Die diesjährige Delegiertenversammlung des 111-jährigen Kantonal-Solothurnischen Gewerbeverbandes (KGV) stand ganz im Zeichen des Wechsels an der Verbandspitze. Nach 15 Jahren trat Rolf Kissling als Präsident zurück. Als neue Präsidentin wurde in der vollbesetzten Kulturfabrik Kofmehl in Solothurn Marianne Meister gewählt. Die 50-Jährige sitzt seit 2009 für die FDP im Solothurner Kantonsrat, ist seit 2007 Gemeindepräsidentin von Messen und führt in vierter Generation ein Detailhandelsgeschäft in Messen.

«Gesicht gegeben»

«Rolf Kissling hat den KGV massgeblich und nachhaltig geprägt und ihm ein Gesicht gegeben», lobte Verbands-Vizepräsident Urs Weder in seiner Laudatio die Arbeit des scheidenden Präsidenten. Der KGV werde heute als massgebender Wirtschaftsverband aller KMU wahrgenommen. Als Jurist, Akademiker und als «Nichthandwerker» habe Kissling die Sprache aller KMU, ob Handwerker, Detaillisten oder Dienstleister ebenso gut verstanden wie die der Anwälte. So sei es ihm gelungen, so unterschiedliche Berufsverbände wie den Astag, der Dachdecker oder der Ärzte für den KGV zu gewinnen.

Richtiger Zeitpunkt zum Rücktritt

Rolf Kissling selbst betonte, dass der Verband in diesen 15 Jahren auch ein wenig Teil seiner eigenen Identität geworden sei. «Aber nichts ist für ewig und ich glaube, es ist der richtige Zeitpunkt, das Zepter weiterzugeben.» Dank dem enormen Engagement der Geschäftsstelle, des Zentralvorstandes und der Präsidentenkonferenz werde der KGV heute als einflussreicher Mitspieler in der Kantonspolitik wahrgenommen. Die Verbandsleitung pflege einen guten Kontakt zur Regierung und Parlament.

«So können viele Angelegenheiten gelöst werden, bevor sie überhaupt zum Problem werden», sagte Kissling. Als Errungenschaften führte er unter anderem den Auf- und Ausbau der Schulungs- und Informationsangebote, die Herausgabe des «Wirtschaftsflash» oder die Gründung des Berufslehrverbandes Mittelland an. «Zudem haben wir uns immer wieder bei Steuer- und Gebührenfragen für die KMU-Interessen ins Zeug gelegt.» Gleichzeitig blickte Kissling zurück auf das Jahr 1902, dem Gründungsjahr des Verbandes. 17 visionäre Gewerbevertreter aus Olten, Solothurn, Grenchen und Balsthal hätten sich bei ihrer Gründungssitzung zum Ziel gesetzt, sich für «massgebliche Fortschritte in der solothurnischen Gewerbewirtschaft, Politik und Gesellschaft stark zu machen». Die Visionen seien weitgehend erfüllt, ja teilweise gar übertroffen worden.

Für gutes Umfeld für Fachkräfte

Dem allgegenwärtigen Thema Fachkräftemangel widmete sich KGV-Geschäftsführer Andreas Gasche. Man sei zur Verbesserung der Situation Projektpartner des von der Handelskammer initiierten Projektes «SO talentiert». Zudem setze sich der Verband für eine Stärkung der dualen Berufsbildung ein. Gasche erwähnte die Schulprojektwochen «Berufswelt» oder den Berufsbildnertag. Um diese Anliegen umzusetzen, brauche es ein stimmiges Umfeld. «Fachkräfte kommen nur dann in den Kanton Solothurn, wenn auch das finanzielle und steuerliche Umfeld stimmt.» Das sei angesichts der Kantonsfinanzen eine Herausforderung; denn der Kanton muss sparen und Aufgaben abbauen. Die Wirtschaftsdachverbände würden diese Aufgabe kritisch begleiten. «Wir werden uns aber nicht zurückhalten, wenn es darum geht, falsche Beschlüsse zu kritisieren oder gar zu bekämpfen.»

Zwei neue Vorstandsmitglieder

Im 13-köpfigen Zentralvorstand kommt es neben dem Präsidiumswechsel zu zwei weiteren Mutationen. Neu gewählt wurden Harry Kocher (Oensingen) als Ressortleiter Netzwerke Mitte und Jörg Müller (Solothurn) als Finanzchef. Kocher ist Geschäftsführer und -inhaber der Kocher Consulting Versicherungstreuhand und ersetzt Costa Christakos (Oensingen). Müller ist Leiter Geschäftskunden der Niederlassung Solothurn der Baloise Bank SoBa und ersetzt Adrian Studer (Olten).