dunklen Kellereingänge, sichere Fenster und Türen oder Brennenlassen einer oder mehrerer Lampen während der Abwesenheit, können potenzielle Täter abschrecken. Auf Anfrage bietet Schwägli eine Rundumberatung vor Ort an. Und zwar kostenlos. Wichtig zu wissen sei, dass er «ein neutraler Berater und kein Verkäufer von Sicherheitsanlagen» sei.