Kürzlich fand eine echte Premiere statt: Die ersten 20 Imkerinnen und Imker erhielten Ende September den vom Bund anerkannten eidgenössischen Fachausweis. Der neue Lehrgang, welcher seit 2014 existiert, ist eine umfassende Ergänzung zu internen Aus- und Weiterbildungen von Vereinen und Verbänden. Das Ziel des neuen Lehrgangs: Gut ausgebildete Fachleute, welche ihr Wissen weitergeben. Wissen zum Wohle der Bienen.
Unter den frisch Diplomierten: Nadja Portmann und Thomas Rufer aus Recherswil. Den Grundkurs machten die beiden bereits im Jahr 2006 im Wallierhof in Riedholz. Schon der Grossvater von Thomas Rufer war Imker. Dessen Leidenschaft und Bienenvölker hat der Enkel geerbt, das Paar besitzt nun 25 Völker im Berner Oberland und im bernischen Willadingen – mit einem Honigertrag von 20 bis 40 Kilogramm pro Volk.

Doch der Honig steht schon lange nicht mehr im Mittelpunkt der Imkerei. Mit der Globalisierung sind Schädlinge aus der ganzen Welt auch in die Schweiz gelangt, wie etwa die Varroa-Milbe, welche vor 25 Jahren aus Korea nach Europa getragen wurde. Diese hat die Imkerei grundlegend verändert. «Früher hat man Bienen gehalten und es gab Honig», sagt Thomas Rufer. Heute werde jedoch mehr Wissen erfordert.

Während die vereinsinternen Ausbildungen sich eher mit dem handwerklichen Aspekt beschäftigen, bietet der Lehrgang ein vertieftes Wissen über den Organismus der Bienen. Die Ausbildung dauert drei Jahre und wird in Landquart und Zollikofen durchgeführt, seit 2016 auch in der Romandie. Sie ist in fünf Module aufgebaut, welche jeweils mit einer Arbeit abgeschlossen werden. Zum Schluss wird eine Diplomarbeit zu einem selbst gewählten Thema erstellt und mit einer mündlichen Prüfung abgeschlossen. Nebst der Bienenhaltung und der Bienenprodukte geht es um das Leben der Bienen und deren Umfeld, sowie um Bienengesundheit und Volkserneuerung. Dieses Wissen wird in Zukunft essenziell sein für die gesunde Biene in der Schweiz. «Der Lehrgang war das Beste, was uns passieren konnte», sagt Thomas Rufer.

Grosser Ansturm dank Film

Der Run auf den neuen Lehrgang war riesig und das Interesse für die Imkerei ist immer noch nachhaltig gross. Als einen Grund dafür kann der Film «More than Honey» genannt werden, welcher die Wichtigkeit der Bienen aufgezeigt hat. Unter den rund 19 000 Imkern in der Schweiz werden in Zukunft jährlich 50 bis 70 Imker ihren Fachausweis erhalten. Diese können ihr Wissen weiter in die Vereine und Verbände tragen. «Unsere Vision ist es, gesunde, vitale Bienenvölker zu haben, um nicht auf Importe aus dem Ausland angewiesen zu sein», sagt das Paar. Denn aus dem Ausland könnten wieder Krankheiten in die Schweiz gelangen.

Auf die Frage, wie eine Welt ohne Bienen aussehen würde, malen die beiden schwarz: «Wir müssen alle Kräfte bündeln, um den Menschen bewusst zu machen, dass wir von bestäubenden Insekten abhängig sind». Denn wie schon Albert Einstein sagte, wird es nach vier Jahren ohne Bestäuber die Menschheit nicht mehr geben. Um dies zu verhindern, werden Nadja Portmann und Thomas Rufer ihr neues Wissen in Kursen weitergeben. «Ziel ist es, besser zu werden. Besser für die Bienen», so Rufer.