Swiss Made
Mondaine-Chef ist erleichtert über Swissness-Entscheid

Ronnie Bernheim, Chef der Uhrenfirma Mondaine Watch aus Biberist, begrüsst den Entscheid des Ständerates, dass industrielle Produkte als schweizerisch gelten, wenn 50 Prozent der Herstellungskosten in der Schweiz anfallen.

Franz Schaible
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Ronnie Bernheim von der IG Swiss Made ist zufrieden.

Ronnie Bernheim von der IG Swiss Made ist zufrieden.

Hansjörg Sahli

«Wir sind sehr erleichtert über den Entscheid des Ständerates in Sachen Swissness-Vorlage», erklärt Ronnie Bernheim, Co-Chef der mittelgrossen Uhrenfirma Mondaine Watch in Biberist. Die kleine Kammer hat überraschend entschieden, dass industrielle Produkte bereits dann als schweizerische gelten, wenn 50 Prozent der Herstellungskosten in der Schweiz anfallen. Bundesrat und Nationalrat wollen den Anteil auf mindestens 60 Prozent festlegen.

Uhrenpatron Bernheim ist Mitbegründer der IG Swiss Made und kämpft somit an vorderster Front gegen eine Erhöhung des Prozentsatzes. Der Ständerat trage mit seinem Entscheid insbesondere den Anliegen der kleinen und mittleren Schweizer Uhrenhersteller Rechnung. «Die weitergehenden Vorschläge von Bundesrat und Nationalrat würden für viele dieser Firmen zu existenziellen Problemen führen», wiederholt er bereits früher gemachte Aussagen.

«Erhebliche Verschärfung»

Mit der jetzt vorliegenden ständerätlichen Regelung könnten die Uhren-KMU grösstenteils leben, selbst wenn sie auch so «eine erhebliche Verschärfung» bedeute. Denn die seit 40 Jahren gültige Bestimmung verlange, dass mindestens 50 Prozent des Uhrwerkes allein schweizerisch sein und die Montage der Uhr hierzulande erfolgen müsse. «Neu müssen aber 50 Prozent der Herstellkosten der ganzen Uhr Schweizer Herkunft sein. Das ist ein Riesensprung», erläutert Bernheim. Es sei klar, dass auch bei einer im Gegensatz zur Version Bundesrat abgeschwächten Regelung Uhrenmodelle im unteren Preissegment die Hürde für das Label «Swiss Made» nicht mehr schaffen werden. Zwar könnte ein KMU Komponenten gleicher Qualität teurer in der Schweiz einkaufen, aber dann werde die Uhr zu teuer, also unverkäuflich. In diesen Fällen werde es zur Aufgabe der Herstellung oder zur Verlagerung nach Asien kommen. Bernheim hofft deshalb weiter, dass – wie von der IG Swiss Made vorgeschlagen – als Basis zur Swissness-Berechnung die Selbstkosten (Herstellkosten plus Kosten für Büro, Marketing, Verkauf, Miete usw.) herangezogen werden. «Diese hierzulande anfallenden Kosten sind hoch und auch Teil des Mehrwertes, der zum guten Ruf der Swissness wesentlich beiträgt.»

Vorlage zurück an Nationalrat

Über alles gesehen ist Bernheim aber zufrieden mit dem Entscheid der kleinen Kammer. «Ich hoffe nun, dass sich der Nationalrat der Meinung des Ständerates anschliessen wird und sich die kleinen und mittleren Uhrenhersteller langfristig auf die neue Regelung mit 50 Prozent der Herstellkosten einstellen können.»

Mit ihm freut sich Rudolf Horber vom Schweizerischen Gewerbeverband, welcher sich auch gegen eine zu scharfe Swissness-Regelung wehrt. «Ziel der Revision des Markenschutzgesetzes ist es, eine glaubwürdige und praktikable Regelung für das Label ‹Made in Switzerland› gesetzlich zu verankern.» Und das wäre im Fall der Industrieprodukte mit 60 Prozent nicht der Fall.

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