Mitarbeitendenbefragung
Grundsätzlich zufrieden: So glücklich sind die Lehrpersonen im Kanton Solothurn mit ihrem Berufsalltag

Der Solothurner Lehrerinnen- und Lehrerverband (LSO) hat im Januar 2020 eine grosse Umfrage bei seinen Mitgliedern durchgeführt. 2608 Lehrpersonen wurden angeschrieben, 1079 haben geantwortet. Wie es den Lehrpersonen im Kanton geht, zeigen wir in einer Übersicht.

Rebekka Balzarini
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Lehrerinnen und Lehrer im Kanton sind grundsätzlich zufrieden. Ihr Alltag ist aber häufig herausfordernd.

Lehrerinnen und Lehrer im Kanton sind grundsätzlich zufrieden. Ihr Alltag ist aber häufig herausfordernd.

Oliver Menge

Zuletzt hat der Verband Lehrerinnen und Lehrer Kanton Solothurn (LSO) seine Mitglieder im Jahr 2013 gefragt, wie es ihnen im Alltag geht. Sieben Jahre später, im Januar 2020, hat er erneut eine Umfrage durchgeführt. Über 2000 Lehrpersonen wurden angeschrieben, etwas weniger als die Hälfte hat geantwortet. Die Umfrage zeigt: Die Lehrpersonen sind mit ihrem Arbeitsalltag zufrieden, in einigen Bereichen gibt es aber noch Verbesserungspotenzial.

Struktur und Stichprobe

Der LSO schrieb 2608 Lehrerinnen und Lehrer an, 1079 haben laut dem Bericht schliesslich an der Umfrage teilgenommen. Das entspricht einem Rücklauf von 40,8 Prozent. In Bezug auf die 3300 Lehrpersonen an den Solothurner (Volks-) Schulen ergibt sich damit eine Repräsentationsquote von 32,7 Prozent. Bei den meisten Fragen wurde eine Skala von 1 (trifft gar nicht zu) bis 5 (trifft völlig zu) oder analog verwendet. Bei Werten über 4 besteht kein oder nur geringer Handlungsbedarf, bei Werten unter 4 besteht mittlerer bis sehr grosser Handlungsbedarf. 

Der Arbeitsalltag: So erleben die Befragten ihre Arbeitssituation

Von ihren Kolleginnen und Kollegen fühlen sie die befragten Lehrpersonen grundsätzlich wertgeschätzt. Die Unterstützung im Team ist vorhanden, auch durch die Schulleitungen fühlt sich die Mehrheit der Befragten unterstützt. Raum für Verbesserungen gibt es laut den Umfrageresultaten im Bereich des Konfliktmanagements: Konflikte werden laut den befragten Lehrpersonen zu wenig offen ausgetragen, bei Fehlern fehlt teilweise die konstruktive Kritik. Besondere Leistungen werden ausserdem nicht häufig genug anerkannt. Mit der Wertschätzung der Eltern und der Kinder und Jugendlichen sind die Lehrpersonen dagegen zufrieden.

Das Verhältnis zwischen den jeweiligen Schulleitungen erleben die befragten Lehrpersonen als gut. Ein grosser Teil gab an, dass die Schulleitungen sich Zeit für Gespräche nehmen und die Lehrpersonen im Alltag unterstützen. Auch gebe es von den Schulleitungen konstruktives Feedback, und in schwierigen Situationen erhalten die Lehrpersonen laut der Umfrage Rückendeckung. Es gibt in der Beziehung zwischen Lehrpersonen und Schulleitungen aber auch Verbesserungspotenzial. So fehlen in den Schulen laut der Umfrage teilweise klare Zielvorgaben, Sitzungen könnten speditiver geführt werden und die Schulleitungen könnten die Lehrpersonen im Alltag mehr entlasten.

Im Bereich der Infrastruktur gaben im Januar 2020 noch viele Lehrpersonen an, dass sich die IT-Infrastruktur an den Schulen verbessern sollte. Die dürfte an vielen Schulen im Rahmen des Fernunterrichts während der Pandemie bereits passiert sein.

Arbeitszeit und Arbeitsbelastung: Die Stunden reichen oft nicht aus

Im Bereich der Arbeitszeit scheint aus Sicht der befragten Lehrpersonen Handlungsbedarf zu bestehen. So wünschen sich viele mehr Zeit für die Unterrichtsvorbereitung und die Möglichkeit, ihr Pensum an die persönlichen Bedürfnisse anpassen zu können. Viele können ausserdem ihr Berufs- und Privatleben nicht so gut vereinbaren, wie sie sich das wünschen würden, und wünschen sich mehr Transparenz bei der Vergabe von Unterrichtspensen an den Schulen.

Weiterbildung und Schulentwicklung: Pflicht-Weiterbildungen sind unbeliebt

Ein grosser Teil der befragten Lehrpersonen gibt an, sich regelmässig weiterzubilden. Die Weiterbildungen erleben sie als Herausforderung und Unterstützung in der beruflichen Entwicklung. Die grosse Mehrheit ist ausserdem zufrieden mit dem Geld, das ihnen Schulen und Gemeinden für Weiterbildungen zu Verfügung stellen. Ausserdem zeigen sie sich zufrieden mit den zur Verfügung stehenden Weiterbildungen. Eher unzufrieden sind sie mit den obligatorischen Weiterbildungen, die sie absolvieren müssen. Bei der Qualität der obligatorischen Weiterbildungen wünschen sie sich Verbesserungen, und die Menge der obligatorischen Weiterbildungen beurteilen sie als nicht angemessen.

Lohngerechtigkeit: Lohn zu tief für Anforderungen

Wenn sie sich mit Kolleginnen und Kollegen aus anderen Kantonen vergleichen, sind die Lehrpersonen im Kanton Solothurn zufrieden. Ein Grossteil der befragten Lehrpersonen gab an, den eigenen Lohn im Vergleich mit demjenigen der Lehrpersonen aus anderen Kantonen als gut zu empfinden. Das Lohnsystem im Kanton Solothurn empfinden sie ausserdem als gerecht und Transparent. Handlungsbedarf gibt es aus ihrer Sicht aber, wenn man den Lohn vor den Anforderungen und Aufgaben im Alltag betrachten. Da empfinden die meisten den Lohn als zu tief. Auch die Lohnunterschiede zwischen den Stufen werden teilweise als ungerecht empfunden.

Arbeitsbelastung im Alltag: So geht es den Lehrpersonen

Ein grosser Teil der Befragten Lehrpersonen gibt an, mit Freude zu unterrichten. Viele fühlen sich dabei auch gesund. In vielen weiteren Punkten sehen die Lehrpersonen aber Verbesserungspotenzial. Vielen gelingt es nicht immer, am Wochenende oder nach Feierabend abzuschalten. Ausserdem fühlen sie viele unter Zeitdruck oder haben manchmal das Gefühl, dem Arbeitsalltag nicht mehr gewachsen zu sein. Als belastend werden etwa die Klassengrössen, die Ansprüche der Eltern, der Lärm im Schulzimmer oder der Umgang mit schwierigen Schülerinnen und Schülern empfunden.