Als Ort der Auseinandersetzung von Gegenwart und Vergangenheit müssen sich die Museen ständig verändern und anpassen. Inventarisierung, Digitalisierung, Restaurierung und Konservierung sind die museumstechnischen Probleme, welche — für das Publikum mehr oder weniger unsichtbar — im Hintergrund ablaufen.

Events, Sonderausstellungen, Kooperationen mit auswärtigen Institutionen und Personen sind das, was alle sehen und auch die Besucherzahlen drastisch beeinflussen können. Wir wollten es einmal genauer wissen und untersuchten die Besucherzahlen der wichtigsten Museen des Kantons.

Voraussetzungen verschieden

Mit Abstand am meisten Besucher haben das Naturmuseum Solothurn und darauf folgend das Museum für Musikautomaten in Seewen. Da stellt sich wohl manch einer die Frage, ob ausgestopfte Tiere und Musikautomaten solch grosse Publikumsmagneten sind. Doch dahinter steckt mehr: Das Naturmuseum Solothurn geniesst eine hervorragende Lage am passantenreichen Klosterplatz und glänzt immer wieder mit Sonderausstellungen, die zusammen mit der Dauerausstellung und den Aquarien nicht nur Kinder und Schulklassen, sondern Interessierte aus allen Generationen zu sich lockt.

Das Museum für Musikautomaten im schwarzbübischen Seewen hingegen ist eines der vier bundeseigenen Museen — darunter sogar das Meistbesuchte. Die einzigartige und international bedeutende Sammlung an Musikautomaten zieht nationale und internationale Gäste an. Was aber bei beiden Museen attraktiv ist, sind Sonderanlässe, wie etwa Matinées und Mittagsführungen.

«Besucherzahlen sagen wenig»

«Mich interessieren die Besucherzahlen nur bedingt», sagt Lukas Walter, Präsident des Solothurner Museumsverbundes, Musesol. Denn die jährlichen Besucherzahlen seien keine aussagekräftigen Indikatoren, wenn es um die Qualität der Museen gehe. Umbauten wie im Kunstmuseum Solothurn oder im historischen und archäologischen Museum Olten gehen bei der Betrachtung der Statistiken oft vergessen.

Zudem erklärt er: «Nicht alle Museen haben dieselben Kapazitäten.» So sei zum Beispiel ein Bally Museum, das im vergangenen Jahr mit den 2 339 Besuchern an die Kapazitätsgrenzen geraten sei, nicht zu vergleichen mit einem städtischen Museum, das bei weitem mehr Publikum vertrage.

Die Zahl der Museumsbesucher ändert sich auch, wenn Museen ihre Räumlichkeiten nicht nur zum Ausstellen, sondern auch zum Vermieten nutzen. So zählen das Museum Blumenstein und Schloss Waldegg die Gäste der privaten Anlässe — meist Hochzeiten — auch zu den Besuchern des Museums.

Erich Weber freut dies, denn: «Oft schauen sich Hochzeitsgäste, die nie von selbst ins Museum Blumenstein gekommen wären, nebenbei noch die Ausstellung an.»
Worüber sich Weber jedoch Sorgen macht, ist das Standortproblem: «Solothurner Tagestouristen suchen uns selten auf, da wir nicht zentral gelegen sind und während eines Tages gibt es in der Stadt mehr als genug zu sehen.» Eine mögliche Lösung, um doch auswärtige Interessanten ins Museum Blumenstein zu locken, sieht Weber in der besseren Ausschilderung des Weges von der Altstadt zum Blumenstein.

Museen in Zusammenarbeit

2009 wurde der Solothurner Museumsverbund Musesol gegründet, um die Zusammenarbeit der Museen innerhalb des Kantones zu fördern. 53 Museen sind heute Teil des Verbundes. Lukas Walter erläutert: «Wir bilden einen Zusammenschluss von Museen, die versuchen, sich gegenseitig zu verbessern, vor allem in der Qualität und den Abläufen.»

Die Mitglieder profitieren dabei von der kantonalen Vernetzung und von Weiterbildungskursen. Wie empfängt man das Publikum? Wie gestaltet man eine Museumsführung? Solche, für Museen essenzielle Fragen werden in den Kursen mit den Verbundsmitgliedern bearbeitet. Finanzielle Unterstützung erhält der Verbund unter anderem vom Lotteriefonds: 2017 sind es 70 000 Franken.

Ein Blick in die Zukunft

Die dichte Schweizer Museumslandschaft wird in Zukunft finanziell, aber auch ökonomisch zu hinterfragen sein. Schon jetzt beschäftigt man sich mit Zusammenschlüssen: In Olten nimmt das vom Stimmvolk im Juni 2016 beschlossene Konzept «Haus der Museen», welches das Naturmuseum, das historische Museum und das archäologische Museum des Kantons Solothurn unter einem Dach vereinigt, Form an. Die drei Dauerausstellungen werden inhaltlich neu konzipiert; dabei bietet sich die einmalige Chance einer gegenseitigen Abstimmung der drei Ausstellungskonzepte. Die Eröffnung des neuen Museumshauses ist im Herbst 2019 vorgesehen.

Bei einem Publikum, das zunehmend virtuell und weniger in Museen unterwegs ist, kann man gespannt sein, wie sich die anderen Solothurner Museen für die Herausforderungen der Zukunft wappnen werden.