Widerstand ist zwecklos: Der Kaminfeger kommt, kehrt und kassiert. So will es der Staat. Im Kanton Solothurn sorgen gewählte Kreis-Kaminfeger dafür, dass die Kamine sauber und die Heizungen in Ordnung sind. Konkurrenz müssen sie keine fürchten, denn in ihrem Gebiet besitzen sie ein Monopol. «Völlig überflüssig», findet SVP-Kantonsrat Rolf Sommer. «Dieser staatliche Eingriff in den Markt ist nicht mehr nötig.» Der Oltner Politiker will das Monopol aufheben, jeder Hausbesitzer soll seinen Kaminfeger frei wählen können.

Was Sommer als «unnötige Kontrollitis» bezeichnet, gründet auf einer langen Tradition. Die Brandverhütung ist seit zwei Jahrhunderten streng reguliert – und die Stellung der Kaminfeger amtlich privilegiert. «Früher war das auch richtig so», sagt Sommer, «aber heute heizen die meisten Haushalte ja mit Öl und Gas.» Weil der technische Standard solcher Heizungen sehr hoch sei, steht für ihn fest: «Einen grossen Teil der amtlichen Hausbesuche könnte man sich sparen.»

Junge haben keine Chance

Auf dem Papier klingt es simpel: Die Aufgabe der Kaminfeger ist die Kontrolle und die Reinigung von Feuerungsanlagen; von Heizungen aller Art also. Allerdings hat sich die Arbeit der Kaminfeger gewandelt, wie Thomas Lüthy bestätigt. «Im Prinzip sollten wir uns heute als Wärmetechniker bezeichnen.» Lüthy ist Vizepräsident des Solothurner Kaminfegermeister-Verbandes und gehört dem nationalen Zentralvorstand an. Beim Russen von Kaminen sind die Damen und Herren in Schwarz nur noch selten anzutreffen, sie beschäftigen sich vor allem mit dem Warten von wärmetechnischen Anlagen.

Rund 5000 Liegenschaften betreut Lüthy in seinem Gebiet, das ein Dutzend Gemeinden umfasst. Damit ist der Biberister einer von elf Kreis-Kaminfegern im Kanton Solothurn. Gewählt werden diese von der Verwaltungskommission der Gebäudeversicherung, die von Regierungsrätin Esther Gassler präsidiert wird. Kreis-Kaminfeger bewegen sich in einem wohlbehüteten Biotop, ihre Wahl erfolgt nämlich auf unbeschränkte Zeit. Sie haben einen krisensicheren Job mit garantiertem Einkommen. Die Kehrseite dieser Praxis: Ein junger Kaminfeger hat kaum Chancen, ein eigenes Geschäft zu gründen – weil der Markt dafür nicht existiert. «Das ist ein Nachteil des Monopols», räumt Lüthy ein, «der Nachwuchs muss warten, bis ein Gebiet frei wird.»

Fällt das Monopol?

Fest steht: Der Bereich, in dem die exklusiven Befugnisse der Kaminfeger angebracht sind, wird immer kleiner. Steht einer Liberalisierung darum nichts mehr im Weg? Alain Rossier, Direktor der Gebäudeversicherung, hat da seine Zweifel. «Ich glaube, dass der Stellenwert des Kaminfeger-Monopols in ländlichen Gebieten immer noch hoch ist», sagt er. Zur Frage, ob es das Monopol braucht oder nicht, will sich Rossier nicht äussern. Das müsse die Politik entscheiden. Er kennt allerdings triftige Gründe für die Beibehaltung – und diese dürften vor allem die Hausbesitzer freuen: «Das Monopol ist eine günstige und sichere Lösung, weil die Tarife und die Kontrollperioden geregelt sind.» Eine amtliche Tarifliste gibt vor, für welche Arbeiten der konzessionierte Kaminfeger wie viel verrechnen darf. Rossier verweist auf die Kantone, in denen die Hausbesitzer ihren Kaminfeger frei wählen können. «Da liegen die Preise tendenziell höher als bei uns», sagt er.

Die Gefahr einer Benachteiligung sieht Rossier vor allem bei abgelegenen Liegenschaften. «Wenn der Tarif nicht mehr reguliert ist, drohen dort höhere Preise.» Unter dem Strich wären es demnach vor allem die Kaminfeger, die vom freien Markt profitieren würden. Heute verdienen diese rund 80 Franken in der Stunde. Man stehe einer Marktöffnung weder ablehnend noch zustimmend gegenüber, heisst es beim Kaminfegermeister-Verband.

«Ich will selbst bestimmen»

Für Alain Rossier ist entscheidend, dass die Brandschutzkontrolle und die Reinigung einer Heizung aus einer Hand erfolgen. «Die Anlagen werden immer besser und dadurch auch komplexer», sagt der Chef der Gebäudeversicherung. Eine fachgerechte Wartung sei unumgänglich, nur so könne der Brandschutz garantiert und die Lufthygiene gewährleistet werden. Warum diese Aufgaben nur ein Kreis-Kaminfeger übernehmen kann, ist für Rolf Sommer nicht nachvollziehbar. «Der Staat darf vorschreiben, dass meine Heizung kontrolliert und gereinigt werden muss. Aber ich will selbst bestimmen, wer diese Aufgabe übernimmt und wann er dies tut.» Dem entgegnet Rossier: «Das Kaminfeger-Reglement ist bereits vor zwei Jahren gelockert worden.» Seitdem dürfen Kaminfeger mit Hausbesitzern einen anderen Kontrollturnus vereinbaren – je nach Verschmutzung einer Anlage. SVP-Kantonsrat Sommer reicht das jedoch nicht. Er wünscht sich mehr Wettbewerb und liebäugelt mit einem entsprechenden Vorstoss. Beginnt die Bastion der Kaminfeger schon bald zu fallen?