Zwölf Monate Haft — so lautet das Urteil gegen den in der Region Olten wohnhaften Drogenabhängigen Francesco S.*.

Das Obergericht musste in zweiter Instanz über den Fall des 47-jährigen Italieners entscheiden, dem unter anderem mehrfache sexuelle Handlungen mit einem Kind, Verabreichen gesundheitsgefährdender Substanzen an Kinder sowie Verstösse gegen das Betäubungsmittelgesetz vorgeworfen wurden.

In Abwesenheit des Beschuldigten hielt der vorsitzende Oberrichter Daniel Kiefer fest, dass man die sexuellen Handlungen mit einem Kind für erwiesen erachte.

Dabei musste sich das Gericht auf die Aussagen von zwei der drei damals 15-jährigen Mädchen stützen, die den Beschuldigten regelmässig besuchten und von ihm Drogen ausgehändigt bekamen. Zwischen Sofia I.* und Francesco S. kam es bei einem der Treffen zu Geschlechtsverkehr.

Widersprüchliche Aussagen

An den vom Opfer geschilderten Umständen des Beischlafs kamen im Verlauf der Befragungen jedoch Zweifel auf. Gemäss der Version von Sofia I. habe sie während des Aktes ein drogenbedingtes Blackout erlitten und sei dem Täter somit hilflos ausgeliefert gewesen. Dies hätte dem Tatbestand der Schändung entsprochen.

Zu genau konnte sie sich jedoch an die Details des Vorgangs erinnern, um ihre Behauptung zu stützen. Zudem hätten die Befragungen ergeben, dass die Initiative zum Sex eher vom Opfer ausgegangen sei: Sofia I. habe den Täter im Vorfeld unter anderem zum Strippen aufgefordert.

Somit sei der Vorwurf der Schändung abzuweisen. Der Straftatbestand der sexuellen Handlung mit einem Kind unter 16 Jahren sei jedoch erfüllt. Mildernd wirke dabei, dass das Opfer kurz vor seinem 16. Geburtstag stand und vom HIV-positiven Täter nicht mit dem HI-Virus infiziert wurde.

Für die Sexualhandlung mit einer Minderjährigen sowie die ebenfalls als erwiesen erachtete Abgabe von Drogen an die drei Kinder wird Francesco S. mit einem Jahr Haft bestraft.

Eine ambulante medizinische Massnahme anstelle der Haft komme nicht infrage, da der Beschuldigte dazu weder psychisch fähig noch willens sei. Allenfalls könne er beantragen, die Strafe mit einer elektronischen Fussfessel in seiner Wohnung zu verbüssen. (LUR)


* Namen geändert.