Instrumente
Musikverlage fördern die Freude am Musizieren

Klavierlehrer Pius Urech aus Balm bei Günsberg begeistert seine Schüler mit Übungsstücken mit Elementen aus Pop, Rock, Jazz und Klassik. Er gründete dafür einen eigenen Verlag. Weitere Verlage in der Region sind vor allem in der Blasmusik aktiv.

Alois Winiger
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Pius Urech ist Klavierlehrer an der Kantonsschule Solothurn. In einem eigenen Lehrmittelverlag gibt er für Jugendliche besondersgeeignete Übungsstücke heraus.

Pius Urech ist Klavierlehrer an der Kantonsschule Solothurn. In einem eigenen Lehrmittelverlag gibt er für Jugendliche besondersgeeignete Übungsstücke heraus.

Alois Winiger

Wenn doch das tägliche Üben auf dem Klavier nicht nur Pflicht wäre, sondern auch Freude machen würde. Dazu bräuchte es aber andere Übungsstücke als jene, die man seit Jahren kennt. Sowohl der Lehrperson wie auch der Schülerin bzw. dem Schüler wäre damit geholfen. Für Pius Urech, seit 1989 Klavierlehrer an der Kantonsschule Solothurn, ging dieser Wunsch ganz unerwartet in Erfüllung, als ihm ein bereits stark abgenutztes Klavierschulheft in die Finger kam. Urech stellte fest, dass das Heft vom ehemaligen Studienkollegen Daniel Hellbach stammt und sagte sich: «Wenn das Heft schon so häufig gebraucht worden ist, dann muss etwas dran sein.»

Urech spielte einige Übungsstücke durch, allesamt von Hellbach geschrieben, und war hell begeistert. Er legte das Heft seinen Schülerinnen und Schülern vor und diese reagierten ebenso. Das war der Anstoss für Pius Urech, im Jahr 1997 mit dem Lehrmittelverlag Acanthus Music zu starten. Abgesehen vom Namen, welcher der gleichnamigen Pflanzengattung entlehnt ist, steckt viel Solothurnisches in diesem Verlag, wie nachstehend noch zu lesen sein wird.

Unterhaltende Übungsstücke

Daniel Hellbach aus Dulliken ist Klavierlehrer an verschiedenen Musikschulen, baut Elemente aus Pop, Rock, Jazz und Klassik in seine Kompositionen ein und lässt sie jeweils von Schülerinnen und Schülern testen. «Das Besondere an diesen Stücken ist», erklärt Pius Urech, «dass sie pädagogisch sehr klug durchdacht sind und trotzdem gut klingen – so halt, wie es Jugendliche und übrigens auch Erwachsene gerne mögen. Die Schülerinnen und Schüler spielen, haben Spass daran und merken kaum, dass sie im Grunde auf dem Klavier zielgerichtet nach methodischen Überlegungen üben.» Urech betont jedoch: «Je nach musikalischem Ziel, das eine Schülerin oder ein Schüler verfolgt, gehts natürlich nicht ohne weitergehende technische Übungen.»
Anfänglich kopierte Pius Urech für seinen Unterricht den Lehrgang seines Kollegen Daniel Hellbach. Doch weil die Nachfrage stieg, gründete er wie erwähnt den Verlag Acanthus Music und liess einen Lehrgang in zwei Bänden drucken. «Eigentlich dachte ich an einen Vertrieb über Musikhäuser, doch das Interesse war nicht da», berichtet Urech. Und so verschickte er eben im Sommer 1997 selber 2500 Prospekte an Klavierlehrpersonen in der ganzen Schweiz und wurde von der Anzahl Bestellungen völlig überrascht.

Aufwind für die Blockflöte

Der Erfolg gab aber nicht nur Anstoss für die Erarbeitung und Herausgabe von weiteren Klavier-Lehrgängen, auch für vier Hände. Es folgten Lehrgänge für Blockflöte, angeregt durch Jeanette Hellbach. Die Gattin von Daniel Hellbach ist diplomierte Blockflötenlehrerin. Sie fand, dass das, was für das Klavier möglich und dermassen erfolgreich ist, auch für die Blockflöte möglich sein sollte. Unterdessen liegen bereits drei Lehrgänge und Liedhefte verschiedener Stilrichtungen vor, alle mit Begleitmusik und zum Teil mit Gesang auf CD komplettiert. Auch Anleitungen zum Improvisieren sind dabei. «Die Musik kommt nicht etwa von einem Synthesizer», sagt Pius Urech, «sondern jede Stimme wird von einem Musiker oder einer Musikerin eingespielt.»

Aufgenommen und produziert werden die CDs in Olten, bei den Gebrüdern Roman und Markus Wyss bzw. deren Double U Productions GmbH.
Auch bei den Blockflötenlehrgängen blieb der Erfolg nicht aus. Hier ging das Autorenpaar noch einen Schritt weiter und schuf einen Band für Fortgeschrittene; dieser befasst sich mit dem Instrument Flöte in den vergangenen 1000 Jahren. «Die Hellbachs haben der Blockflöte Aufwind gegeben», stellt Urech fest.

Überschaubarer Ausbau

Eines ist besonders augenfällig bei sämtlichen Publikationen aus dem Verlag Acanthus Music. Sie sind ausserordentlich ansprechend gestaltet und illustriert. Verantwortlich dafür sind grösstenteils Bruno Breiter, Typograf aus Solothurn, und Illustrator Oskar Fluri aus Bolken.

Inspiriert durch den Erfolg baute Pius Urech das Angebot für weitere Instrumente und Ensembles aus. Doch es blieb bei einem kleinen Ausbau. «Der Aufwand soll überschaubar bleiben», sagt er. «Schliesslich ist mein Verlag ein Einmannbetrieb. Und ich bin Pianist und möchte wieder vermehrt als solcher tätig werden.»

Weitere Musikverlage in der Region

Es gibt in der Region noch weitere Verlage im Bereich Musik. Der Obrasso Verlag von Peter Frank in Wiedlisbach zählt in der Sparte Blasmusik zu den grösseren in der Schweiz. Inhaber und Geschäftsführer sind die Gebrüder Manfred und Werner Obrecht. Markant ist bei Obrasso der grosse Anteil an Eigenproduktionen. Dies zum einen bei der Literatur für Brass Bands, Wind Bands und Ensembles, ein Angebot für Sinfonieorchester ist im Aufbau. Zum andern werden unter dem Label Obrasso Records laufend CDs aufgenommen mit Top-Brass-Bands aus England sowie Spitzenblasorchestern aus dem In- und Ausland.

Seit 2003 ist der Dirigent und Musiklehrer Bernhard Wüthrich aus Wengi bei Büren a. Aare mit seiner Firma Power Music im Verlagswesen aktiv. Begonnen hat er mit dem Vertrieb seiner eigenen Arrangements für Blasmusik. Wüthrich stellte in bestimmten Genres einen Bedarf an Literatur fest, baute daher schrittweise aus und mittlerweile bietet sein Verlag Arrangements und Kompositionen nicht nur in der Schweiz, sondern auch in Österreich und Deutschland an, seit kurzem auch in Südtirol.

Etwas in Vergessenheit geraten sind zwei Kleinverlage. Beide sind nur noch beschränkt aktiv und bei beiden ist die Nachfolgregelung offen. In Günsberg führt Rosmarie Wyss den Rudo Verlag ihres 2007 verstorbenen Gatten Rudolf Wyss weiter. Bei den 130 kleinen Werken, die er im Stil Marsch, Polka, Tango und Dixie komponiert hatte, war ihm viel daran gelegen, dass sie einfach zu spielen sind und trotzdem gut klingen. Und: Unzählige Musikanten, die heute im Veteranenalter sind, haben seinerzeit mit der Rudo-Schule ein Blasinstrument spielen gelernt.

Karl Büttler (1903-1985) hat Kirchenmusik, Messen und Blasmusikwerke geschrieben und sie im Eigenverlag in Balsthal herausgegeben. Hinzugekommen sind später Werke von Silvano Fasolis (1942–2002; 1971–1993 Dirigent der «Konkordia» Balsthal) sowie des Balsthaler Musikers Gustav Bloch (1914–2000). Büttlers Vermächtnis ist heute in den Händen von Anton Joller, Balsthal.
Stefan Schwarz kommt zwar aus der Blasmusikszene, doch sein Verlag Adler Medien in Lommiswil widmet sich hauptsächlich der Volksmusik.

Schwarz spielt auf der Klarinette und dem Kontrabass in verschiedenen Ländlerformationen (Ohalätz, Schabernack), komponiert Ländler und gibt die Noten in seinem Verlag heraus. Ferner produziert er CDs vorab mit Ländlerkapellen und Blasmusikformationen. Aus seinem Verlag kommt – in Zusammenarbeit mit Hanspeter Eggenberger – des Weiteren die Zeitschrift für Schweizer Brauchtum und Volksmusik «Land&Musig». (wak)