Biberist
Motorsäge-Skulpturen und Malerei treffen im Schlösschen aufeinander

Im Schlösschen Vorder-Bleichenberg in Biberist zeigen Gergana Mantscheva und Anna Schmid erneut eine Auswahl ihrer Arbeiten.

Eva Buhrfeind
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Zwei starke Künstlerfrauen zeigen ihre Arbeiten derzeit im Schlössli in Biberist.

Zwei starke Künstlerfrauen zeigen ihre Arbeiten derzeit im Schlössli in Biberist.

Hanspeter Bärtschi

Es sind diese «Matratzen», so realistisch gemalt, dass sie beinahe greifbar wirken, sie sind charakteristisch für die aus Sofia gebürtige Gergana Mantscheva. Sie beweisen eindrücklich ihre klassische Malausbildung. Sie sind – gerollt, geknickt, verdreht, als Ausschnitt skulpturartig in der Wirkung – Objekt und Herausforderung eines formal wie farblich austarierten Malanspruchs.

Diese akademisch geschulte Malerei zeigt sich auch in den klassisch stimmenden Porträts: eine junge Frau in Pose, ein Junge mit einem Goldcape, die in ihren malerischen Effekten, den gebrochenen Farben, dem diffusen Lichteinfall vor dunklem, leicht in sich nuanciertem Hintergrund Altmeisterliches in sich tragen. Nur dass diese Figuren in ihrer Maltechnik modern sind: Ölfarben auf Acryl und in ihrer Plastizität manieriert präsent.

Mantschevas präziser Malstil verleiht den Inhalten allgemein eine atmosphärische Schwebe zwischen malerischer Ästhetik und persönlicher Reflexion. Die Ästhetik der menschlichen Figur als Gegenstand künstlerisch-sozialer Recherche findet sich auch in ihrer Auseinandersetzung mit dem Thema der Ostblock-Frauen und der Zwangslage Prostitution: Zwei junge Frauen, nur mit einem offenen Hemd bekleidet, spiegeln beinahe freskenhaft in einer manierierten Intimität ein trostloses, dennoch verbindendes Lebenselend.

Ein weiteres Thema Mantschevas ist ihre bulgarische Herkunft, die Erinnerungen und Eindrücke an eine fremd-vertraute Heimat als malerische Melancholie des Erlebten, und der Ostblock allgemein zwischen Aufbruch und Scheitern. Dazu gehören die Abbildungen von Wohnblocks als diskrete Einblicke in fremde Lebensräume. Dem realisierenden Malstil treu, erzählt sie mit einem sachlich reduzierten Blick vom Leben und damit von Heimat.

Bis zur Grenze des Möglichen

Anna Schmid, sie lebt und arbeitet in Spiez und ist zum zweiten Mal im Schlösschen vertreten. Sie lässt ihre mit der Motorsäge geschaffenen Skulpturen und allgegenwärtigen archetypischen Formen grenzen- wie zeitlos in ihrem Ursprung wirken. Allesamt aus einem Stück geformt, sind diese Holzskulpturen ausgesprochen eigenwillig in der Lesbarkeit und freien Interpretation. «Es soll die Betrachtenden an etwas erinnern, das man nicht genau benennen kann», beschreibt die Künstlerin ihre gestalterische Intention.

Virtuos geht Anna Schmid bis an die Grenzen von Statik und Fragilität, lotet alle Möglichkeiten des Materials (und der Motorsäge) aus, stets konzentriert auf die formale Sprache nativer Zeichen.

Bis 23. September. Mi+Do 16-19 Uhr, Sa+So 14–18 Uhr. Matinee-Konzert Sonntag, 9. September, 11 Uhr; Franziska Baschung, Klarinette, Manuela Bürgisser, Akkordeon, Melda Umur, Kontrabass.