Frankenstärke
Mondaine-Chef will Marschhalt beim "Swissness-Gesetz"

Mit der Aufhebung des Euromindestkurses spitze sich die Lage für mittelgrosse Uhrenfirmen weiter zu, erklärt Ronnie Bernheim, Co-Besitzer der Biberister Mondaine. Deshalb soll die 2013 verabschiedete Swissness-Vorlage auf Eis gelegnt werden.

Franz Schaible
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Die Mengen werden stark sinken, weil die Uhren ohne Zusatznutzen mehr kosten.» Ronnie Bernheim Co-Chef der Mondaine Watch Biberist

Die Mengen werden stark sinken, weil die Uhren ohne Zusatznutzen mehr kosten.» Ronnie Bernheim Co-Chef der Mondaine Watch Biberist

zvg

Sind Jobs in Gefahr? «Das ist keine Zwängerei. Es geht darum, ernsthafte Probleme für die Uhrenindustrie zu verhindern.» Ronnie Bernheim begrüsst deshalb mehrere politische Vorstösse im National- und Ständerat, die zum Ziel haben, das sogenannte «Swissness-Gesetz» zu sistieren oder es zumindest abzuschwächen.

Der Co-Chef der Uhrenfirma Mondaine mit Produktionswerk in Biberist und Mitgründer der IG Swiss Made kämpft seit Jahren an vorderster Front gegen die 2013 vom Bundesparlament verabschiedete Revision des Markenschutzgesetzes. Es sieht verschärfte Regeln vor, wann ein Produkt mit «Made in Switzerland» beworben werden darf. Die Regeln gelten nicht nur für Nahrungsmittel, sondern auch für Industrieprodukte und damit auch für Uhren. Künftig müssen mindestens 60 Prozent der Herstellkosten in der Schweiz anfallen. Bislang muss das Uhrwerk als Herzstück zu mindestens 50 Prozent schweizerisch sein.

Werden Uhren zu teuer?

Für Bernheim liegen die Folgen der höheren Hürden für kleinere und mittlere Uhrenfirmen auf der Hand: Entweder kaufe der Betrieb künftig günstigere Teile im Ausland ein, um den Anteil von 60 Prozent zu erreichen. «Darunter wird aber die Qualität der Uhr leiden, obwohl sie unter Swiss Made verkauft werden kann.» Oder der Uhrenhersteller kauft mehr Teile und Komponenten in der Schweiz ein. «Dadurch werden bislang wettbewerbsfähige Uhren im mittleren und unteren Preissegment zu teuer», sagt Bernheim. Im Fall seiner Mondaine-Uhren rechnet er je nach Modell mit einer Erhöhung von 10 bis 50 Prozent. «Damit werden die Mengen stark sinken, weil die Uhren ohne Zusatznutzen mehr kosten.» Zudem steige wegen der Swissness-Vorlage der administrative Aufwand für die Firmen massiv an.

Verband der Uhrenindustrie

Echte Swissness für Schweizer Uhr

Auf kein Verständnis stossen die politischen Vorstösse beim Verband der Schweizerischen Uhrenindustrie. Der verschärfte Schutz des Labels «Swiss Made» werde den Industriestandort Schweiz stärken, sagt Verbandspräsident Jean-Daniel Pasche. Der heutige schwache Schutz des Labels beeinträchtige auf Dauer die Glaubwürdigkeit. «Die Konsumenten erwarten echte ‹Swissness› in einer Schweizer Uhr.» Das sei leider nicht immer der Fall. «Deshalb darf die Vorlage nicht sistiert oder zurückgestellt werden», so Pasche. Diese Einsicht sei breit abgestützt und mehr als 85 Prozent der rund 500 Verbandsmitglieder unterstützten die Vorlage «Swissness» und deren möglichst rasche Inkraftsetzung. Jene Firmen, die eine Sistierung verlangen, seien dieselben Firmen, die seit Beginn der Diskussionen eine Verschärfung der Swissness-Regeln bekämpfen, weil sie einen grossen Teil an ausländischen Bestandteilen in Schweizer Uhren weiter integrieren möchten.

«Der Grund der Opposition ist nicht der starke Franken», hält Pasche fest. Zwar sei sich der Verband bewusst, dass «gewisse KMU» unter der Frankenstärke leiden; dem werde aber Rechnung getragen. So werde die neue «Swissness-Regelung» nicht vor 2017 in Kraft treten und eine Übergangsfrist von zwei Jahren beinhalten. Tatsächlich werde die neue Regelung erst ab 2019 Wirkung zeigen. Die Uhrenfirmen hätten vier Jahre Zeit, sich anzupassen. Es sei interessant zu beobachten, dass gewisse Uhrenfirmen im Hinblick auf das neue Regime bereits angekündigt hätten, in die Herstellung von Komponenten in der Schweiz zu investieren. Zudem seien Zulieferer sicher bereit, gemeinsam mit Uhrenfirmen Lösungen für die Versorgung mit Teilen zu finden. (FS)

Zwar ist das Gesetz noch gar nicht in Kraft und die Industrie- und Uhrenverordnungen sind noch in der Ausarbeitung. Trotzdem haben die geplanten Regelungen bei Mondaine bereits Auswirkungen, wie Bernheim erläutert. Das Werk in Biberist sei nicht ausgelastet. Dort ist nebst Mondaine die auch den Gebrüdern Bernheim gehörende Marlox-Gruppe untergebracht. Diese verfügt über Lizenzen zur Herstellung und Vermarktung diverser Uhrenmarken. Zwar liefen die Verkäufe der Marken Mondaine, M-Watch und Luminox in Anbetracht der Wirtschaftslage recht gut, diese Marken blieben auch in Zukunft Swiss Made. Dagegen habe man die Produktion einiger Lizenzmarken von Marlox bereits nach Hongkong ausgelagert. Dies sei im Hinblick auf die absehbare Verteuerung durch die Swissness-Vorlage erfolgt. Zudem seien Aufträge für die Fabrikation von Private-Label-Uhren bereits jetzt weggefallen, weil für die Kunden die Uhren angesichts des neuen Gesetzes zu teuer würden und sie bereits auf Swiss Made verzichten. «Das hat auf die Auslastung insgesamt negative Folgen.» Man werde nun verstärkt in das Marketing investieren, um den Absatz der Eigenmarken weiter anzukurbeln. «Wenn diese Massnahme greift, ist die Auslastung gesichert, wenn nicht, müssen wir reagieren», so Bernheim. Ob das zu einem Abbau von Arbeitsplätzen oder zur Einführung von Kurzarbeit führen wird, sei vom Auftragseingang abhängig.

Diese für die Branche bereits schwierige Situation spitze sich nach dem Entscheid der Nationalbank, die Wechselkursuntergrenze aufzuheben, noch zu. «Die Schweizer Uhren sind im Ausland unmittelbar um 20 Prozent teurer geworden.» Er verweist auf die Kursentwicklung. Aktuell notiert der Kurs mit 1.03 Franken nahe der Parität. Hinzu komme, dass die Weltwirtschaft schwächle und die Nachfrage nach Uhren im Mittelpreissegment in wichtigen Ländern zurückgehe.

Sistierung für «mehr Luft»

Deshalb hofft Ronnie Bernheim – auch im Namen der IG Swiss Made mit rund 30 mittelständischen Uhrenfirmen –, dass die politischen Vorstösse Erfolge zeitigen und die bedrängten KMU etwas aufatmen könnten. So fordert etwa FDP-Nationalrätin Corina Eichenberger in ihrem Vorstoss den Bundesrat auf, die Vorlage möglichst einfach und mit möglichst tiefem bürokratischem Aufwand umzusetzen. Das revidierte Markenschutzgesetz sei ein Gesetz aus der wirtschaftlichen Blütezeit, schreibt SVP-Ständerat Hannes Germann in seinem Postulat. Durch die Aufhebung der Euro-Untergrenze habe sich die Situation schlagartig geändert. Das Gesetz führe zwingend zu einer massiven Verteuerung der Schweizer Produkte und zu einer Gefährdung von Arbeitsplätzen. Deshalb soll das Gesetz sistiert oder zumindest aufgeschoben werden. Ähnlich argumentieren die Nationalrätinnen Barbara Schmid (CVP) und Andrea Geissbühler (SVP).

Bernheim weiss, dass letztlich der Bundesrat entscheidet, wie das Gesetz umgesetzt wird und ab wann die Verordnungen gelten sollen. Ist es da nicht illusorisch zu glauben, dass die Vorlage sistiert wird? Nein, der Entscheid der Nationalbank sei ausserordentlich gewesen und rufe nach ausserordentlichem Vorgehen, meint der Uhrenfabrikant. Er setzt auf eine Sistierung, dann eine Vereinfachung und letztlich auf eine Entschärfung der Verordnungen. Das würde den Uhrenherstellern «mehr Luft» verschaffen, sich an die neuen Regeln anzupassen. Es sei nämlich nicht so, dass sich Mondaine und andere kleinere Firmen nicht darum bemühten. Man führe Gespräche mit in- und ausländischen Herstellern über eine Komponentenproduktion in der Schweiz. Aber solange die Verordnung nicht im Detail abgesegnet und kommerziell verkraftbar sei, werde kaum ein Hersteller in höhere Kapazitäten investieren. Es gebe in der Schweiz fast keine unabhängige Zulieferindustrie mehr, deshalb müsse zuerst die entsprechende Produktion aufgebaut werden.

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