Nationalrat

Mit Velo und Bahn nach Bundesbern: Zehn Fragen an die zwei neuen Solothurner Parlamentarier

Franziska Roth (SP, Solothurn) und Felix Wettstein (Grüne, Olten) starten am Montag in den Berner Parlamentsalltag.

Franziska Roth (SP, Solothurn) und Felix Wettstein (Grüne, Olten) starten am Montag in den Berner Parlamentsalltag.

Die neuen Solothurner Nationalräte Franziska Roth und Felix Wettstein erleben am Montag ihre Feuertaufe. Wir stellen zehn Fragen zum Start.

Verraten Sie uns, wie haben Sie den Sonntagabend vor dem ersten Tag im Bundesparlament verbracht?

Franziska Roth: Eines ist am Sonntag sicher: Da ich regelmässig die Frühmesse verpasse, wird das Glas Wein am Abend jeweils nachgeholt.

Felix Wettstein: Ich habe mich im Kulturzentrum Schützi in Olten von der ersten von 23 Sternschnuppen verzaubern lassen. An jedem Abend im Advent geht ein halbstündiges kulturelles Adventsfenster auf. Wenn ich es einrichten kann, gönne ich mir weitere.

Wie kommen Sie Klima-korrekt nach Bern? Heute und in Zukunft?

Wettstein: Zu Fuss würde es mir zu lange dauern, und mit dem Velo ist es mir etwas zu weit. Bisher bin ich erst einmal per Velo nach Bern zu einer Veranstaltung gefahren. Ansonsten habe ich immer den Zug genommen, und so wird es auch künftig sein. Mir ist aber bewusst: Die graue Energie miteingerechnet ist das nicht ganz «netto Null» Treibhausgase.

Roth: Die Wetterfee verspricht Kälte und Trockenheit. Das heisst: Man wird mich sehr wahrscheinlich auf dem Velo antreffen und ansonsten in der RBS.

Gehen wir Recht in der Annahme, dass Sie in einer «Bellevue»-Suite Logis nehmen?

Wettstein: Die Annahme ist falsch. Ich logiere während der Sessionen zu Hause in Olten. Mit dem Zug bin ich in 27 Minuten aus Bern zurück, dreimal stündlich.

Roth: Als Sozialdemokratin bin ich immer nah beim Volk. Ich finde immer eine Schlafgelegenheit, die persönlicher ist als die Hotellobby neben dem Bundeshaus. Aber grundsätzlich lebe ich auch während der Session im Herzen der Schweiz: im Kanton Solothurn. Darum ist Bern ja auch zur Bundesstadt erklärt worden: Damit wir Solothurnerinnen und Solothurner bei unseren Leuten bleiben können.

Sind Sie froh, dass es nun endlich losgeht – oder bereuen Sie, dass die schöne kurze Nachwahl-Phase schon vorbei ist?

Roth: Ich freue mich sehr und bereue keinen getanen Schritt. Als Politikerin erhebe ich meine Stimme für die Menschen in Armut, für Menschen die am Rande stehen und all diejenigen, die sich nur bedingt selber für ihre Rechte einsetzen können. Darum habe ich mit den Lobby-Einladungen zwei fein säuberliche Papierstapel gemacht: den einen im Altpapier, den anderen auf dem Pult.

Wettstein: Ich bin mehr als froh: Ich freue mich richtiggehend und bin in gespannter Erwartung! Am meisten freue ich mich auf die Zusammenarbeit in der grossen, 35-köpfigen Fraktion der Grünen, mit lauter sehr kompetenten Kolleginnen und Kollegen: 22 Frauen, 13 Männern.

Die Bundesratswahl am 11. Dezember ist der grosse Fixpunkt in der Session. Hand aufs Herz: Wird es eine grüne Bundesrätin geben?

Roth: Hand aufs Herz: Ich weiss es nicht! Aber ich persönlich finde es richtig und gut, dass die Grünen antreten!

Wettstein: Die Grünen gehören in die Regierungsverantwortung eingebunden, sonst kommt die Schweiz nicht voran. Klar: Die anderen Parteien könnten es den Grünen leicht machen und sie von der Verantwortung entbinden. Aber das schluckt die Wahlbevölkerung nicht. Darum ja: Es wird in der Schweiz eine grüne Bundesrätin geben.

Wie weit sind Ihre Vorbereitungen für die Session inhaltlich gediehen? Was ist das wichtigste Sachgeschäft für Sie?

Wettstein: Etwas vom Wichtigsten ist die parlamentarische Initiative «Für ein transparentes Lobbying». Für meine Vorbereitungen brauche ich laufend noch Zeit. Zu Beginn werde ich auf den Rat jener angewiesen sein, die in den vorberatenden Kommissionen bereits dabei waren.

Roth: Ich kämpfe gegen Armut. Armut ist vor allem weiblich, Armut betrifft Kinder und Ältere, Armut macht krank. Die Geschäfte dazu sind: 7. IV-Revision; Verbesserung der Vereinbarkeit von Erwerbstätigkeit und Angehörigenbetreuung, Pflegeinitiative, Überbrückungsleistung für ältere Arbeitslose, Stabilisierung der AHV...

Das Parlamentarierdasein ist heute faktisch für viele ein 100-Prozent-Job. Wie halten Sie es damit? Und wer unterstützt Sie in welchem Umfang bei der Parlamentsarbeit?

Roth: Ich arbeite ab nächstem Schuljahr noch zirka 20 bis 25 Prozent als Heilpädagogin. Zusätzlich habe ich zwei persönliche Mitarbeiterinnen engagiert. Beides hochkompetente Fachfrauen und selbstverständlich politisch versiert.

Wettstein: Mein Pensum an der Hochschule für Soziale Arbeit in Olten werde ich auf 40 Prozent reduzieren. Aber «nur» Parlamentarier sein will ich nicht. Im Verlauf des kommenden Jahres werde ich ein kleines Pensum für eine persönliche Mitarbeiterin, einen persönlichen Mitarbeiter einrichten. Im Moment ist es dafür noch zu früh.

An wen gingen Ihre Besucher-Badges?

Wettstein: Meine beiden Badges sind noch nicht verteilt. Auch damit lasse ich mir Zeit; vielleicht vergebe ich sie gar nicht. Viel lieber treffe ich mich mit Interessierten in unserem Kanton.

Roth: An meine persönlichen Mitarbeiterinnen. Sie wissen, wie mein Temperament zu zügeln ist, und sind blitzschnell im Mit- und Weiterdenken.

Gibt es etwas, auf das Sie sich in der Session ausserhalb des Politbetriebs schon heute freuen? Oder gibt es ab sofort nur noch den Vollblutpolitiker, die Vollblutpolitikerin?

Roth: Ich freue mich auf das Servieren im Haus der Kunst, wo sich eine wunderschöne Kunstgalerie jeweils in die «Brasserie Saint Jo» verwandelt. Und auf die abendlichen Adventsgeschichten für und mit meinem Gottenkind.

Wettstein: Vollblutpolitiker war ich bisher schon – und zwar nicht nur im Gemeindeparlament oder im Kantonsrat, sondern in allen Lebenslagen. Ich bin immer gleichzeitig Politiker und Mensch. Besonders freue ich mich auf den 11. Dezember, wenn in Dornach der höchste Solothurner im Jahr 2020, Daniel Urech, gefeiert wird.

Gibt es eine Parlamentarierin, einen Parlamentarier, auf den oder die Sie sich besonders freuen, ihn oder sie endlich kennen zu lernen? Und wem müssten Sie nicht unbedingt über den Weg laufen?

Roth: Also ich hoffe doch, dass ich ganz vielen Besucherinnen und Besucher aus dem Kanton Solothurn im Bundeshaus über den Weg laufe oder sie uns und mich gezielt besuchen kommen. Sei es, um mir auf die Finger zu schauen oder um Anliegen zu deponieren. Alles andere ist politromantischer Kitsch.

Wettstein: Das habe ich mir bisher nicht überlegt. Besonders freue ich mich auf die Bekanntschaft mit jenen, die aus ganz anderen Regionen stammen. Und jene, denen ich vielleicht nicht unbedingt über den Weg laufen möchte, sind gar nicht mehr gewählt worden.

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