Das Gericht war wie die Vorinstanz der Meinung, dass der Haupttäter die komplizierte Knebelung des Opfers nicht allein ausführen konnte. Der Angeklagte habe beim Kampf mit dem 80-Jährigen mitgemacht. Dies hätten Spuren an der Leiche zweifelsfrei ergeben, befand das Gericht.

Die Tötung des Opfers sei zwar nicht das primäre Ziel der Täter gewesen. Die Täter hätten aber mit der Knebelung den Tod des 80-Jährigen in Kauf genommen. Der Angeklagte habe dabei aktiv mitgemacht, befand das Gericht. Es qualifizierte die Tat als Mord.

Die Staatsanwaltschaft hatte wie schon vor der ersten Instanz 15 Jahre Gefängnis gefordert. Der Verteidiger hatte bei der Verhandlung vor einer Woche auf Freispruch plädiert. Beide werden das Urteil nicht ans Bundesgericht weiterziehen, wie sie nach der Urteilseröffnung gegenüber der Nachrichtenagentur sda sagten.

Urteil im Mordprozess Dulliken

Urteil im Mordprozess Dulliken

Mittäter statt nur Gehilfe

Das Obergericht wich trotz des selben Strafmasses in einem Punkt vom Urteil der Vorinstanz ab. Es erachtete den Serben als Mittäter. Das Amtsgericht Olten-Gösgen hatte den Angeklagten als Gehilfen des Haupttäters verurteilt.

Für das Obergericht stellte sich aufgrund von Zweifeln des Verteidigers auch die Frage, ob der anonyme Zeuge, dank dem das Verfahren nach fast 20 Jahren wieder aufgenommen werden konnte, rechtlich zulässig sei. Das Obergericht bejahte diese Frage. Diese Zeugenaussage habe gegenüber den Aussagen des Mittäters keine neuen Erkenntnisse gebracht.

Fall galt lange Zeit als ungeklärt

In der Nacht auf den 1. August 1993 war in Dulliken ein allein lebender, 80-jährigen Witwer brutal in dessen Wohnung getötet worden. Die Täter glaubten, dass der Rentner 50'000 Franken in den Wohnung versteckte.

Das Tötungsdelikt galt während Jahren als ungeklärtes Verbrechen. Im Jahr 2008 nahm die Staatsanwaltschaft Solothurn die Ermittlungen wieder auf. Den entscheidenden Hinweis erhielten die Behörden im August 2011 von einem anonymen Zeugen.

Der Haupttäter konnte kurz nach dem Urteil der ersten Instanz auf Antrag der Solothurner Staatsanwaltschaft in Serbien festgenommen werden. Es handelt sich um einen heute 40-jährigen Serben. Ihm soll in seiner Heimat der Prozess gemacht werden.