Solothurner Spitäler
Mütter in Not sollen Kinder im Spital zur Welt bringen können

Als Alternative zum Babyfenster in Olten soll nächstes Jahr die «vertrauliche Geburt» in Solothurn und Olten möglich werden. Eine Frau, die sich in einer Notsituation befindet, kann dabei im Spital gebären, ohne dass ihre Angaben bekannt werden.

Christian von Arx
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In Sicherheit mit medizinischer Begleitung im Spital gebären, ohne dass dies im privaten Umfeld bekannt wird: Das ermöglicht die «vertrauliche Geburt».

In Sicherheit mit medizinischer Begleitung im Spital gebären, ohne dass dies im privaten Umfeld bekannt wird: Das ermöglicht die «vertrauliche Geburt».

Keystone

Eine Frau, die durch eine Schwangerschaft in eine Notsituation gerät, soll ihr Kind im Spital gebären können, ohne dass dies bekannt wird. Dieses Angebot der «vertraulichen Geburt» will die Solothurner Spitäler AG (soH) im Lauf des Jahres 2016 in ihren Geburtskliniken am Bürgerspital Solothurn und im Kantonsspital Olten einführen.

«Ja, wir evaluieren, wann und wie die vertrauliche Geburt bei uns möglich wird», bestätigt soH-Mediensprecher Eric Send auf Anfrage. Es gelte, die offenen administrativen und organisatorischen Fragen zu regeln. Voraussichtlich werde die soH im Jahr 2016 soweit sein. Anders als das Babyfenster, das die soH nur in Olten führt, soll die vertrauliche Geburt sowohl in Solothurn wie in Olten möglich werden.

Meldung an Ämter – vertraulich

Bei einer vertraulichen Geburt gibt die Mutter im Spital ihre Personalien bekannt, und die Geburt wird auf dem Zivilstandsamt registriert, wie das gesetzlich vorgeschrieben ist. Ihre Angaben werden aber vertraulich behandelt und nicht bekannt gegeben, auch nicht gegenüber dem Vater oder Familienangehörigen der Mutter.

Gibt die Mutter das Kind zur Adoption frei, übernimmt die Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde (Kesb) die Wahrung der Rechte des Kindes. Mit der Registrierung hat das Kind das Recht, nach dem 18. Geburtstag die Identität seiner Mutter zu erfahren.

Eine Mutter, die auch gegenüber dem Kind für immer anonym bleiben will oder die der versprochenen Vertraulichkeit misstraut, dürfte sich allerdings wohl weiterhin für das Babyfenster entscheiden.

Im Kanton Solothurn neu

Die Möglichkeit der vertraulichen Geburt besteht an grösseren Spitälern wie dem Inselspital Bern oder den Universitätsspitälern Basel und Zürich. Im Kanton Solothurn war sie bisher – zumindest offiziell – nicht bekannt. Nun hat sich Anfang November Kantonsrat Johannes Brons (SVP, Schönenwerd) mit einer Interpellation danach erkundigt – Brons hatte bereits vor drei Jahren die Eröffnung des Babyfensters im Kantonsspital Olten angestossen. In der Antwort stellt der Regierungsrat fest, dass die vertrauliche Geburt rechtlich möglich ist, eine anonyme Geburt (ohne Registrierung und Meldung der Personalien der Mutter) hingegen nicht.

Der Regierungsrat ist dafür

Es sei Sache jedes Spitals oder Geburtshauses, ob es die vertrauliche Geburt anbieten wolle. Der Solothurner Regierungsrat gibt auf jeden Fall grünes Licht dazu: «Wir begrüssen die Absicht der soH zur Schaffung des Angebots der vertraulichen Geburt», schreibt er in der Antwort und nennt die Vorteile: «Die vertrauliche Geburt bietet Frauen in Not die Möglichkeit, ihr Kind medizinisch begleitet zu gebären.»

Gleichzeitig könne die Frau auch für sich selbst Hilfe in medizinischer oder psychosozialer Hinsicht bekommen. Sobald die soH das Angebot realisiere, werde sie dies «im Sinne der Sicherheit für Mutter und Kind» aktiv kommunizieren.

Im Thurgau dieses Jahr ein Fall

Im Babyfenster beim Kantonsspital Olten sind seit der Eröffnung am 31. Mai 2013 erst zwei Neugeborene anonym abgegeben worden. Auch für die vertrauliche Geburt werden nur geringe Zahlen erwartet. Der Kanton Thurgau hat diese Möglichkeit seit dem 1. September 2015 als erster in seinem Gesundheitsgesetz ausdrücklich geregelt. «Im laufenden Jahr hat es eine vertrauliche Geburt gegeben», teilte Mario Brunetti, Generalsekretär des Thurgauer Departements für Finanzen und Soziales, auf Anfrage mit. Das Angebot besteht dort ausschliesslich an den Kantonsspitälern Frauenfeld und Münsterlingen. Diese hätten klare Handlungsanweisungen für das Zusammenspiel mit den Zivilstandsämtern und der Kesb.
Speziell propagiert werde die vertrauliche Geburt im Thurgau nicht, so Brunetti weiter. Das Angebot sei den Beratungsstellen für Schwangerschaft und Familienfragen bekannt, wo Frauen gezielt beraten werden könnten.

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