Museum Altes Zeughaus
Zauberstäbe, Lichtschwerter und bemalte Nerfguns – wo es fantastische Filmrequisiten zu sehen gibt

In der neuen Ausstellung «Props» im Museum Altes Zeughaus in Solothurn sind originale Waffen und Rüstungen aus verschiedenen Filmen zu sehen. Hier erfährt man, was als Inspiration für die Lichtschwerter in «Star Wars» gedient hat und warum es «den einen» Harry-Potter-Zauberstab gar nicht gibt.

Anja Neuenschwander
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Darth Vader statt Zeughausjoggeli: In der Sonderausstellung «Props» dreht sich alles um Waffen und Rüstungen in fantastischen Filmen.

Darth Vader statt Zeughausjoggeli: In der Sonderausstellung «Props» dreht sich alles um Waffen und Rüstungen in fantastischen Filmen.

Hanspeter Bärtschi / SZ

In lebensechter Grösse steht er, wie eine kleine Hommage an den Zeughausjoggeli, mitten im Raum: Darth Vader. Er hat ebenfalls einen temporären Platz im Museum Altes Zeughaus gefunden. Um ihn herum gibt es viel zu entdecken. Die käfigartigen Röhren aus Drahtgitter, in denen sich die Ausstellungsstücke befinden, erzeugen ein auffallendes Schattenspiel. Das verleiht dem Raum eine besondere Atmosphäre.

Direkt am Anfang erfährt man, wie die fantasievollen Waffengebilde zustandekommen. Ganz gewöhnliche Handfeuerwaffen, wie es sie im Zeughaus gibt, dienen als Inspiration. Dann kommt Fantasie ins Spiel: Man könnte einen Revolver zum Beispiel mit einem Messer kombinieren oder ein Gewehr und eine Pistole miteinander verschmelzen lassen. Sollte man knapp bei Kasse sein, tut es auch eine bemalte Nerfgun – die Requisite wirkt auf jeden Fall täuschend echt. Mit Alltagsgegenständen funktioniert es genauso gut. Der Designer der Lichtschwerter in «Star Wars» hat zum Beispiel seine Inspiration in einer alten Kamera und einem Taschenrechner gefunden, ist zu erfahren. Das fasziniert auch Museumsleiterin Claudia Moritzi:

«Es zeigt, dass der Entwicklung dieser fantastischen Waffen oft ein langer Prozess vorausgeht.»

Für Ganzkörperrüstungen wie diese des Kriegers aus «Die Chroniken aus Narnia», werden oft umfangreiche Studien und Tests durchgeführt. «Das Resultat ist oft ein Mix aus Historischem und neu Erfundenem», erklärt Co-Kuratorin Sandra Nicolodi. Der Helm des «Narnia»-Kriegers beispielsweise ist aus echtem Metall gefertigt, während die dazugehörige Maske aus Kunststoff besteht. Die Waffen und Rüstungen in den Filmen sind also oft nicht, was sie zu sein scheinen.

Von den Kultobjekten gibt es zudem meist mehrere Ausgaben. So auch die Zauberstäbe aus «Harry Potter». Für jeden Schauspieler existieren etliche Exemplare seines Zauberstabs. Je nachdem, ob die Waffen von nah oder beispielsweise in einer Stuntszene zu sehen sind, braucht es mehrere Versionen. Vom Dolch aus «Der goldene Kompass» gibt es einmal eine detailgetreue Version aus Metall mit echter Lederscheide, andere Exemplare bestehen bloss aus Kunststoff. Teilweise sind die Waffen aus Schaumstoff, damit sich die Schauspieler beim Dreh nicht verletzen. Trotzdem kommt es immer wieder zu Unfällen am Set: Viggo Mortensen hat sich während des Drehs zu «Herr der Ringe» beim Versuch, einen Helm wegzukicken, zwei Zehen gebrochen. Dieser Helm bestand wohl nicht aus Schaumstoff.

Die Drahtgitter werfen auffällige Schatten, was für eine besondere Atmosphäre sorgt.
11 Bilder
Täuschend echt: Die vordere Waffe ist eine übermalte Spielzeugpistole.
Viele Waffen aus fantastischen Filmen haben längst Kultstatus unter Fans: Hier der Ultimate Collector's Millenium Falcon von LEGO Star Wars.
Diese beiden Sammlerstücke haben die längste Reise hinter sich: Die Zauberstäbe aus "Harry Potter und der Halbblutprinz" wurden aus den USA eingeflogen.
Die Telmarer-Rüstung aus "Die Chroniken von Narnja" (links): Der Helm besteht aus Metall, die Maske jedoch ist aus Plastik.
Die Angebote an Fanartikeln sind vielfältig: Ein Star-Trek-Flipperkasten.
Für die Griffe der Leuchtschwerter dienten unter anderem eine Kamera und ein Taschenrechner als Inspiration.
Dieser Kriegshammer aus «Troja» ist nur halb so gefährlich wie er aussieht: Er besteht nämlich aus Schaumstoff.
Echte Fanliebe: Die Darth Vader Figur besteht aus alten Hundefutterdosen.
Diese Werkzeuge sind Attrappen aus Schaumstoff und Aluminium.
Diese etwas unheimliche Maske stammt aus dem Opernhaus Zürich.

Die Drahtgitter werfen auffällige Schatten, was für eine besondere Atmosphäre sorgt.

Hanspeter Bärtschi / SZ

«Wir wollen mit der Ausstellung die Popkultur einbringen und das Thema Waffen und Rüstungen aus einem anderen Blickwinkel zeigen», erläutert Claudia Moritzi. Fantastische Waffen seien spezieller in ihrer Form und in ihrer Anwendung als die Waffen, die man sonst im Zeughaus findet. Sandra Nicolodi fügt hinzu:

«Mit Waffen aus fantastischen Filmen kann man auch mal Geister fangen.»

Das Thema der Ausstellung habe schon länger festgestanden, sagt Moritzi. «Wir überlegen uns dann jeweils, wo sich Geschichten verstecken könnten.» Das ist zum Beispiel beim Film-Merchandise der Fall. Die Fangemeinde der Fantasy Universen ist riesig – teilweise wird mehr Geld mit Fanartikeln eingenommen als mit dem eigentlichen Film. Aber nicht jeder kann sich die Heldenfiguren leisten. Da heisst es erfinderisch werden, genau wie die Designer der Filmrequisiten. «Wir haben eine kleine Darth Vader Figur, die von einem Fan aus alten Hundefutterdosen gebastelt wurde. Sie ist eines meiner Lieblingsstücke», verrät Claudia Moritzi. Unter den Kultobjekten entdeckt man auch einen signierten Darth Vader Helm. Der Schauspieler von Darth Vader, David Prowse höchstpersönlich, hatte ihn 2013 im Museum Altes Zeughaus unterschrieben.

In der Sonderausstellung gibt es aber nicht nur Interessantes zu sehen, auch die anderen Sinne kommen auf ihre Kosten: Zu hören gibt es die Klänge der Waffen im Film, zum Anfassen hat es täuschend echte Attrappen aus Schaumstoff. In einem kleinen Kino sieht man die Rüstungen und Geschütze in voller Aktion in ausgewählten Filmszenen. Wer dann immer noch nicht vollständig in die Welt der fantastischen Filme eingetaucht ist, kann sich als Actionheld verkleiden.

Hinweis

Neu: «Spezialsonntage» mit Überraschungsprogramm

An drei Spezialsonntagen wird in der Ausstellung «Props» jeweils ein Überraschungsprogramm stattfinden. Die fantastischen Waffen und Rüstungen werden noch bis am
18. April 2022 zu sehen sein. Am letzten Spezialsonntag im April kann man einige der Ausstellungsstücke sogar ersteigern.

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