Gesamtkosten 48'000.-

Mitarbeiter sind bereits geschult - jetzt bricht Kanton Softwareprojekt ab

105 Mitarbeiter wurden bereits für die Software Axioma geschult. (Symbolbild)

105 Mitarbeiter wurden bereits für die Software Axioma geschult. (Symbolbild)

Der Kanton Solothurn hat die Einführung einer neuen Software wegen Mängel abgebrochen. Doch Mitarbeiter wurden schon geschult. Das kostet 48 000 Franken. Laut dem Staatsscheiber ist dieses Geld «nicht in den Sand gesetzt».

Die Solothurner Beamten wären schon für die neue Software Axioma geschult. Dumm nur: Das Programm, für das sie geschult worden sind, wird vorerst gar nicht eingeführt.

Der Kanton hat die geplante Einführung der Software Axioma für die Amtschreiberein gestoppt. Das geht aus einer Kleinen Anfrage von Mathias Stricker (SP, Bettlach) hervor.

139 000 Franken betragen die Projektkosten. Der Regierungsrat beruhigt allerdings: Der Lieferant habe diese Kosten vollumfänglich zurückerstattet, teilt er in der Antwort auf die Anfrage mit.

Trotzdem sind für den Kanton Kosten entstanden: Beim Erbschaftsamt wurden bereits 28 Personen je einen Tag lang auf der neuen Software ausgebildet, beim Grundbuchamt deren 77.

«Das ergibt Gesamtkosten für das geschulte Personal von rund 48 000 Franken», schreibt die Regierung in ihrer Stellungnahme. Staatsschreiber Andreas Eng präzisiert auf Nachfrage: «Das Geld ist nicht in den Sand gesetzt.»

Die Schulungstage seien nicht in jedem Fall vergebens gewesen. Der Software-Anbieter habe nun nochmals Zeit, eine überarbeitete Lösung vorzustellen. Käme diese zum Einsatz, würde die Schulung noch gültig sein.

Warum nicht vorher getestet?

Doch warum wurde das Programm gestoppt? «Axioma konnte die an das System gestellten Anforderungen - insbesondere in Bezug auf die Performance unter hoher Last – nicht erfüllen», schreibt die Regierung zum Projektabbruch.

Die Mängel seien erstmals bei einem Test mit vielen Benutzern zutage getreten.

Mathias Stricker, Urheber der Kleinen Anfrage, ist mit den Antworten der Regierung grundsätzlich zufrieden. Trotzdem sind für ihn nicht alle Fragen geklärt. Den Bettlacher SP-Kantonsrat stört, dass die Mängel unter Volllast erst nach der Einführung bemerkt wurden.

«Als Laie gehe ich davon aus, dass vor der Einführung geprüft wird, ob das Programm auch unter grosser Last funktioniert – und nicht erst nach den Schulungen.»

Noch eine Chance

Nun setzt der Kanton auf eine Übergangslösung, die noch maximal zwei Jahre eingesetzt werden kann. Der Lieferant hat derweil Gelegenheit, das untaugliche System «auf eigene Kosten und Risiken weiter zu entwickeln.»

Dieses Mal will man im Rathaus auf Nummer sicher gehen: Der Kanton werde die überarbeitete Version Anfang 2016 testen und einem externen Audit unterziehen, heisst es in der Antwort auf die Kleine Anfrage.

Nicht oder nur mangelhaft funktionierende Softwarelösungen sind in der Vergangenheit immer wieder zum potentiellen Albtraum von Verwaltungen geworden. Auch im Kanton Solothurn.

Das 2005 bestellte, aber nie gelieferte Upgrade des elektronischen Grundbuchs kostete den Steuerzahler 1,5 Mio. Franken. Der Kanton hatte im Voraus 2,2 Mio. Franken an den Computerriesen IBM bezahlt.

Doch das Projekt kam nie zum Laufen. Der Kanton erhielt am Ende von seinen 2,2 Mio. lediglich 690 000 Franken zurück, nachdem er sich 2013 aussergerichtlich mit IBM geeinigt hatte.

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