Hörgeräte
Nach anfänglichen Zweifeln ist er von der Hörhilfe überzeugt: «Jetzt kann ich wieder mitreden»

Wolfram Uebelhart trägt ein Hörgerät. Das kostete ihm einige Überwindung – doch jetzt ist er von der Hörhilfe begeistert.

Noëlle Karpf
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Hörgeräte sind kaum sichtbar – häufig kostet das Tragen dennoch Überwindung. (Symbolbild)

Hörgeräte sind kaum sichtbar – häufig kostet das Tragen dennoch Überwindung. (Symbolbild)

KEYSTONE/CHRISTIAN BEUTLER

Richtig bewusst geworden sei ihm sein Hörverlust letzten Herbst auf einer Wanderung, erzählt Wolfram Uebelhart. Genauer gesagt seiner Tochter. «Vater, jetzt ist aber höchste Zeit für ein Hörgerät!», habe sie ihm gesagt. Der 82-Jährige hat sich über diese Aussage gewundert. «Na, Du fragst immer wieder: Hä? Was habt ihr gesagt?», erklärte die Tochter.

Daraufhin ging der ehemalige Uhrmacher zum Ohrenarzt. Der sagte ihm ebenfalls, es sei höchste Zeit für ein Hörgerät. Nach dem Test beim Arzt ging der Rentner in ein Fachgeschäft für Hörgeräte in Solothurn. Nun trägt er seit rund drei Monaten auf beiden Ohren ein Hörgerät.

«Ich bin überrascht, wie viel mir die Geräte bringen», erzählt der Welschenrohrer. Er trage sie immer. Ausser beim Spazieren. «Ich gehe viel in den Wald, und da habe ich Angst, die Geräte zu verlieren.» Zu Hause beim Gespräch mit der Frau oder vor dem Fernseher merke er dann aber schnell, dass er die Hörgeräte nicht trage.

«Wenn ich nur mit einer Person spreche, verstehe ich das Meiste noch.» In einer Gruppe sei das schon schwieriger. Da könne man schliesslich nicht ständig nachfragen: «Was habt ihr gesagt? Mit den Hörgeräten kann ich wieder ganz normal mit den Leuten sprechen und ziehe mich nicht mehr zurück.»

Er höre auch wieder Sachen, die er lange nicht mehr wahrgenommen habe. Zum Beispiel im Garten. «Wenn ich das Gerät mal vergesse und dann wieder einsetze, höre ich, wie laut die Vögel zwitschern!» Auch im Haus hört der 82-Jährige mit den Geräten mehr. «Wenn ich die Treppe hochsteige, habe ich das Gefühl, sie bricht gleich ein, so laut klingt das wieder!»

Nicht von Anfang an überzeugt

Vor rund drei Jahren hatte Uebelhart noch Zweifel. Damals hat er zum ersten Mal einen Hörtest gemacht. Und dann auch Geräte getestet. «Ich habe die aber immer wieder rausgenommen, weil ich keinen Unterschied bemerkt habe.» Er habe die Geräte dankend zurückgegeben und sich gedacht, er warte lieber noch.

Rückblickend sei es aber «keine grosse Sache» gewesen. Er habe drei bis vier Termine gehabt, bis er die passenden Geräte gefunden habe. Nun trifft er sich regelmässig mit seiner Akustikerin für Hörtests und Anpassungen der Geräte – wenn nötig. «Man sieht die Hörhilfe auch kaum», freut sich Uebelhart. «Jetzt noch eher, weil ich gerade die Haare geschnitten habe.» Die Geräte seien extrem klein. Man müsse ihm wirklich «hinter die Ohren schauen», um sie zu sehen.

Besser hören – leiser sprechen

Deshalb seien seine Kollegen beim Jahrgangstreffen auch so überrascht gewesen, als er ihnen von seinen Hörgeräten erzählt hat. «Sie wollten wissen, warum ich nicht mehr so laut spreche», erinnert sich der Welschenrohrer. «Seht ihr es nicht – ich trage jetzt Hörgeräte!» Als er dann bei seinen Kollegen nachfragte, wie das bei ihnen ausschaue, sei nur Schulterzucken zurückgekommen. Dabei sei doch normal, dass «in diesem Alter» eine Seh- oder Hörhilfe Thema werde. Seine Familie bemerkt den Unterschied durch die Hörgeräte auch.

Früher bei Familienausflügen, wenn die Töchter auf dem Rücksitz im Auto miteinander plauderten, habe er immer seine Frau auf dem Beifahrersitz fragen müssen, um was es denn gehe. Das ist jetzt anders, erzählt der Rentner: «Ich sage ihnen ab und zu auch: «Ihr müsst gar nicht so schreien – ich höre euch sehr gut.»

Die Zahlen der IV und AHV im Kontext: Weniger Bezüger und tiefere Kosten

Die Anzahl IV- und AHV-Bezüger, die Beiträge für Hörgeräte erhalten, ist in den letzten Jahren gesunken. Diese Veränderung gab es nicht nur im Kanton Solothurn, sondern in der ganzen Schweiz. Dementsprechend haben IV und AHV auch weniger Beiträge bezahlt. Pia Wälti, Leiterin Kommunikation der IV-Stelle Solothurn, erklärt die Hintergründe dieser Veränderungen: Ein möglicher Grund sei, dass das Vergütungssystem auf den 1. Juli 2011 geändert hat.

«Seither zahlen IV und AHV den Hörbeeinträchtigten eine Pauschalvergütung – vorher zahlten sie vereinbarte Tarifbeiträge direkt an Akustiker.» Die Pauschalbeiträge seien so bemessen, dass die Marktpreise für qualitativ hochstehende Geräte sowie deren Anpassung und Service abgedeckt seien. Es könne sein, dass die Ankündigung des Systemwechsels zu einer Zunahme geführt hat. Zudem zahle die IV alle sechs, die AHV alle fünf Jahre Pauschalbeiträge.

Sie erwarte auch, dass die Zahlen in den nächsten Jahren wieder hochschnellen. «Ich möchte aber betonen, dass dies Annahmen sind. In den letzten drei Jahren sind die Zahlen in etwa im gleichen Rahmen geblieben.» Definitiv erklären kann Wälti den Unterschied zwischen Kosten der AHV und der IV. So hat die AHV in den meisten Jahren fast doppelt so viele Hörgerätebezüger wie die IV, zahlt aber nicht viel mehr.

Das liege daran, dass das IV-System grosszügigere Beiträge spreche, so Wälti: «Die IV richtet ihre Leistungen darauf aus, die Erwerbsfähigkeit der betroffenen Personen zu erhalten. Bei Menschen im AHV-Alter geht es darum, den Kontakt mit der Umwelt und den Mitmenschen zu ermöglichen», und das sei mit einfacheren, günstigeren Geräten möglich. (NKA)

Zum Interview mit einer Akustikerin

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