«Das sieht schön aus!», staunte ein Knabe im Vorschulalter, der eine gelbe Klarsichtfolie als «Brille» vor seine Augen und ans Gesicht gepresst hielt. Nachdem er damit weisse Steine in einem Kästchen betrachtet hatte, bewunderte er die leere weisse Wand. Die jetzt für ihn schön gelb wurde.

Der Knabe war einer der zahlreichen Besucher des internationalen Museumstags, der auch im Kanton Solothurn stattfand. In der Region spannten sieben Museen zusammen mit einem gemeinsamen Auftritt und einem gemeinsamen Flyer. Im Kunstmuseum konnten die Kleinen mit der Museumspädagogin Claudia Leimer an einem Workshop teilnehmen. Sie öffnete den Kindern die Augen für die Farbe Gelb, welche für die derzeit dort ausstellende Künstlerin Ingeborg Lüscher besondere Bedeutung hat.

Dem Alter der fast zwanzigköpfigen Kindergruppe angepasst, erlebten die Teilnehmer das Museum vor allem gefühlsmässig. Sie sassen im Kreis vor den Bildern mit den gelben Flechten und machten ein Tast-Ratespiel, bestaunten die mit Schwefel bemalten Kistchen, lauschten der Löwenzahn-Geschichte. Schliesslich drängten sie sich um den toll angerichteten Tisch mit gelb prickelndem Saft aus Holundersirup und Zitrone und mit leckeren Muffins.

Im Seifenzimmer

Währenddessen fand für die Erwachsenen eine Führung statt, beispielsweise durchs aus lauter Seifen aufgebaute «Bernsteinzimmer». So konnten sich auch die Älteren einmal in Ruhe der Kunst widmen. «Vielleicht machen wir das ja jetzt öfters, nicht nur am Museumstag, dass wir für die Erwachsenen und ihre Kinder parallel etwas anbieten», meinte Leimer.

Zufriedene Gesichter gab es auch im Schloss Waldegg, wo Christine Roetschi eine Kinderschar durch die Gemächer führte. Etwas mehr als zwanzig Kinder beschrieben mit Federn eifrig eine Schriftrolle, tanzten stolz erhobenen Hauptes im Kreis und lernten auch etwas über die Fächersprache. Manche besuchten zum ersten Mal ein Schloss.

Andere hatten schon Vergleiche mit andern Schlössern, wie der 8-jährige Andrin aus Thunstetten. Ihn beeindruckte, was Roetschi im Schlafzimmer mit dem Totenkopf-Gemälde zu den Krankheiten und zur hohen Sterblichkeitsrate im Zimmer sagte: «Das hätte mir damals nicht gefallen, obwohl ich sonst gerne Ritter gewesen wäre.» Lina beeindruckten vor allem die schönen Kleider. Die imposante Umgebung, die warme aber tragende Stimme der Museumsführerin vermochte den Besuchern einen lebhaften Eindruck von der Patrizierzeit zu vermitteln.

Draussen bei frühsommerlichen Temperaturen und recht vielen Sonnenstrahlen duftete es nach Frischgebackenem. Denn die Landfrauen ermöglichten es den Kindern, gratis einen Zopf oder ein Brot zu backen. «Ich habe heute meinen allerersten Zopf gebacken», erzählte Katharina. Ein kleines Kind in Shorts und Sonnenbrille fragte: «Der Zopf muss zuerst noch in die Mikrowelle?» Zwei andere Mütter aus Melchnau und Thunstetten waren zum ersten Mal gemeinsam mit ihren Kindern im Schloss Waldegg. Eines ihrer Kinder findet: «Es ist ganz lustig und toll, was wir machen können.»

Zusatzaufwand lohnt sich

Der Museumstag ist eine gute Gelegenheit für die Museen, auf sich aufmerksam zu machen. Dass er so gut gelungen ist, hat auch mit der Professionalität der Veranstalter zu tun. Ursula Peters und Alessandra Hug vom Aufsichtspersonal im Schloss Waldegg erklärten den Aufwand: «Es braucht schon mehr Personal. Da wir den Museumstag schon länger durchführen, haben wir aber auch ein wenig Routine darin.» Er bringe auf alle Fälle etwas: «Man kann den jungen Menschen die Kulturschätze näher bringen. Denn das ist sonst nicht ihre Welt.»

Zum ersten Mal lancierte man heuer einen Wettbewerb, bei dem man von mindestens drei verschiedenen Museen einen Stempel holen muss. Als Preise winkten etwa eine Führung oder ein Besuch bei einer Ausgrabung.

Der 13-jährige Samuele Castiglione aus Zuchwil erzielte bereits jetzt schon einen kleinen persönlichen Gewinn, als er wiederholt beim Bogenschiessen in die Mitte traf. Im Garten des Museums Blumenstein stehend, sagte er: «Es war gut, es hat Spass gemacht.» Da er sonst Fussball spielt, denke er nicht, nun zum Bogenschiessen zu wechseln. Dann nahm er erneut Pfeile und schoss immer wieder unter fachkundiger Aufsicht der Bogenschützen Solothurn mit dem Recurvebogen auf die Zielscheibe.